República Federativa do Brasil
Föderative Republik Brasilien
Flagge Brasiliens
Wappen Brasiliens
Flagge Wappen
Wahlspruch: Ordem e Progresso

(Port. für „Ordnung und Fortschritt“)

Amtssprache Portugiesisch,
lokal verschiedene Minderheitensprachen
Hauptstadt Brasília
Staatsform Bundesrepublik
Regierungssystem Präsidentielle Demokratie
Staatsoberhaupt, zugleich Regierungschef Präsident Michel Temer
Fläche 8.515.770[1] km²
Einwohnerzahl 208.360.000 (Dezember 2017)[2]
Bevölkerungsdichte 24[3] Einwohner pro km²
Bevölkerungs­entwicklung +0,75 %[4] (2016)
Bruttoinlandsprodukt
  • Total (nominal)
  • Total (KKP)
  • BIP/Einw. (nominal)
  • BIP/Einw. (KKP)
2017[5]
  • 2.055 Mrd. USD (8.)
  • 3.240 Mrd. USD (8.)
  • 9.895 USD (69.)
  • 15.602 USD (84.)
Index der menschlichen Entwicklung 0,754 (79.) (2016)[6]
Währung Real (BRL)
Unabhängigkeit 1822 (Erklärung)
1825 (von Portugal anerkannt)
Nationalhymne Hino Nacional Brasileiro
Zeitzone UTC−5 bis UTC−2
(siehe Zeitzonen in Brasilien)
Kfz-Kennzeichen BR
ISO 3166 BR, BRA, 076
Internet-TLD .br
Telefonvorwahl +55
AntarktikaVereinigtes Königreich (Südgeorgien und die Südlichen Sandwichinseln)ChileUruguayArgentinienParaguayPeruBolivienBrasilienEcuadorPanamaVenezuelaGuyanaSurinameKolumbienTrinidad und TobagoCosta RicaEl SalvadorGuatemalaBelizeMexikoJamaikaKubaHaitiDominikanische RepublikBahamasNicaraguaVereinigte StaatenKanadaInseln über dem Winde (multinational)Puerto Rico (zu Vereinigte Staaten)Vereinigtes Königreich (Kaimaninseln)Vereinigtes Königreich (Turks- und Caicosinseln)Vereinigtes Königreich (Bermuda)Frankreich (St.-Pierre und Miquelon)Dänemark (Grönland)IslandIrlandFrankreichSpanienPortugalSpanien (Kanarische Inseln)MarokkoLibyenKap VerdeMauretanienMaliBurkina FasoElfenbeinküsteGhanaLiberiaSierra LeoneGuineaGuinea-BissauGambiaSenegalNigerAlgerienTogoBeninNigeriaKamerunÄquatorialguineaGabunRepublik KongoAngolaNamibiaSüdafrikaLesothoBotswanaSambiaHondurasFrankreich (Französisch-Guayana)Vereinigtes Königreich (Falklandinseln)Brazil on the globe (South America centered).svg
Über dieses Bild

Brasilien (portugiesisch Brasil, gemäß Lautung des brasilianischen Portugiesisch [bɾaˈziu̯] Audio-Datei / Hörbeispiel Aussprache?/i) ist der flächen- und bevölkerungsmäßig fünftgrößte Staat der Erde und auch das größte und mit seinen über 200 Millionen Einwohnern bevölkerungsreichste Land Südamerikas, von dessen Fläche es 47,3 Prozent einnimmt.[7] Bis auf die Länder Chile und Ecuador hat Brasilien mit jedem anderen südamerikanischen Staat eine gemeinsame Grenze.

Die ersten Spuren menschlicher Besiedlung durch Paläo-Indianer reichen ca. 30.000 Jahre zurück.[8] Nach der europäischen Entdeckung Amerikas und der Aufteilung des südamerikanischen Kontinents durch den Vertrag von Tordesillas wurde Brasilien eine portugiesische Kolonie. Diese mehr als drei Jahrhunderte andauernde Kolonialzeit, in der Einwanderer verschiedenster Herkunft (freiwillig oder gezwungenermaßen) nach Brasilien kamen, trug erheblich zur heutigen ethnischen Vielfalt Brasiliens bei. Nach der im Jahre 1822 erlangten staatlichen Unabhängigkeit, auf die eine Zeit der konstitutionellen Monarchie folgte, wurde das Land 1889 als Vereinigte Staaten von Brasilien zu einer Republik. Nach der Zeit der Militärdiktatur ab 1964 kehrte das Land in 1985 zur Demokratie mit einem präsidentiellen Regierungssystem zurück.

Der Name Brasilien geht auf den portugiesischen Namen pau-brasil des Brasilholz-Baumes (Caesalpinia echinata), der ein wichtiges Ausfuhrprodukt zur Zeit der frühen Kolonisation aus den Wäldern der Atlantikküste war, zurück. Brasa bedeutet im Portugiesischen „Glut“ und „glühende Kohlen“; das Adjektiv brasil („glutartig“) bezieht sich auf die Farbe des Holzes, das, wenn geschnitten, rot leuchtet (Brasilin) und in Europa zum Färben von Stoffen benutzt wurde.

Geographie

Der Berg Morrão im Nationalpark von Chapada Diamantina

Brasiliens Landschaft ist von ausgedehnten Regenwäldern des Amazonas-Tieflands im Norden und Hochebenen, Hügeln und Gebirgen im Süden geprägt. Während die landwirtschaftliche Basis des Landes im Süden und in den Savannengebieten des Mittelwestens (Cerrado) liegt, lebt der Großteil der Bevölkerung in der Nähe der Atlantikküste, wo sich auch fast alle Großstädte befinden.

Brasilien hat zehn Nachbarstaaten. Es grenzt – mit Ausnahme von Chile und Ecuador – an alle südamerikanischen Staaten (von Nordosten gegen den Uhrzeigersinn gesehen): an Französisch-Guayana mit 730 km, Suriname mit 593 km, Guyana mit 1298 km, Venezuela mit 1819 km, Kolumbien mit 1645 km, Peru mit 2995 km, Bolivien mit 3400 km, Paraguay mit 1290 km, Argentinien mit 1132 km und Uruguay mit 985 km. Die gesamte Grenzlänge beträgt 15.887 km und ist damit nach der Volksrepublik China und Russland die drittlängste Landgrenze der Erde.

Der kontinentale Teil Brasiliens liegt in zwei Zeitzonen, einige vorgelagerte Inseln gehören zu einer dritten. Siehe hierzu: Zeitzonen in Brasilien.

Höchste Berge

Der höchste Gipfel ist der 2994 m hohe Pico da Neblina, der im gleichnamigen Nationalpark nahe der Grenze zu Venezuela und Guayana liegt. Der zweithöchste Berg ist der Pico 31 de Março (2973 m). Der dritthöchste Berg ist der Pico da Bandeira (2891 m). Berühmter allerdings sind der 710 m hohe Corcovado mit der 30 m hohen Erlöser-Statue wegen seines Blickes über Rio de Janeiro sowie der seiner konischen Form wegen berühmte 395 m hohe Zuckerhut.

Gewässer

Flüsse

Zusammenfluss von Rio Negro und Amazonas (Schwarzwasserfluss und Weißwasserfluss) bei Manaus, Amazonas.

Der wichtigste Fluss ist der Amazonas, seine Wasserführung von 209.000 m³/s macht ihn zum weitaus wasserreichsten Fluss der Erde, größer als die sieben nächstkleineren Flüsse der Welt zusammen. Der längste Fließweg seines Flusssystems misst 6448 km; in dieser Hinsicht wird er nur noch vom wesentlich wasserärmeren Nil übertroffen. Die bedeutendsten Nebenflüsse, der Rio Madeira und der Rio Negro, sind bereits mit den größten Strömen anderer Kontinente vergleichbar. Es folgen der Rio Icá und der Rio Tapajós.

Iguazú-Wasserfälle am Dreiländereck Argentinien/Brasilien/Paraguay

Der Süden Brasiliens gehört bis auf einen schmalen Küstenstreifen zum Einzugsgebiet der Flüsse Uruguay (1790 km) und Paraná (3998 km). Der Paraná ist fast durchgehend aufgestaut; in Itaipú liegt das zweitgrößte Wasserkraftwerk der Welt. Einer seiner Nebenflüsse hat dem Staat Paraguay seinen Namen gegeben; ein anderer ist durch die Iguazú-Wasserfälle bekannt.

Seen

Die Lagoa dos Patos bei Porto Alegre ist mit über 10.000 km² die größte Lagune Brasiliens und die zweitgrößte Südamerikas. Danach kommt die weniger als halb so große Laguna Merín, südlich der Stadt Rio Grande.

Inseln

Zum brasilianischen Hoheitsgebiet gehören auch einige Inseln im Atlantik, z. B. die etwa 800 km vor der Küste gelegenen Sankt-Peter-und-Sankt-Pauls-Felsen, die nur mit einem Leuchtturm bebaut sind, und die ehemalige Sträflingskolonie Fernando de Noronha, die nicht weit von der Felsgruppe entfernt ist. Beide liegen auf dem mittelatlantischen Rücken. Vulkanischen Ursprungs sind die Inseln Trindade und Martim Vaz, die zum Bundesstaat Espírito Santo gehören. Das ovale Rocas-Atoll erstreckt sich über mehrere Kilometer und wurde aufgrund der außergewöhnlichen Tier- und Pflanzenwelt als Weltnaturerbe aufgenommen.

Die größte Insel aber ist Marajó zwischen der Mündung des Amazonas und dem Rio Pará, der zum Mündungsgebiet des Rio Tocantins gehört. Sie ist mit einer Fläche von etwa 48.000 km² größer als beispielsweise die Schweiz. Da aber große Teile in der Regenzeit überschwemmt sind, ist die Insel nur an einigen Orten besiedelt. Da das Nordufer von Marajó eine Meeresküste ist, gilt die Ilha do Bananal im Rio Araguaia mit ihrer Fläche von 20.000 km² als größte Flussinsel der Welt. Sie liegt in einem Nationalpark im Bundesstaat Tocantins und ist größer als beispielsweise Jamaika.

Klima

Das Klima Brasiliens, das zwischen 5° nördlicher Breite und 34° südlicher Breite liegt, ist überwiegend tropisch mit geringen jahreszeitlichen Schwankungen der Temperaturen. Nur im subtropischen Süden herrscht ein gemäßigteres Klima. Besonders im Amazonasbecken gibt es reichhaltige Niederschläge, man findet jedoch auch relativ trockene Landstriche mit teilweise lang anhaltenden Dürrezeiten, besonders im Nordosten des Landes. In den höheren Lagen im Süden des Landes fällt im Winter der Niederschlag gelegentlich als Schnee.

Im Süden befindet sich an der Grenze zu Bolivien und Paraguay ein ausgedehntes Feuchtgebiet, das Pantanal.

Flora und Fauna

Noch vor Kolumbien, Mexiko und Indonesien ist Brasilien das artenreichste Land der Erde. Entdeckt wurden bislang unter anderem rund 55.000 Blütenpflanzen-, über 3000 Süßwasserfisch-,[9] 921 Amphibien-,[10] 749 Reptilien-[11] und 51 Primaten-Arten. Weil die Waldfläche stetig verkleinert wird, ist ein hoher Anteil dieser Tierarten in seinem Bestand gefährdet (vgl. Abschnitt Umwelt).

Der immergrüne tropische Regenwald des Amazonasgebiets ist die größte zusammenhängende Waldfläche Brasiliens. Bislang wurden dort mehr als 2500 Baumarten entdeckt. Fast alle dieser bis zu 60 m hohen Bäume finden sich im von Überschwemmungen verschonten Eté-Wald der Terra Firme, die 98 % des Amazonasgebiets umfasst. In diesem Gebiet wachsen u. a. der Gummibaum (caucho), verschiedene Farb- und Edelhölzer (z. B. Palisander), Fruchtbäume (z. B. Paranussbaum) und Heilpflanzen. Auffällig sind die etwa 1000 verschiedenen Farn- und Orchideenarten. Neben der Terra firme gibt es die Várzea, die bei Hochwasser überschwemmt ist. Dort wachsen Jupati- und Miriti-Palmen. Das Igapó-Gebiet ist dagegen ständig überschwemmt. Als typische Pflanze in diesem Gebiet gilt die Açaí-Palme. Auf dem Amazonas, aber vor allem auf seinen Nebenflüssen, wachsen Seerosen, deren Blüten 30 bis 40 cm groß werden können. Entlang der Küste Amazoniens (mit Ausnahme der eigentlichen Amazonasmündung) finden sich ausgedehnte Mangrovenwälder, die allerdings mit sechs Mangrovenbaum-Arten verhältnismäßig artenarm sind.

Ein Jaguar

Besonders bekannt sind im gesamten Amazonasgebiet vor allem Papageien, Tukane und Kolibris. Es sind extrem viele Insekten- und Schmetterlingsarten bekannt. Größere Waldtiere sind der Tapir, das Wildschwein (Pekari), der Jaguar und der Puma. Daneben bevölkern kleinere Wildkatzen, Affen, Faultiere, Gürteltiere und Ameisenbären den Regenwald. An den Ufern und Flachwässern leben Anakondas, Kaimane und Capybaras („Wasserschweine“ – die größten Nagetiere der Welt) und weitere Säugetiere wie Riesenotter, Flussdelfine und Seekühe im tieferen Wasser. Auch zahlreiche Fischarten (etwa 1500) sind im Amazonas beheimatet. Darunter einer der größten bekannten Süßwasserfische der Welt: Der Pirarucú ist 2 m lang und wiegt etwa 100 kg. Ein Zitteraal, der 800-Volt-Stromschläge austeilt, und die Piranhas, manche Arten gut 30 cm lang, sind ebenso außergewöhnlich.

Der äußerste Nordosten Brasiliens, früher ebenso aus Regenwald bestehend, wird mittlerweile fast ausschließlich für Zuckerrohr-Plantagen und den Anbau von Baumwolle genutzt. Vereinzelt lassen sich noch Mangroven und Palmenhaine finden.

Die typische Vegetation des semiariden Berg- und Hochlandes im Zentrum (Cerrado) und im Nordosten des Landes (Sertão) ist die Savanne, von Baum- und Grassavannen, nach Nordosten hin, zu mit Laubbäumen durchsetzter Strauchsavanne. Typische Bewohner dieser Trockenzonen sind Großer Ameisenbär, Mähnenwolf, Pampashirsch, Nandu und verschiedene Gürteltiere. All diese Arten und daneben auch große Raubkatzen wie Jaguare und Pumas werden etwa im Nationalpark Emas, der eine Welterbestätte bildet, geschützt.

Das Pantanal weist eine noch größere Tier- und Pflanzenvielfalt auf. Charakteristisch sind neben zahlreichen Vogelarten Flachlandtapir, Sumpfhirsch, Wasserschwein und Kaiman. Die Sumpfregion im Mittelwesten des Landes steht sieben Monate im Jahr unter Wasser. Höher gelegene Gebiete der Region sind überwiegend Savanne. Wie auch in denen des Cerrado und sogar im Amazonasgebiet machen sich dort Weiden für Rinder breit.

In den küstennahen Gebirgen des Südens und Südostens finden sich die Schwerpunkte der kolonialen Erschließung und die am dichtesten besiedelten Gebiete. Anstelle des ursprünglichen atlantischen Regenwaldes, Lebensraum für Affen und zahlreiche andere Tierarten, dominieren Kaffeeplantagen. Die ursprüngliche Vegetation ist nur noch in einigen Nationalparks zu finden.

Der Süden zeigt subtropische Vegetation; die ursprünglichen Wälder aus Araukarien, die eine Höhe von bis zu 40 m erreichen, wurden größtenteils für Holzgewinnung zerstört. Heute sind Niedergrassteppen in dieser Region häufiger.

Naturschutz

In Brasilien gibt es 62 Nationalparks (Parques Nacionais). Schutzgebiete ähnlichen Charakters gibt es unter dem Namen Estação Ecológica. Es gibt auch Schutzgebiete der Bundesstaaten (Parques Estaduais) und auf Gemeindeebene. Diese und weitere Flächen wurden wegen ihrer ökologischen, wissenschaftlichen, touristischen und erzieherischen Bedeutung unter Schutz gestellt.

Einige Organisationen, die sich Natur- und Artenschutz verschrieben haben, sind:[12]

  • Instituto Onca-Pintada (IOP): brasilianische NGO zum Schutz des Jaguars (Jaguar Concervation Fund – JCF)
  • Whale and Dolphin Conservation (WDC): internationale Organisation für den Schutz von Delfinen und Walen im Amazonas
  • Amazon Region Protected Areas Program (ARPA): Schutzgebietsprogramm zum Erhalt des Regenwaldes

Umwelt

Zerstörung des Regenwaldes

Das Amazonasbecken, der größte und artenreichste Regenwald der Welt
Entwaldung im Amazonasbecken

Während der atlantische Küstenregenwald bereits zu rund 93 % zerstört ist und die Reste stark fragmentiert sind, ist der tropische Regenwald des Amazonasgebietes eines der größten noch verbliebenen Urwaldgebiete der Welt. Bis zur Ankunft der Europäer wurde er von der indigenen Urbevölkerung extensiv und nachhaltig genutzt, so dass die herbeigeführten Veränderungen der Ökosysteme der Artenvielfalt eher nutzten als schadeten. Viele der modernen Landnutzungsänderungen hingegen fügen den Wäldern immense Schäden zu. Das sind vor allem Rodungen für die Schaffung landwirtschaftlicher Flächen, die plantagenartige Land- und Forstwirtschaft (z. B. Jari-Projekt), aber auch Infrastrukturprojekte wie Straßen (zum Beispiel die Transamazônica und die Perimetral Norte), Minen (z. B. Serra dos Carajás) und Großstaudämme (selbst an direkten Nebenflüssen des Amazonas wie Tucuruí oder Belo Monte). Dabei wirkt sich nicht nur der Flächenverbrauch durch die Bauvorhaben selbst aus. Die zugehörigen Straßen machen die Gebiete für den (heute vorwiegend illegalen) Holzeinschlag verfügbar.

Das Holz aus diesen Wäldern wird nur zum Teil von der lokalen Bevölkerung genutzt (z. B. als Feuerholz oder für bereits in Brasilien hergestellte höherwertige Produkte wie Sperrholz, Zellstoff oder Baumaterial). Ein großer Teil wird international gehandelt. In Brasilien gibt es rund 2500 Unternehmen, die tropisches Hartholz kaufen und verkaufen. Die meisten von ihnen sind ausländische Großunternehmen. Zwar sind einige Tropenhölzer wie z. B. Mahagoni mittlerweile gesetzlich geschützt, der Handel geht jedoch illegal weiter.

Nach Angaben der FAO waren 2010 noch 60,1 % der Landesfläche mit Urwald bedeckt, im Vergleich zu 66,9 % im Jahr 1990 (ohne Berücksichtigung aufgeforsteter Flächen). Im Zeitraum 2000–2005 lag der Urwaldverlust bei jährlich 32.000 km².[13] Auf die Gesamtfläche der Wälder bezogen gingen in den letzten 20 Jahren jährlich rund 0,5 % verloren.

Von 2004 (ca. 27.000 km² jährlich[14]) bis 2012 waren die Raten rückläufig. 2005 wurden 18.793 km² bekanntgegeben, 2006 waren es 14.039 km². Nach Angaben des deutschen BMZ lag die Entwaldungsrate 2012 „nur“ noch bei rund 4570 km² (das ist etwas weniger als die Fläche der Balearen oder 0,09 % der gesamten Regenwaldfläche Brasiliens). Von August 2012 bis Juli 2013 hat die Rodung allerdings wieder auf 5800 km² zugenommen.[15]

Den Rückgang des Verlustes von Primärwald führte die Regierung Brasiliens auf die Durchsetzung ihrer Umweltstandards zurück, Umweltschützer sehen die Stärke des Real und die fallenden Sojapreise als Gründe.[16] In der Folge beriet im Januar 2008 ein Notfallkabinett der Regierung über Maßnahmen.[17] Die Behörden zum Schutz des Regenwaldes haben mit Geld- und Personalmangel sowie Korruption zu kämpfen. Nur im Rahmen von Schutzgebieten erfährt der Amazonaswald eine relative Sicherung. So konnte 2002 das weltweit größte Schutzgebiet (Tumucumaque) eines tropischen Regenwalds im Norden Brasiliens gegründet werden.

Brasilien hat Mitte 2008 einen Fonds zum Schutz des Amazonas-Regenwaldes ins Leben gerufen und erstmals einen Zusammenhang zwischen diesem Schutz und der globalen Erwärmung akzeptiert.[18] Die Regierung plant bis zum Jahr 2021 Investitionen von mehreren Millionen Euro, um an Stelle der Rodung nachhaltige wirtschaftliche Grundlagen für die Amazonasbevölkerung zu entwickeln. Das Land verhält sich aber gegenüber ausländischen Einflussnahmen in seine Amazonas-Politik abwehrend.[19]

Regenwaldböden sind nährstoffarm, daher ist die Vegetation auf die Wiederverwertung der Nähr- und Mineralstoffe aus der toten Biomasse angewiesen. Im tropisch heißfeuchten Klima zersetzen Mikroorganismen Laubstreu in sehr kurzer Zeit und führen sie den Pflanzen wieder zu, wohingegen kaum bodenbildende Prozesse stattfinden. Wenn aber der Wald entfernt wird und die Humusschicht gegen Sonne und Niederschläge ungeschützt liegt oder sich somit keine neue mehr auf dem unfruchtbaren Unterboden bilden kann, trocknen diese aus und es kommt zu Erosion. Sind die gerodeten Flächen größer, kann sich der Wald dort nicht regenerieren.

Bäume binden Kohlenstoffdioxid, das in der Atmosphäre einen Treibhauseffekt bewirkt. Die in Brasilien freigesetzten Treibhausgase gehen zu drei Vierteln auf Brandrodungen und zu einem Viertel auf die Verbrennung fossiler Brennstoffe zurück.

Weitere Umweltprobleme

Ein weiteres Umweltproblem ist der Bauxit- und Goldtagebau, der die Flüsse vergiftet und die lokale Bevölkerung gefährdet. Die Goldgräber (Garimpeiros) verwenden zum Auswaschen des Goldes Quecksilber (Amalgamverfahren). Die giftigen Dämpfe entweichen in die Luft, und das Schwermetall verseucht Gewässer, Böden und Grundwasser und verursacht damit schwerwiegende Gesundheitsschäden bei Mensch und Tier.

Wie überall zieht die Förderung von Erdöl Probleme nach sich: 2000 erlitt der Fluss Iguaçu eine Ölpest. Ein Jahr später sank vor der brasilianischen Küste die damals größte Bohrplattform der Welt und bedrohte das dortige Ökosystem. Städte haben mit Luftverschmutzung und Abwasserproblemen zu kämpfen.

In Brasilien wird dem Kraftstoff eine gewisse Menge Alkohol beigemischt. Neben umwelttechnischen Gründen (Reduzierung der Schadstoffemissionen) sind dafür hauptsächlich die Kosten verantwortlich: Ethanol ist deutlich billiger als Automobil- und Flugbenzin. Der Anteil an Ethanol im Benzin ist gesetzlich geregelt und wurde 2006 von ehemals 25 % auf 20 % gesenkt. In Brasilien kann man Autos fahren, die einen Ethanol-, Benzin- oder einen Flex-Fuel-Motor besitzen. Das dreimillionste Flex-Fuel-Auto wurde im Dezember 2005 verkauft. Auch die ersten Flugzeuge fliegen mit Ethanol, was die Luftverschmutzung insgesamt reduziert. Das erste mit Alkohol betriebene Flugzeug der Welt, die EMB-202 Ipanema, wurde 2002 von Embraer in Brasilien gebaut. Brasilien ist der viertgrößte Auto- und mit 12.000 Flugzeugen der zweitgrößte Flugzeug-Produzent der Welt.

Umweltabkommen

Brasilien hat sich an diesen Umweltabkommen beteiligt: Ramsar-Konvention (1971), Washingtoner Artenschutzübereinkommen CITES (1973), Biodiversitätskonvention (1992), Basler Konvention (1989), Rahmenübereinkommen über Stoffe, die zum Abbau der Ozonschicht führen, Kyoto-Protokoll (1997).

Bevölkerung

Demographische Struktur

Bevölkerungsentwicklung ×1.000.000
Brasilien befindet sich im demografischen Übergang
Bevölkerungspyramide Brasiliens im Jahre 2016

Brasiliens Bevölkerung erlebte im Laufe des 20. Jahrhunderts eine enorme Expansion und wuchs von knapp 70 Millionen im Jahre 1950 auf über 200 Millionen heute an. In Zukunft wird allerdings nur noch ein moderater Zuwachs erwartet. Die brasilianische Bevölkerung ist noch sehr jung.[20] 23,27 % sind unter 15 Jahre alt und nur 7,8 % über 64 (Stand: 2015). Das mittlere Alter beträgt 31,1 Jahre, die mittlere Lebenserwartung liegt bei 74,7 Jahren. Sie lag 2015 bei der männlichen Bevölkerung bei 71,0 Jahren und bei der weiblichen bei 78,4 Jahren.

2014 betrug die Geburtenziffer 15 Neugeborene auf 1000 Einwohner. Die durchschnittliche Kinderzahl je Frau betrug 1,8. Mit der Urbanisierung und dem steigenden Wohlstand ist die Geburtenziffer deutlich gesunken. In den 1950er Jahren lag die Fertilität pro Frau noch bei über 6 Kindern. Die Sterbeziffer betrug sechs auf 1000 Einwohner und ist damit, dank noch jungem Durchschnittsalter und steigender Lebenserwartung, sehr niedrig.[21]

Brasilien gehört somit zu den Ländern, in denen die Fruchtbarkeit innerhalb weniger Jahrzehnte rapide gefallen ist. Wegen früherer hoher Fruchtbarkeitsraten gibt es noch relativ viele junge Menschen, doch es befindet sich in der fünften Phase des demographischen Überganges. In dieser Phase liegt die Kinderzahl pro Frau unter dem langfristig zur Konstanthaltung der Bevölkerung notwendigen Niveau von 2,1 und die Bevölkerung wird langfristig gesehen ohne Zuwanderung abnehmen.[22] Es wird angenommen, dass es ab 2025 zu einer Überalterung der Bevölkerung und somit zu einem Mangel an Arbeitskräften bei gleichzeitiger Zunahme der älteren Bevölkerung kommen wird.[1]

85,7 % der Bevölkerung lebten im Jahr 2015 in den Städten,[1] die sich durch rasantes Wachstum und Wildwuchs auszeichnen; in zuvor unerschlossenen Gebieten der Städte haben sich Favelas genannte Armensiedlungen gebildet.

Bevölkerungsdichte Brasiliens

Verteilung der Bevölkerung in Brasilien

Etwa 90 % der Bevölkerung konzentrieren sich auf die Bundesstaaten der Ost- und Südküste Brasiliens mit einer Bevölkerungsdichte von 20 bis über 300 Einwohner/km². Der Rest Brasiliens, mit dem Amazonas und den Bergregionen, hat zwar die weitaus meiste Fläche, aber nur eine Bevölkerungsdichte von unter fünf bis 20 Einwohnern/km². Der Hauptstadtdistrikt Distrito Federal do Brasil als Stadtstaat und der Bundesstaat Rio de Janeiro haben eine Bevölkerungsdichte von über 300 Einwohner/km².

Migrationssaldo

Das Migrationssaldo pro 1000 Einwohner liegt bei 0. Das bedeutet, dass ungefähr gleich viele Personen nach Brasilien einwandern wie auswandern.[23] Obwohl ein großer Teil der Bevölkerung Brasiliens historische Wurzeln im Ausland hat sind heute nur 0,1 % der Bevölkerung außerhalb Brasiliens geboren, womit Brasilien einen der niedrigsten Ausländeranteile der Welt hat. Insgesamt befanden sich 2015 ca. 713.000 Migranten im Land wovon die größte Gruppe Portugiesen waren. Im selben Jahr lebten knapp 20.000 in Deutschland geborene Personen in Brasilien.[24]

Ethnien

Sklaverei in Brasilien. Gemälde von Moritz Rugendas

Ursprünglich vier Bevölkerungsgruppen bilden die brasilianische Bevölkerung. Sie sind heute jedoch so umfassend vermischt, dass eine klare Zuordnung oft nicht mehr möglich ist. Diese Gruppen sind:

Etwa die Hälfte der brasilianischen Bevölkerung hat einen nicht unerheblichen Anteil afrikanischer Vorfahren, die vom 16. bis zum 19. Jahrhundert als afrikanische Sklaven in das Land gebracht wurden. Die Schwarzen haben sich jedoch im Laufe der Zeit stark mit der europastämmigen Bevölkerung vermischt. Laut einer genetischen Studie aus dem Jahre 2013 ist die Bevölkerung Brasiliens im Durchschnitt zu ca. 60 % europäischer Abstammung, zu ca. 25 % afrikanischer Abstammung und zu ca. 15 % indianischer Abstammung. Europäische Abstammungslinien sind am stärksten im Süden des Landes verbreitet mit 74 % und am wenigsten im Norden mit 51 %. Afrikanische Gene sind am stärksten im Nordosten verbreitet mit 28 % und am schwächsten im Süden mit 15 %. Indigene Abstammung ist am stärksten im dünn besiedelten Norden des Landes verbreitet mit 32 % und am schwächsten im Süden mit 11 %. Übergänge zwischen ethnischen Gruppen sind in Brasilien oft fließend, da die große Mehrheit der Bevölkerung von mehr als einer Bevölkerungsgruppe abstammt. So waren Brasilianer, die sich selbst als Weiße bezeichnen, zu 75 % europäischer Abstammung, während Brasilianer, die sich selbst als Schwarze bezeichnen, zu 58 % afrikanischer Abstammung waren.[27]

Nach einer Erhebung des IBGE im Jahre 2005 (2016) bezeichnen sich rund 49,9 % (45,5 %) der Brasilianer selbst als Weiße, 43,2 % (45 %) als Mischlinge (pardo) und 6,3 % (8,6 %) als Schwarze, 0,7 % (0,9 %) als Gelbe oder Indigene. Der größte Teil der afrobrasilianischen Bevölkerung lebt im Nordosten. Das Selbstverständnis und das Verhältnis der Rassen untereinander ist nicht frei von Konflikten und unbearbeitet. 70 Prozent der von Armut betroffenen sind Afrobrasilianer und auch bei der Kriminalität und deren Opfer sind drei Viertel der Betroffenen dunkelhäutig.[28]

Indigene Bevölkerung

Ein junges Mädchen der Asháninka in Acre

Die indigenen Völker in Brasilien lebten teilweise von Fischfang und Sammeln Jagd, zudem von dem fragilen Ökosystem angepasster Bodenbewirtschaftung. Ein großer Teil der einheimischen Bevölkerung starb im Zuge der europäischen Kolonialisierung, meist an eingeschleppten Krankheiten, aber auch infolge von Zwangsarbeit oder durch Versklavung. Der Großteil der außerhalb des Regenwalds lebenden Indianer, insbesondere in den Städten, wurde, soweit er Gewalt und Epidemien überlebte, assimiliert und vermischte sich mit den europäischen Einwanderern. Von schätzungsweise fünf bis sechs Millionen Indios in der Zeit um 1500 brach die Bevölkerungszahl bis zum Jahr 1950 auf 100.000 ein.

Bis 1997 wuchs die indigene Bevölkerung wieder auf etwa 300.000. Nach Angaben der brasilianischen Botschaft leben heute ungefähr 410.000 Indios im Land, was rund 0,2 % der Bevölkerung entspricht. 2005 gab es Berichte über einen erneuten Anstieg der Zahl der in Brasilien lebenden Indios auf etwa eine halbe Million. Das größte indigene Volk Brasiliens sind die Guaraní mit circa 46.000 Angehörigen in sieben Bundesstaaten.[29]

Angehörige eines isolierten Volkes im brasilianischen Bundesstaat Acre, 2012 Eine typische Behausung der Indigenen in Brasilien, genannt Oca
Angehörige eines isolierten Volkes im brasilianischen Bundesstaat Acre, 2012
Eine typische Behausung der Indigenen in Brasilien, genannt Oca

100.000 bis 200.000 Indios leben heute in Städten, wodurch die indianische Kultur allmählich verloren geht. Es bestehen zwar zahlreiche Reservate im Amazonasgebiet, doch leben nur wenige gemäß ihrer hergebrachten Kultur. Durch die Abholzung des Urwalds wird ihr Lebensraum rapide zerstört. Dabei werden die erwirtschafteten Erlöse aus dem Amazonasgebiet heraustransferiert, es mangelt also an Investitionen vor Ort, erst recht an Entschädigungen. Minenarbeiter und Goldgräber belasten nicht nur Flüsse und Böden mit schwerem Gerät und giftigen Chemikalien, sie bringen auch Krankheiten und Gewalt. Der Regierung wird dabei Mitschuld vorgeworfen, da Mörder nur selten strafrechtlich verfolgt werden. Außerdem vergibt sie Genehmigungen zur wirtschaftlichen Nutzung von Gebieten (z. B. zur Ölförderung), die von Indios bewohnt sind. Aufgrund dieser extrem schlechten Erfahrungen meiden an die hundert Völker möglichst jeden Kontakt.

Demgegenüber steht die offizielle Rechtsposition der Indigenen in Brasilien. Bereits 1988 wurden ihnen als Folge der internationalen Debatte um die ILO-Konvention 169 in der Verfassung (Art. 231[30]) weitgehende Rechte garantiert, die das traditionelle Leben, die Selbstbestimmung sowie auch die Eigentums- und Nutzungsrechte an ihrem Land enthalten.[25] Im August 2017 schützte ein Gericht die Rechte der Indios gegen eine "Zeitgrenze", wonach sie den Anspruch auf im Jahr 1988 nicht bewohnte Gebiete verloren hätten.

„Traditionelle Völker und Gemeinschaften“

Nicht nur die Indigenen haben wertvolles traditionelles Wissen über Pflanzen u. a., sondern auch die afroamerikanischen Quilombolas

Brasilien hat im internationalen Vergleich eine sehr entwickelte Debatte über sogenannte „traditionelle Völker und Gemeinschaften“ (Povos e Comunidades Tradicionais). Mit dieser originär brasilianischen Bezeichnung werden alle lokalen Gemeinschaften zusammengefasst, die eine an Traditionen und Subsistenzwirtschaft orientierte Lebensweise führen. Entscheidend dabei ist dass die Zuordnung unabhängig von der ethnischen Zugehörigkeit ist, und so zählen hierzu nicht nur indigene Gruppen, sondern auch nicht-indigene Gruppen wie die Quilombolas, die von schwarzen Sklaven abstammen, oder die Kautschukzapfer, die europäische und indianische Vorfahren haben.[25]

Traditionelle Völker und Gemeinschaften sind Kulturen, die sich im Laufe ihrer Geschichte erkennbar häufiger für die Bewahrung der bestehenden Strukturen positioniert haben. Da dies immer ein aktiver Prozess ist, sind sie weder primitiver noch weniger dynamisch als die „modernen Kulturen“. Zudem muss man beachten, dass die Zuordnung relativ ist, da die Unterscheidung von „traditionell“ und „modern“ eine subjektive Wertung ist, die vom Zeitgeist abhängt und die einseitig aus der Sicht der Modernen erfolgt![31]

Ganz im Gegenteil betrachtet die Wissenschaft sie heute als die Gruppen, die bisher am wenigsten zur ökologischen und klimatischen Gefährdung des Planeten beigetragen haben. Sie haben eine große Zahl von traditionell nachhaltigen Lebens- und Wirtschaftsweisen entwickelt, die an die jeweiligen Ökosysteme angepasst sind. Gleichzeitig sind es gerade diese Gruppen, die unter ökonomischen Erschließungsprojekten sowie ökologischen und klimatischen Veränderungen besonders zu leiden haben. Die vielfältigen und massiven Konflikte lassen befürchten, dass viele lokale Gemeinschaften trotz politischer Verbesserungen ihre Territorien verlieren werden und damit ihre spezifischen kulturellen Ausdrucksformen.[25]

Während die Landrechte der Indigenen seit der Gründung Brasiliens eine Rolle in der Politik spielen, begann die Debatte über die Rechte für nicht-indigene, lokale Gemeinschaften erst in den 1980er Jahren. Es begann mit den Kautschukzapfern im Bundesstaat Acre: Sie forderten gesicherte Territorien und das Recht auf eine nachhaltige regionale Wirtschaftsweise und entwickelten dazu die Idee der Sammelgebiete. Diese Bestrebungen führten bis 2007 zur Ausweisung von 65 solcher Nutzreservate (Reservas Extrativistas, RESEX) in Amazonien mit einer Gesamtfläche von 117.720 km². Davon ermutigt stellten bald auch andere traditionelle Gemeinschaften wie beispielsweise die Amazonas-Flussanwohner und die Babaçu-Sammlerinnen ähnliche Forderungen, die ebenfalls erfolgreich waren. 2004 wurde mit der „Nationalen Kommission für traditionelle Völker und Gemeinschaften“ erstmals eine Vertretung eingerichtet, die nicht nur indigenen Völkern nutzen sollte. 2007 wurde schließlich das rechtlich bindende „Dekret für Traditionelle Völker und Gemeinschaften“ (Decreto 6040) vom Präsidenten der Republik unterzeichnet. Darin wird neben der Festschreibung der traditionellen Rechte explizit auf eine nachhaltige Entwicklung und Ökonomie hingewiesen, ohne die die langfristige Existenz dieser Gruppen kaum vorstellbar ist. Im Gegensatz zu den von der Verfassung garantierten Landrechten der Indigenen und Quilombolas enthält das Dekret allerdings keine Verpflichtung zur Ausweisung konkreter Gebiete. Zweifellos hat sich die Rechtsposition der lokalen Gemeinschaften seit den 1980er Jahren deutlich verbessert. Da die Entwicklungspolitik Brasiliens derzeit jedoch nach wie vor auf die Ausbeutung der Naturressourcen setzt und die Zerstörung der Ökosysteme und der destruktive Kulturwandel weiterhin dramatisch fortschreiten, ist gerade die Sicherung der Territorien der entscheidende Punkt für den langfristigen Fortbestand der lokalen Kulturen.[25]

Sprachen

Brasilien ist das einzige portugiesischsprachige Land Amerikas. Das brasilianische Portugiesisch hat einen eigenen Charakter. Es unterscheidet sich in der Aussprache und durch eine leicht abgewandelte Orthographie und Grammatik von der europäischen Variante. Das (brasilianische) Portugiesisch ist alleinige Amtssprache und für mindestens 97 % der Bevölkerung Muttersprache.

Die Indianersprachen werden nur noch von etwa 0,1 % der Bevölkerung gesprochen, dazu zählen Guaraní, Makú, Tupi und Gês, wobei die letzten beiden vorrangig im Amazonasgebiet verbreitet sind, wo der Einfluss der Europäer gering blieb. In den Küstengegenden sind die Indianersprachen praktisch vollständig verdrängt worden. Guaraní hatte zu Kolonialzeiten eine größere Bedeutung und ist nur knapp daran gescheitert, Amtssprache des Landes zu werden. Insgesamt werden in Brasilien 188 verschiedene Sprachen und Idiome gesprochen.

Nicht-indianische Minderheitensprachen

Aufgrund der Einwanderung gibt es in Brasilien zahlreiche Minderheitensprachen.

Bis zu 1,5 Millionen Brasilianer sprechen Deutsch als Muttersprache. Damit ist Deutsch die zweithäufigste Muttersprache des Landes. Nachfahren der Auswanderer aus Pommern beherrschen zuweilen das Ostpommersche (Niederdeutsch) wesentlich besser, während ihr Hochdeutsch kein muttersprachliches Niveau erreicht. Eine besonders starke pommersche Minderheit lebt im Bundesstaat Espírito Santo.

Weiterhin sprechen etwa 500.000 Menschen Italienisch, 380.000 Japanisch und 37.000 Koreanisch.

Dabei muss berücksichtigt werden, dass bei den Sprachminderheiten die Zahl der Sprecher sehr optimistisch berechnet ist. Diese Volksgruppen gehörten teilweise zu den ersten Siedlern, und ihre Nachfahren verstehen fast nur noch Portugiesisch. In den Ortschaften, die als Zentren für Einwanderer galten, entstanden oftmals brasilianische Dialekte der Einwanderersprache. Beispiele sind Talian, brasilianisches Italienisch, und das Riograndenser Hunsrückisch, brasilianisches Deutsch. Bis ins 20. Jahrhundert hinein gab es (besonders im Süden) ganze Gemeinden, in denen ausschließlich Deutsch oder Italienisch gesprochen wurde, da insbesondere die deutschen Auswanderer und deren Nachfahren über eine gute Infrastruktur aus Schulen, Vereinen u. Ä. verfügten und zumeist in relativ geschlossenen Kolonien lebten. Als während des autoritären Regimes des Estado Novo (1937–1945) eine Nationalisierungskampagne betrieben wurde, geriet die deutsche Gemeinschaft zunehmend unter Druck, da der Staat den Assimilierungsprozess forcierte. Der Eintritt Brasiliens in den Zweiten Weltkrieg bot den entsprechenden Anlass, um die Sprachen der Feindstaaten zu verbieten und deutsche und italienische Schulen zu schließen, woraufhin das Portugiesische auch in diesen Ortschaften Einzug hielt.

Gemeinden mit Deutsch als zweiter Amtssprache
Pomerode in Santa Catarina, einer der Gemeinden mit offiziell anerkannter Zweitsprache. In dieser Region ist der deutsche Dialekt eine der wichtigsten Sprachen.
Ansicht von Blumenau

Sortiert nach Bundesstaaten:[32]

Espírito Santo
Minas Gerais
  • Itueta (nur im Distrikt „Vila Nietzel“)
Rio Grande do Sul
Santa Catarina
  • Pomerode
  • Antônio Carlos
  • Rio Grande do Sul

    Santa Catarina

    • Englisch ist als Fremdsprache nicht so etabliert wie in europäischen Ländern. Obwohl Englisch normalerweise in den Schulen unterrichtet wird, fasst die Sprache nur langsam Fuß in Brasilien. Auch in den Großstädten ist es nicht selbstverständlich, dass die Leute Englisch sprechen oder verstehen. Für gewöhnlich verstehen die Brasilianer aber zumindest ansatzweise Spanisch, auch wenn sie die Sprache selbst nicht sprechen. Als Folge der verstärkten wirtschaftlichen Zusammenarbeit der lateinamerikanischen Länder im Mercosul wird die Bedeutung des Spanischen gegenüber dem Englischen noch zunehmen. In den Grenzgebieten zu anderen südamerikanischen Ländern bildete sich das sogenannte Portunhol heraus, eine Mischsprache aus Portugiesisch und Spanisch, die die Verständigung erleichtert. Besonders im Grenzgebiet zu Paraguay ist diese Mischsprache häufig anzutreffen, dies vor allem deshalb, weil die Grenzstadt Ciudad del Este ein wichtiger Handelsplatz für die brasilianischen Straßenhändler („Sacoleiros“) ist.

      Religionen

      Laut dem Zensus des Jahres 2010[33] bekennen sich 64,6 % der Bevölkerung zur römisch-katholischen Kirche. Dieser Anteil schrumpft seit Jahren immer weiter: Lag er 1960 noch bei 91 %, nahm er bis 1985 auf 83 % ab und betrug im Jahr 2000[34] nur noch 73,6 %. Teile des brasilianischen Katholizismus sind stark von afrobrasilianischen Traditionen beeinflusst.

      22,2 % der Bevölkerung sind Protestanten. Diese Konfession kam seit dem 19. Jahrhundert mit deutschen Einwanderern ins Land. Im 20. Jahrhundert haben aber vor allem nordamerikanische Missionskirchen Erfolge erzielt. So gab es seit etwa 1960 eine Zunahme protestantischer Sekten und Freikirchen. Heute gibt es 35.000 Freikirchen in Brasilien. 2,0 % sind Anhänger des Spiritismus, 0,3 % bekannten sich zu afro-brasilianischen Religionen wie Candomblé und Umbanda. Bemerkenswert ist der laut einer Untersuchung von 2006[35] hohe Anteil von Anhängern oder Sympathisanten der Pfingstbewegung (15 Prozent), was demnach prozentual der dritthöchste der Welt in einem Staat ist. Zu beachten ist dabei allerdings die beträchtliche Unschärfe der Zuordnung; ein Großteil der Zuordnung der Anhänger der Pfingstbewegung dürfte sich mit der allgemeineren Zuordnung Protestanten überschneiden.

      Basilika Unserer Lieben Frau von Aparecida, São Paulo

      Des Weiteren gibt es knapp 1.400.000 Zeugen Jehovas, etwa 225.000 Mormonen, 245.000 Buddhisten, meist Nachkommen japanischer Einwanderer, 107.000 Juden, über 35.000 Muslime, meist Nachkommen syrisch-libanesischer Einwanderer, und mehr als 5500 Hindus. 8,0 % erklärten, keiner Religion anzugehören.

      Im Jahr 2000 zählte man etwa 17.100 Anhänger indigener südamerikanischer Religionen; das sind 0,01 % der Brasilianer und rund 4,1 % der indigenen Bevölkerung;[36] Tendenz: stark rückläufig. Aggressive Missionstätigkeiten – trotz Verbot der Zwangsmissionierung – führen allerdings nicht nur zum christlichen Glauben, sondern gleichsam zu einem erheblichen Kulturwandel, der mit einer Zerstörung der traditionellen Weltanschauungen der Menschen einhergeht (u. a. Moralvorstellungen, Verhältnis zur Umwelt, überliefertes Wissen, Sozialstrukturen). Überdies setzen sich viele Missionare über die geltenden Quarantänevorschriften hinweg, so dass viele Indigene an eingeschleppten Krankheiten sterben.[37] Vielfach kam es jedoch zu synkretistischen Vermischungen ethnischer- und christlicher Religion(en) und es ist davon auszugehen, dass eine große Zahl Indigener sich nur nach außen zum Christentum bekennt.

Soziales

Land- und Vermögensverteilung

Brasilien weist eine stark ungleiche Verteilung der Vermögen auf. Der Gini-Koeffizient betrug im Jahr 2000 0,78 (0 bedeutet vollständige Gleichverteilung, 1 bedeutet, alles Vermögen gehört einem Haushalt).[38] Dies steht im Zusammenhang mit der ungleichen Landverteilung. So waren bis 1998 2,8 % der Bauern Großgrundbesitzer mit zusammen 57 % der Agrarfläche, wohingegen 90 % der Bauern sich 22 % der Fläche teilen mussten. Etwa fünf Millionen Familien gelten als landlos. Laut einer Studie beträgt der durchschnittliche Vermögensbesitz je erwachsene Person 17.485 US-Dollar. Im Median liegt er jedoch bei nur 4.591 US-Dollar (Weltdurchschnitt: 3.582 US-Dollar), was auf eine hohe Vermögensungleichheit hindeutet. Mehr als 70 % der brasilianischen Bevölkerung besitzt weniger als 10.000 US-Dollar an Vermögen.

Afro-Brasilianer, die sieben Prozent der Bevölkerung ausmachen, sind überproportional in der armen Bevölkerung vertreten. Nicht viel besser ergeht es den Indios. Ein Gleichstellungs- und Anti-Hunger-Programm gibt es seit 2003.

Bildungswesen und Wissenschaft

Die Alphabetisierungsrate des Landes lag 2015 bei 92,2 %[39], das Schulabgangsalter bei 16 Jahren. In Brasilien stieg die mittlere Schulbesuchsdauer aller Personen über 25 von 3,8 Jahren im Jahr 1990 auf 7,8 Jahre im Jahr 2015 an. Die aktuelle Bildungserwartung beträgt bereits 15,2 Jahre.[40] Die Schule zu besuchen ist Pflicht. In die Bildung fließt ein ähnlich großer Teil des Bruttosozialprodukts wie in Europa; in absoluten Zahlen ist das Bildungsbudget etwa so groß wie das deutsche (2004). In Brasilien teilt sich diese Summe jedoch auf eine mehr als doppelt so große und im Durchschnitt wesentlich jüngere Bevölkerung auf. Die staatlichen Schulen genießen einen schlechten Ruf. Deshalb schicken finanziell besser gestellte Eltern ihre Kinder auf private Schulen. Diese unterscheiden sich in der Höhe des Schulgeldes und der Qualität des Unterrichts erheblich. In den letzten PISA-Studien lag Brasilien im unteren Viertel der teilnehmenden Staaten. Im PISA-Ranking von 2015 erreichen brasilianische Schüler Platz 66 von 72 Ländern in Mathematik, Platz 64 in Naturwissenschaften und Platz 60 beim Leseverständnis.[41]

In 150 Universitäten werden fast 2,8 Millionen Studenten unterrichtet. Etwas mehr als die Hälfte der Hochschulen sind staatlich. Sie sind für alle Menschen mit qualifizierendem Schulabschluss nach einer Aufnahmeprüfung frei zugänglich und gebührenfrei. Die privaten Hochschulen finanzieren sich über unterschiedlich hohe Studiengebühren. Entsprechend schwankt ihre Ausstattung und die Qualität der Lehre. An den staatlichen Hochschulen werden zweimal jährlich einheitliche und offizielle Aufnahmeprüfungen, sogenannte vestibulares, abgenommen. Die Bewerberzahl übersteigt meist bei weitem die Anzahl der vorhandenen Studienplätze. Bewerber bereiten sich deshalb nach dem Schulabschluss oft mit sogenannten cursinhos auf das vestibular vor, die von privaten Bildungseinrichtungen angeboten werden und dementsprechend kostenpflichtig sind. Wer im vestibular keinen Studienplatz erhält, hat die Möglichkeiten, bis zum nächsten Semester zu warten und das vestibular erneut zu absolvieren oder auf einer der privaten Hochschulen zu studieren.

Bekannt sind die Forschungen zur Nutzung regenerativer Energien, die zum Beispiel beim Bau des Wasserkraftwerks Itaipú (Vorbild des Dreischluchtendamms) Anwendung fanden. Auch der Motorenbau verdient Beachtung: Das erste Auto mit Alkoholmotor lief 1979 in Brasilien vom Band, und der Ingenieur Vincente Camargo entwickelte im Jahr 2005 den ersten Alkoholmotor (Methanol) für Flugzeuge, der von der Flugzeugbaufirma (Neiva-Embraer) als erstes erprobt wurde. Forschung zur Luftfahrt findet besondere Beachtung in Brasilien. Alberto Santos Dumont – nach dem der nationale Flughafen in Rio de Janeiro benannt ist – war um 1900 ein Erfinder und Luftfahrtpionier.

Gesundheit

Gesundheit (Daten von 2015)
Lebenserwartung (in Jahren) 71 (m) / 78 (w)
Kindersterblichkeit 2,0 % (m) / 1,6 % (w)
Ausgaben für Gesundheit 7,9 % des BSP
Aids-Tote (2003) 15.000
Gemeldete AIDS-Neuerkrankungen (2003) 25.123
Quelle: Weltgesundheitsorganisation, UNAIDS

Da dem staatlichen Gesundheitswesen nur wenig Geld zur Verfügung steht, sind viele Krankenhäuser stark renovierungsbedürftig und veraltet. Obwohl nur 15 % der Ausgaben für Gesundheit in die Krankheitsprävention fließen, konnte die Säuglingssterblichkeit seit 1970 um zwei Drittel gesenkt werden. Ein Arzt betreut im Durchschnitt 633 Patienten, 87 % der Bevölkerung erhalten sauberes Trinkwasser. Die häufigsten Todesursachen sind Herzerkrankungen, Krebs, aber auch Unfälle und Gewalt.

Ab 2013 holte die brasilianische Regierung tausende ausländische Ärzte ins Land, vor allem Kubaner.[42]

In Brasilien wird jeder im Krankenhaus oder beim Arzt behandelt, ohne eine Krankenversicherung zu besitzen. Dennoch haben viele eine Privatkrankenversicherung, die ihnen die Behandlung in privaten Häusern ermöglicht.

Anfang des Jahrzehnts verklagten Pharmakonzerne aus der ganzen Welt den Staat wegen Patentrechtsverletzungen. Dem zugrunde lag die Forderung der brasilianischen Regierung, die teuren ausländischen Medikamente zu verbilligen und somit auch den erkrankten Brasilianern zugänglich zu machen, die sich die entsprechenden Medikamente nicht leisten können. Da die Konzerne dieser Forderung nicht nachkamen, stellte Brasilien für über 100.000 der mittlerweile etwa 660.000 HIV-Infizierten kostenlose Medikamente für die antiretrovirale Therapie zur Verfügung. 2001 wurde die Klage jedoch fallengelassen. 2005 kam es zu einem ähnlichen Streit zwischen Brasilien und der US-Pharmaindustrie.

Entwicklung der Lebenserwartung in Brasilien

Zeitraum Lebenserwartung in
Jahren
Zeitraum Lebenserwartung in
Jahren
1950–1955 50,8 1985–1990 64,4
1955–1960 53,0 1990–1995 66,3
1960–1965 55,5 1995–2000 68,9
1965–1970 58,0 2000–2005 71,1
1970–1975 60,1 2005–2010 72,9
1975–1980 61,3 2010–2015 74,7
1980–1985 62,7

Quelle: UN[20]

Innere Sicherheit

Kriminalität

Das Viertel Rocinha in Rio de Janeiro ist aufgrund seiner reizvollen Lage prädestiniert für den Aufstieg von einer Favela zu einer gefragten Wohngegend

Die Kriminalitätsrate liegt weit über dem weltweiten Durchschnitt und die Mordrate gehört zu den höchsten der Welt. So starben gemäß einer Statistik von 2012 mindestens 56.337 Menschen durch Mord oder Totschlag. Dies entspricht einer Zahl von über 154 Tötungsdelikten pro Tag.[43] Die Polizei hat vor allem in den Städten mit Morden, Entführungen, Raubüberfällen und organisierten Drogen- und Kriminellensyndikaten (wie etwa das Comando Vermelho in Rio de Janeiro und das Primeiro Comando da Capital in São Paulo) zu kämpfen. Das Polizistengehalt ist niedrig, deswegen gilt die Polizei als besonders korruptionsanfällig. Es ereignen sich zudem zahlreiche Fälle, in denen Polizeiangehörigen Machtmissbrauch bis hin zu Erpressung und Mord vorgeworfen wird. Auch innerhalb der Justiz ist Korruption weit verbreitet. Das Leben der Kleinbauern und Indios auf dem Land ist durch Konflikte mit Großgrundbesitzern und Unternehmen gefährdet, die nach Rohstoffen suchen.

Nach dem Korruptionswahrnehmungsindex (Corruption Perceptions Index) von Transparency International lag Brasilien 2016 von 176 Ländern zusammen mit Indien, Volksrepublik China und Weißrussland auf dem 79. Platz, mit 40 von maximal 100 Punkten.[44]

Um die hohe Zahl an Gewaltopfern zu verringern, wurde im Januar 2004 ein Gesetz vorgeschlagen, das den privaten Waffenbesitz verbieten sollte. Dieser Gesetzesvorschlag ist 2005 per Volksreferendum abgelehnt und deshalb ausgesetzt worden. Als einer der Gründe dafür wurde mangelndes Vertrauen in die Polizei genannt.

Laut einem Bericht der UNODC vom 7. Oktober 2011 lag die Mordrate bei 22,7 Delikten pro 100.000 Einwohner. Sao Paulo wird im Bericht als vorbildlich bei der Bekämpfung von Gewalt angeführt. Prävention, Projekte und Maßnahmen der Repression gegen kriminelle Organisationen waren demnach die Hauptursachen.

Trotz als fortschrittlich geltender Gesetzgebung zur Gleichberechtigung Homosexueller ist die Anzahl der gewalttätigen Übergriffe auf Lesben und Schwule im internationalen Vergleich sehr hoch. Dies wird auf der jährlichen Parada do Orgulho GLBT de São Paulo, der weltweit größten Gay-Pride-Parade, thematisiert.

Polizeien

Polizeieinheiten in der Favela Rocinha.

Alle Bundesstaaten verfügen über jeweils zwei Behörden, welche die hauptsächliche Polizeiarbeit übernehmen: die Militärische Polizei und die Zivile Polizei. Während erstere für die öffentliche Ordnung zuständig ist, wird zweite hauptsächlich zu zwecken der Strafverfolgung tätig. Zusätzliche verfügen einige Großstädte über eine städtische Polizei (Guarda Municipal). Die Força Nacional de Segurança setzt sich aus Mitgliedern der verschiedenen Staatpolizeien zusammen und kann im Krisenfalle von den Gouverneuren der Staaten zur Hilfe gerufen werden. Außerdem stellt die Força Nacional Feuerwehren und Rettungsdienste in einigen Regionen.

Auf Bundesebene übernimmt die Bundespolizei neben der allgemeinen Strafverfolgung die Grenzschutzaufgaben. Daneben unterstehen dem Bund jeweils eine eigene Polizei für Bundesstraßen und Schienenwegen.

Gefängniswesen

Im Februar 2017 waren in 1.424 Strafanstalten 650.000 Menschen, davon ungefähr 40.000 Frauen, inhaftiert.[45] Der Anteil lag bei 316 Gefangenen auf 100.000 Menschen. Im Jahr 2000 waren es noch 232.000 Gefangene. Ein Grund für die Zunahme liegt an der hohen Zahl (ca. 30 %) von Untersuchungshäftlingen, die noch nicht gerichtlich verurteilt sind.[46] Die Schaffung von Haftplätzen konnte mit dem Bedarf in den letzten Jahren nicht mehr mithalten. Es fehlten 2017 mindestens 250.000 Plätze.[47] Einige Gefängnisse werden durch private, gewinnstrebige Unternehmen geführt.[46]

Viele Gefängnisse werden durch kriminelle Banden beherrscht. Vor allem das Primeiro Comando da Capital ist nicht nur in São Paulo, sondern in nahezu allen Gefängnissen in Brasilien präsent.[46] Es kommt regelmäßig zu organisierten Aufständen oder Massakern unter rivalisierenden Bandenmitgliedern.

Geschichte

Indianische Kulturen

Amazon Stonehenge, Amapá

Die ältesten Spuren menschlichen Lebens wurden in der Caverna da Pedra Pintada im Bundesstaat Piauí gefunden. Die ältesten datierten Funde stammen aus der Zeit um 11.700 BP. Um 7580 BP wurde dort Keramik genutzt (Paituna-Phase). Ebenfalls zu den ältesten Kulturen zählt die Itaparica-Phase, am Abrigo do Sol in Mato Grosso do Sul fanden sich ähnlich alte Spuren aus der Zeit zwischen 11.500 und 6000 BP (Dourado-Tradition). Skelettfunde belegen, dass die Küstengebiete des heutigen Brasilien um 8000 v. Chr. bewohnt waren.[48] Die Nutzung von Nussbäumen lässt sich bis 8500 v. Chr. in Amazonien zurückverfolgen, echte Landwirtschaft setzte zwischen 6000 und 2700 v. Chr. ein – hier ist noch Vieles unklar. Vielfach wurde durch Brand das Wachstum bestimmter Pflanzen, wie etwa Palmen gefördert, die Nahrung lieferten, ein Prozess, der spätestens im 4. oder 3. vorchristlichen Jahrtausend nachweisbar ist; hinzu kam Gartenbewirtschaftung und eine zunehmende Sesshaftigkeit vieler Gruppen. Im 2. Jahrhundert n. Chr. muss die Bodennutzung äußerst intensiv gewesen sein, worauf die sogenannte Amazonian Dark Earth hinweist.

Die frühen Bewohner veränderten durch Anpflanzung bestimmter Pflanzenarten sowie durch Bodenverbesserung das Ökosystem des Amazonasbeckens grundlegend. Auch ihre Ansiedlungen – etwa auf der riesigen Flussinsel Marajó – waren weit größer als lange angenommen. Darüber hinaus bauten viele Gruppen sogenannte Mounds, häufig Begräbnishügel, die an der Küste Brasiliens, wenn sie aus Muscheln bestanden, als sambaquis bezeichnet werden. Andere stellten zeremonielle Zentren oder Residenzen dar. Der Mound-Komplex von Ibibate im bolivianischen Amazonien umfasst 11 ha, auf Marajo fanden sich allein 40 Mounds.[49]

In der Provinz Mato Grosso fanden sich zahlreiche geplante Orte, in denen Fischzucht und Landwirtschaft bis in die Zeit um 1500 betrieben wurden. Die bis zu 60 ha großen Städte waren durch ein Straßennetz miteinander verbunden – obwohl in den meisten Gebieten das Kanu das Fortbewegungsmittel war –, es fanden sich Dämme und künstliche Teiche. Wie an vielen Stellen Amerikas dürften die Menschen am Xingu Epidemien zum Opfer gefallen sein, vor allem den Pocken.[50]

Portugiesische Kolonialzeit

Entdeckung Brasiliens durch Pedro Álvares Cabral (Ölgemälde von Oscar Pereira da Silva)
Zentrum von Salvador da Bahia mit typischer portugiesischer Architektur der Kolonialzeit

Schon 1494 beschlossen Portugal und Spanien die Aufteilung Südamerikas im Vertrag von Tordesillas. In diesem wurde unter Vermittlung von Papst Alexander VI. eine Trennung der Interessenssphären festgeschrieben, so dass die gesamte Westküste spanische, und die (zu diesem Zeitpunkt noch allgemein unbekannten) Küstenabschnitte des heutigen Brasiliens portugiesische Kolonie würden. Voraussetzung für eine legitime Herrschaft war dabei die konsequente Katholisierung der Einheimischen.[36] Am 22. April 1500 landete der portugiesische Seefahrer Pedro Álvares Cabral beim heutigen Porto Seguro (im Süden des Bundesstaates Bahia) und nahm das Land für die portugiesische Krone in Besitz. Die Zeit von 1500 bis 1530 war von Tauschhandel mit den Einheimischen geprägt.[51] Um jedoch den Franzosen, die den Vertrag von Tordesillas als nicht bindend betrachteten, und die mit den Tupinambá Tauschgeschäfte für Rotholz machten, Einhalt zu gebieten, beschloss die portugiesische Krone, europäische Siedler nach Brasilien zu schicken.[52]

1549 wurde das heutige Salvador da Bahia (São Salvador da Bahía de Todos os Santos) zur Hauptstadt ernannt. Ab 1530 wurden Indios aus dem Landesinnern an die Küste gebracht, die die Arbeit auf den Zuckerrohrplantagen im Nordosten verrichten mussten.[53] Wegen harter Arbeit, Verfolgung und Anfälligkeit der Indios für europäische Krankheiten starben viele von ihnen. Die Kolonialherren versuchten daraufhin, die verlorengegangene Arbeitskraft durch Sklaven aus Afrika zu ersetzen. Die Afrikaner wurden nach ihrer Verschleppung zwangsweise getauft, behielten jedoch faktisch ihre traditionellen Religionen bei. Dies war die Ursache für die Entstehung der typisch brasilianischen synkretistischen Kulte Candomblé und Umbanda.[36] Bis 1580 brachten die Portugiesen das ganze Land faktisch unter ihre Kontrolle.

1629 hatten sich die Niederländer in der Nähe des heutigen Recife niedergelassen und 1637 unter Führung von Johann Moritz von Nassau-Siegen diese Anbaugebiete erobert, die daraufhin nochmals kurz aufblühten. Bis 1654 stand der Nordosten, v. a. das Gebiet um Pernambuco, unter niederländischer Kontrolle. In der Schlacht von Guararapes wurden die niederländischen Truppen im selben Jahr entscheidend geschlagen und wieder vertrieben.

Reiche Barockstädte entwickelten sich im 17. Jahrhundert, als Bandeirantes-Expeditionen das Hinterland erkundeten und neben anderen Bodenschätzen auch Gold und Diamanten entdeckten. Im selben Jahrhundert bauten entflohene Sklaven einfache Siedlungen, sogenannte Quilombos, auf. Als in den Quilombos Aufstände gegen die Unterdrückung der Schwarzen ausbrachen, zerstörte man bis 1699 alle Siedlungen wieder. 1763 wurde Rio de Janeiro zur Hauptstadt ernannt, weil sich das wirtschaftliche Zentrum des Landes auf den Süden verlagerte. 25 Jahre später führte der Offizier und Zahnarzt Tiradentes einen Aufstand an, der aber scheiterte. 1792 wurde der heutige Nationalheld Brasiliens hingerichtet. Gleichzeitig begann ein Konflikt mit Spanien, weil die Bandeirantes-Expeditionen die Westgrenze Brasiliens entgegen den Vereinbarungen verschoben.

König- und Kaiserreich Brasilien

Pedro I. von Brasilien

1807 fielen französische Truppen von Napoleon Bonaparte nach Portugal ein, woraufhin der portugiesische König João VI. unter britischem Schutz nach Brasilien (erst Bahia, später Rio de Janeiro) flüchtete und dort erstmals den bis dahin strikt verbotenen Auslandshandel erlaubte. Mit der Übersiedlung des Königs und des gesamten Hofstaates bekam Brasilien den Status eines gleichberechtigten Mitglieds des Mutterlandes, und die Hauptstadt Rio de Janeiro war faktisch das Zentrum des damaligen portugiesischen Weltreichs mit Ausnahme des französisch besetzten Portugals. Auf dem Wiener Kongress 1815 wurde Brasilien mit Portugal gleichgestellt.

Nach Abzug der französischen Truppen aus Portugal musste König João VI. 1821 gegen seinen Willen wieder nach Portugal zurückkehren, um seinen Thronanspruch zu sichern. Er überließ die Herrschaft über Brasilien seinem Sohn Pedro. Pedro I. erklärte am 7. September 1822 in São Paulo die Unabhängigkeit Brasiliens von Portugal und machte sich am 22. September zum ersten brasilianischen Kaiser. Zwei Jahre später begann die gezielte deutsche Einwanderung in Brasilien mit Gründung der ersten Kolonie São Leopoldo in Rio Grande do Sul. 1828 löste sich die Provinz Uruguay, die man 1821 als Cisplatinische Provinz von Argentinien annektiert hatte, nach drei Jahren Krieg zwischen Brasilien und Argentinien und erklärte ihre Unabhängigkeit von Brasilien. Drei Jahre später kam es zu einem Militäraufstand, weswegen Kaiser Pedro I. abdankte und die Herrschaft auf seinen fünfjährigen Sohn Pedro II. übertrug. Der ehemalige Kaiser Pedro I. ging zurück nach Portugal und trat dort als portugiesischer König Pedro IV. das Erbe seines Vaters an.

Ein Zusatzpunkt der 1822 geschaffenen Verfassung ermöglichte noch am Tag der Abdankung Pedros I. einige Reformen. So wurde die Einsetzung eines einzigen Regenten beschlossen. In der Farrapen-Revolution 1835 spaltete sich mit Rio Grande do Sul erneut eine Provinz ab, die fortan die Republik Piratini bildete, bis sie nach einem zehnjährigen Krieg mit den Regierungstruppen wieder ins Kaiserreich eingegliedert wurde. In der Regentenzeit gab es eine Reihe von weiteren Aufständen im Norden und Nordosten, die relativ schnell niedergeschlagen wurden und vor allem viele Arme das Leben kosteten.

Zweites Kaiserreich Brasilien

Pedro II. von Brasilien

Im Jahre 1840, also noch vor seiner Volljährigkeit, wurde Pedro II. zum Kaiser gekrönt. 1864 erklärte Paraguay Brasilien den Krieg. Nach fünf Jahren besiegten Brasilien, Uruguay und Argentinien die Truppen Paraguays im blutigsten Krieg der lateinamerikanischen Geschichte. Obwohl die Kriegsjahre dem Land zusetzten, erlebte Brasilien aufgrund des Kautschukbooms eine gute wirtschaftliche Entwicklung. Brasilien besaß das Monopol auf Kautschuk und konnte deshalb durch dessen Export große Einnahmen erzielen.

Die Sklaverei wurde 1888 von Kronprinzessin Isabella, einer Tochter Pedros II., mit dem „Goldenen Gesetz“ (Lei Áurea) offiziell abgeschafft. Obwohl Sklaverei bereits seit 1853 geächtet worden war, führte das Verbot zu Aufständen von Großgrundbesitzern und der Armee. In der Folge putschte sich das Militär an die Macht, woraufhin der Kaiser am 15. November 1889 ins Pariser Exil ging und den Weg für die erste Republik freimachte.

Republik und Oligarchie

Die erste brasilianische Republik mit föderativer Verfassung wurde am 24. Februar 1891 von Marschall Manuel Deodoro da Fonseca als Vereinigte Staaten von Brasilien (República dos Estados Unidos do Brasil) ausgerufen. In der Folgezeit etablierte sich ein oligarchisches System. Der Wohlstand war durch die große Kaffee-Nachfrage gesichert und die Wirtschaft konzentrierte sich auf diesen Zweig. In den Ersten Weltkrieg trat Brasilien offiziell auf Seite der Alliierten gegen Deutschland ein, beteiligte sich aber nicht aktiv. In den Kriegsjahren ging die Nachfrage nach Kaffee stark zurück. In den 1920er Jahren forderten große Teile der Bevölkerung ein Ende der Oligarchie.

Ära Getúlio Vargas und Folgezeit

Als 1930 die Kaffeepreise nochmals einbrachen, führte Getúlio Vargas, der „Vater der Armen“, einen Aufstand an und wurde so Präsident. In den ersten Monaten seiner Regierungszeit wuchs die Wirtschaft Brasiliens spürbar. Das Frauenwahlrecht, Wahlgeheimnis und die Verhältniswahl wurden erstmals in Brasilien mit dem Wahlgesetz von 1932 eingeführt, bei Ausrufung des Estado Novo 1937 wieder aufgehoben und 1945 erneuert.[54] 1937 wurde die Herrschaft Vargas als „wohlwollender Diktator“ festgeschrieben, 1942 erklärte er auf Druck der USA den Krieg gegen die Achsenmächte. Er entsandte ein 25.000 Mann starkes Kontingent (Força Expedicionária Brasileira) nach Italien, das unter anderem in der Schlacht um Monte Cassino eingesetzt wurde. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Vargas von der Armee abgesetzt.

Schon fünf Jahre später wählte ihn das Volk erneut zum Präsidenten. Weil sich die USA gegen die sozialistische Politik Brasiliens stellte und daraufhin Rechte und die Armee Vargas’ Rücktritt forderten, beging er 1954 Selbstmord. Vargas’ Nachfolger Juscelino Kubitschek sorgte mit Hilfe der Partido Trabalhista Brasileiro (PTB) für neue, ausländische Investoren, die die brasilianische Wirtschaft in den späten 1950er Jahren ankurbelten. 1960 wurde dann Jânio da Silva Quadros zum Präsidenten gewählt. Nach seinem Amtsantritt 1961 versuchte er, die Abhängigkeit von den USA zu lösen und den defizitären Staatshaushalt zu konsolidieren. Nach nur wenigen Monaten im Amt trat er wieder zurück, sein Nachfolger wurde der Vize-Präsident João Goulart, kurz nachdem die neue Hauptstadt Brasília nach drei Jahren Bauzeit eingeweiht worden war. Auch Goulart war in der Bevölkerung nicht unumstritten, weshalb seine Befugnisse in den ersten drei Präsidentschaftswahlen eingeschränkt waren.

Zeit der Militärdiktatur

Im Jahre 1964 putschte das Militär und setzte João Goulart ab. Das neue Regime unter Marschall Humberto Castelo Branco unterdrückte die linke Opposition und entzog etwa 300 Personen die politischen Rechte. Ein 1965 verabschiedetes Gesetz schränkte die bürgerlichen Freiheiten ein, sprach der Nationalregierung weitere Machtbefugnisse zu und bestimmte die Wahl des Präsidenten und Vizepräsidenten durch den Kongress.

Der ehemalige Kriegsminister Marschall Artur da Costa e Silva, Kandidat der Regierungspartei ARENA (Aliança Renovadora Nacional; deutsch: Allianz zur nationalen Erneuerung) wurde 1966 zum Präsidenten gewählt. Die Brasilianische Demokratische Bewegung (MDB, Movimento Democrático Brasileiro), die einzige legale Oppositionspartei, weigerte sich aus Protest, einen Kandidaten für die Wahl aufzustellen, weil die Regierung alle ernst zu nehmenden Gegenkandidaten nicht zugelassen hatte. 1966 gewann die ARENA auch die National- und Parlamentswahlen. Das Jahr 1968 stand im Zeichen von Studentenunruhen und Streiks. Das Militärregime reagierte mit politischen Säuberungsaktionen und Zensur. Im August 1969 wurde Costa entmachtet. Das Militär bestimmte General Emílio Garrastazu Médici zu seinem Nachfolger, der Kongress wählte ihn zum Präsidenten. Unter Médici wurden die Repressionen verstärkt und in der Folge nahmen die revolutionären Aktivitäten zu. Der römisch-katholische Klerus erhob seine kritische Stimme immer öfter und prangerte die Bedingungen der armen Bevölkerung an.

1974 wurde General Ernesto Geisel, nach seiner Militärkarriere Präsident der Petrobras, der staatlichen Ölmonopolgesellschaft, zum brasilianischen Präsidenten gewählt. Aufgrund der relativen politischen Stabilität und gezielter Förderung der Industrie war die Zeit der Militärmachthaber zugleich eine Zeit des Wirtschaftsbooms; viele Investoren – auch aus Deutschland – haben in den 1970er Jahren in Brasilien investiert. So avancierte São Paulo zur „größten deutschen Industriestadt außerhalb Deutschlands“ dieser Zeit.

Anfang der 80er Jahre schwächte die Militärregierung die Repression deutlich ab, bis schließlich 1985, auch aus Mangel an eigenen Optionen aus dem Militärkader und bereits inmitten einer Wirtschaftskrise mit galoppierender Inflation, freie Wahlen zugelassen wurden.

Demokratie seit 1985

Letzte Sitzung der verfassungsgebenden Parlamentsversammlung im Jahr 1988

Der Wahlsieger Tancredo Neves wurde kurz vor seiner Amtseinsetzung in Brasília ins Krankenhaus eingeliefert. Wegen eines Magengeschwürs wurde er sieben Mal operiert. Er starb am 21. April 1985 an Infektionen, die er sich bei der Operation zugezogen hatte. Präsident wurde dann der zum Vizepräsidenten gewählte José Sarney. Sarney hatte mit enormen Auslandsschulden, Hyperinflation und Korruption zu kämpfen, was er mit dem „Plano Cruzado“ zuerst recht erfolgreich versuchte. Darüber hinaus musste er die neue Demokratie stabilisieren.

In demokratischen Wahlen wurde 1990 Fernando Collor de Mello zum Nachfolger Sarneys gewählt. Die ersten Monate seiner Amtszeit verbrachte er mit der Bekämpfung der Inflation, die zeitweise 25 % monatlich erreichte. Am 26. April 1991 wurde Mercosur (portugiesisch Mercosul) gegründet. Dieser Gemeinsame Markt des Südens, den die Staaten Argentinien, Paraguay und Uruguay gemeinsam mit Brasilien gründeten, ist ein Binnenmarkt mit mehr als 230 Millionen Einwohnern, der die Wirtschaft der Mitgliedsländer und dadurch die Stellung Lateinamerikas in der Welt stärken sollte.

Im Jahr 1992 wurde Collor von seinem Bruder Pedro der Korruption bezichtigt, was zu Untersuchungen durch Kongress und Presse führte. Die sich verdichtenden Hinweise auf Bestechlichkeit und Veruntreuung von Staatsmitteln gaben den Anstoß zu Massendemonstrationen und Unruhen in den großen Städten Brasiliens. Im Oktober des gleichen Jahres stimmte der Kongress für Collors Absetzung, der daraufhin zurücktrat. Verfassungsgemäß wurde Vizepräsident Itamar Franco sein Nachfolger.

Im Jahre 1993 konnte die Bevölkerung Brasiliens in einem Referendum sowohl über die Staats- als auch über die Regierungsform entscheiden.[55] Die Wahl fiel dabei eindeutig auf Republik (statt Monarchie)[55] mit präsidialem (statt parlamentarischem) Regierungssystem. 1994 wurde eine umfassende Währungsreform beschlossen, wodurch die Hyperinflation beendet werden konnte. Hauptverantwortlich für die Einführung der neuen Währung sowie einer Reihe weiterer Maßnahmen (insgesamt als „Plano Real“ bezeichnet) war Fernando Henrique Cardoso, der diesen Erfolg bei seiner Präsidentschaftskandidatur nutzen konnte und im Oktober 1994 sowie ein weiteres Mal im Oktober 1998 zum Präsidenten gewählt wurde. Zur Sanierung des Haushalts beschloss das Parlament die Privatisierung von Staatsmonopolen, dennoch stieg die Staatsverschuldung unter der Präsidentschaft von Cardoso von 28,1 % auf 55,5 % des Bruttoinlandsprodukts an.[56] Von 2003 bis 2011 war Luiz Inácio Lula da Silva von der Arbeiterpartei PT Präsident Brasiliens. Er legte Wert auf die Verringerung der Staatsverschuldung, setzte aber auch soziale Programme wie Fome Zero ("Null Hunger") und Bolsa Família ("Geldbörse für Familien") um. 2004 führte Brasilien erstmals in seiner Geschichte UN-Friedenstruppen an, das Militär entsandte 1.470 Soldaten nach Haiti.

Im Jahre 2011 wurde Dilma Rousseff als erste Frau zum Staatsoberhaupt Brasiliens gewählt. Trotz ihres umstrittenen, harten Regierungsstils, der sich sehr von dem ihres Mentors Lula abhebt, betrugen im März 2012 ihre Zustimmungswerte 72 Prozent, im März 2013 waren sie auf 79 Prozent angestiegen. Mitte Juni begann jedoch eine Gruppe von jungen Menschen, welche die Fahrpreiserhöhungen bei öffentlichen Transportmitteln in São Paulo ablehnte, zu protestieren. Die gewaltvolle Repression, mit der die Polizei auf die Demonstrierenden reagierte, löste eine Kette von landesweiten Protesten hervor: In den folgenden Wochen gingen die Menschen zu Hunderttausenden auf die Straße. Gekämpft wurde zusätzlich gegen die Austragung der Fußballweltmeisterschaft 2014, Korruption, Missachtung von Menschenrechten, Angriffe auf soziale Rechte sowie auf die Rechte von Frauen, Homosexuellen und Indigenen. Ein Großteil der Kritik richtete sich an die Regierung und ihre zu wenig soziale Politik. Präsidentin Rousseff reagierte darauf mit dem Versprechen eines „großen Pakts“ für ein besseres Brasilien. Von Juni auf Juli sanken die Zustimmungswerte von Präsidentin Rousseff auf 31 Prozent ab.[57]

Die tiefe Vertrauenskrise in das politische System wurde mit der Absetzung Rousseffs im Jahr 2016 nicht behoben, da diese an einem System scheiterte, das "älter ist als die Demokratie",[58] jedoch auch von der Arbeiterpartei unter ihrer und der Präsidentschaft ihres Vorgängers Lula gepflegt anstatt verändert[59] worden war. Roussefs Nachfolger Temer verlor innert eines halben Jahres sechs seiner Minister wegen Korruptionsvorwürfen, während das Land schon das zweite Jahr in Folge in einer Rezession steckte.[60] Im Mai 2017 ermittelte das Oberste Gericht auch gegen den Präsidenten Temer. Nicht nur die staatliche Erdölfirma Petrobras, sondern damit auch der Baukonzern Odebrecht und der weltgrösste Fleischhändler JBS waren in die Korruption verwickelt.[61]

Politik

Präsident Michel Temer, 2017

Brasilien ist eine präsidiale Bundesrepublik. Sie besteht aus Bund, Bundesstaaten und Kommunen. Die gesetzgebende Gewalt im Bund wird vom Nationalkongress ausgeübt (Abgeordnetenkammer und Senat). Die 513 Abgeordneten werden für 4 Jahre, die 81 Senatoren für 8 Jahre gewählt. Die Verfassung wurde am 5. Oktober 1988 beschlossen und seither mehrfach ergänzt.

Der Präsident wird mit einer absoluten Mehrheit der Stimmen für die Dauer von vier Jahren direkt vom Volk gewählt. Er kann im Anschluss daran nur einmal wiedergewählt werden (oder erneut nach Unterbrechung). Die Bundesregierung besteht aus dem Staatsoberhaupt (zugleich Regierungschef), dem Vizepräsidenten sowie den derzeit 26 Bundesministern. Die nächsten Präsidentschafts-, Gouverneurs- und Parlamentswahlen finden Ende 2018 statt.

Brasilien gliedert sich in 26 Bundesstaaten sowie den Bundesdistrikt mit der Hauptstadt Brasília. Die Bundesstaaten besitzen eigene Verfassungen und Gesetze, die den Grundsätzen der Bundesverfassung entsprechen müssen. Die Regierungschefs der Bundesstaaten, die Gouverneure, werden für 4 Jahre direkt gewählt.[62]

Im Demokratieindex 2016 der britischen Zeitschrift The Economist belegt Brasilien Platz 51 von 167 Ländern und gilt damit als eine „fehlerhafte Demokratie“.[63] Im Länderbericht Freedom in the World 2017 der US-amerikanischen Nichtregierungsorganisation Freedom House wird das politische System des Landes als „frei“ bewertet.[64] Nur Parteimitglieder können gewählt werden,[65] eine Parteigründung erfordert unter anderem der Beibringung von mindestens 500.000 Unterschriften aus mindestens einem Drittel aller Bundesstaaten.[66]

Politische Entwicklung

Brasilien wurde 1964 bis 1985 vom Militär regiert. In dieser Zeit litten vor allem die Indios unter Menschenrechtsverletzungen, die Wirtschaft wurde zwar unterstützt, gleichzeitig wurden jedoch große Prestigeprojekte (Transamazônica, das Wasserkraftwerk Itaipú, das Kernkraftwerk Angra dos Reis, Autobahnen) angestoßen. Folge dieser Politik waren eine hohe öffentliche Verschuldung und unrentable Staatsbetriebe. Ab 1985 folgte die Nova República (Sechste Republik).

Die Verfassung aus dem Jahr 1988 gewährt der Bundesregierung weitgehende Befugnisse. Der Präsident wird für eine Amtsperiode von vier Jahren direkt vom Volk gewählt. Seit 1998 kann er einmal wiedergewählt werden. Er besitzt eine weitreichende exekutive Gewalt, ist Staatsoberhaupt und Regierungschef und stellt das Kabinett zusammen.

Nach einer Übergangsbestimmung wurde 1993 ein Referendum über die Staats- (Monarchie oder Republik) und Regierungsform (Präsidial- oder parlamentarisches System) abgehalten.[55] Die Bevölkerung entschied mit jeweils großer Mehrheit (87 % bzw. 69 %) für die Republik und ein Präsidialsystem. Im vierten Versuch wurde Luiz Inácio Lula da Silva, genannt Lula, 2002 zum Präsidenten gewählt.

Ein politisches Problem Brasiliens sind schwache Parteien ohne ideologisch begründete Programme. Diese bilden Koalitionen, die bisher nur kurz hielten, somit müssen Gesetze meist durch Absprachen verabschiedet werden. Viele kleine Parteien und Korruption (1992 wurde der damalige Präsident Fernando Collor de Mello aus diesem Grund des Amtes enthoben) führen zu einer politisch sehr instabilen Lage und zu einer nahezu zur Untätigkeit verdammten öffentlichen Verwaltung. Auch der vor allem beim einfachen Volk beliebte Ex-Präsident Lula da Silva musste sich mit seiner Parteiführung Korruptionsvorwürfen stellen, die nicht ausgeräumt wurden.

Bei der Präsidentschaftswahl 2014 wurde die seit 2011 amtierende Präsidentin Dilma Roussouf wiedergewählt. Gestiegene Lebenshaltungskosten und die sinkende Wirtschaftsleistung Brasiliens im Zuge fallender Rohstoffpreise führten auch 2015 und 2016 zu landesweiten Großdemonstrationen.[67] Im März 2016 holte Rousseff ihren populären Vorgänger Lula da Silva als Kabinettschef in ihre Regierung zurück. Damit reagierte sie auf ein ihr drohendes Absetzungsverfahren, welches sie jedoch nicht mehr verhindern konnte und welches am 12. Mai 2016 zu ihrer Suspendierung und schließlich am 31. August 2016 zu ihrer Amtsenthebung führte. Kritisiert wurde, dass damit ein nur für schwere juristische Verstöße vorgesehenes Verfahren für einen politischen Meinungsschwenk genutzt wurde. Ihr Nachfolger im Präsidentenamt ist ihr vorheriger Vizepräsident Michel Temer von der Partido do Movimento Democrático Brasileiro (PMDB). Temer tritt bei der im Oktober stattfindenden Präsidentschaftswahl 2018 nicht an.

Parlament

Das Kongressgebäude in Brasília

Das brasilianische Parlament, der Nationalkongress oder Congresso Nacional, besteht aus zwei Kammern:

  • Der Bundessenat, portugiesisch Senado Federal do Brasil, setzt sich aus 81 gewählten Senatoren zusammen, von denen jeweils drei aus jedem der Bundesstaaten entsendet werden.
Die Senatsabgeordneten werden nach dem Mehrheitswahlrecht für Amtsperioden von acht Jahren bestimmt.
  • Neben dem Senat gibt es die Abgeordnetenkammer, portugiesisch Câmara dos Deputados do Brasil, mit 513 Sitzen, deren Mitglieder nach dem Verhältniswahlrecht für Amtsperioden von vier Jahren gewählt werden.

Nach den Wahlen von 2006 haben zwanzig Parteien den Einzug in die Abgeordnetenkammer geschafft, wobei zwei Drittel der Abgeordneten von fünf Parteien gestellt werden. Die stärkste Kraft ist die Partido do Movimento Democrático Brasileiro (PMDB) mit 91 vor der Partido dos Trabalhadores (PT) mit 82 Abgeordneten. Im Senat sind derzeit dreizehn Parteien vertreten. Die meisten Senatoren (jeweils 23 %) gehören der PMDB und den Democratas (ehemals PFL) an.

Parteien

Teile dieses Artikels scheinen seit 2014 nicht mehr aktuell zu sein.
Bitte hilf mit, die fehlenden Informationen zu recherchieren und einzufügen.

In der Innenpolitik Brasiliens spielen Parteien insgesamt eine weniger zentrale Rolle als zum Beispiel in Deutschland. Die Parteienlandschaft ist stark zersplittert.[68]

Im Senat sind derzeit (Stand Mai 2013) folgende Parteien vertreten (in Klammern Anzahl der Senatoren):

Im Abgeordnetenhaus sind derzeit (Stand Februar 2011) 20 Parteien vertreten (in Klammern Anzahl der Sitze):

Wichtige Parteien des letzten Jahrhunderts, die mittlerweile aufgelöst sind:

  • Partido Comunista Brasileiro (PCB): kommunistisch, Gründung: 1922, Auflösung: 1992 (ersetzt durch die gemäßigt-sozialdemokratische PPS)
  • União Democrática Nacional (UDN): konservativ und klassisch-liberal, Gründung: 1945, Auflösung: 1965
  • Aliança Renovadora Nacional (ARENA): vom Militär kontrollierte Partei, Gründung: 1966, Auflösung: 1979 (ersetzt durch Partido Democrático Social, PDS)
  • Massenproteste gegen Korruption in Brasilien, 2016

    Die Wahl 2002, die in einem klaren Sieg der linken Arbeiterpartei PT endete, hatte einen hohen Stellenwert für die Entwicklung der noch jungen Demokratie, denn erstmals wurde ein größerer Machtwechsel vollzogen. Im ersten Jahr der Regierung gelang eine wirtschaftliche Stabilisierung, der wieder einsetzenden Inflation und anderen Problemen wurde konsequent entgegengewirkt. Auch eine Rentenreform wurde gegen Protest aus den eigenen Reihen beschlossen. Der Kampf gegen die Armut wurde mit verschiedenen Programmen und durchwachsenem Erfolg angegangen.

    Die schwerste Krise der Legislaturperiode durchlebte die Regierung Lulas im Sommer 2005. Der PTB, Koalitionspartei in der Regierung, wurde Korruption vorgeworfen, was deren Vorsitzender Roberto Jefferson massiv bestritt und ähnliche Vorwürfe gegen zwei andere Regierungsparteien richtete. Sie würden ein Monatsgeld erhalten und dann den Gesetzesvorschlägen kollektiv zustimmen. Finanziert werde das angeblich durch Spenden großer Unternehmen, die dafür Staatsaufträge bekommen hätten. Daraufhin nahmen die Polizei und Untersuchungsausschüsse des Kongresses Ermittlungen auf, die immer mehr finanzielle Nebengeschäfte der Politiker aufdecken konnten. Dutzende Politiker – auch Berater des Präsidenten und Minister der Regierungsparteien, insbesondere des sich bis dahin als „sauber“ präsentierenden PT – legten ihr Mandat im Kongress nieder. Auch wenn eine persönliche Verwicklung bisher nicht nachgewiesen werden konnte, litt das Ansehen des Präsidenten stark unter den Vorwürfen. Reformen zum Wahl- und Parteifinanzierungssystem wurden in Angriff genommen, aber noch nicht beschlossen.

    Antiamerikanismus ist in einigen Bevölkerungsteilen vorhanden.[69] Manche Brasilianer betrachten die US-Politik als „neoimperialistisch“ oder zumindest „hegemoniell“ und befürchten eine zu starke Einflussnahme der USA auf Lateinamerika. Lula setzte sich seinerseits für ein starkes Lateinamerika ein und ging auf vorsichtige Distanz zur amerikanischen Politik. In der bisherigen Außenpolitik wurde ein offener Streit mit den USA aber vermieden. Gleichzeitig distanzierte sich Lula jedoch vom sozialistischen/marxistischen Kurs des ehemaligen venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez, obwohl in den folgenden Jahren die Wirtschaftsbeziehungen intensiviert wurden. Dilma Rousseff hat die Beziehungen zu Venezuela unter Maduro hingegen leicht abgeschwächt, mitunter wegen der weiter angespannten wirtschaftlichen, politischen und menschenrechtlichen Situation in Venezuela. Michel Temer bekräftigte nach der amerikanischen Präsidentschaftswahl 2016 die amerikanisch-brasilianischen Beziehungen und setzt auf eine Intensivierung der Wirtschaftskooperation.[70]

    Auch unter der Regierung Rousseffs nach Lula hat sich die innenpolitische Lage mit Hinsicht auf die Wirtschaft und Sicherheitslage nicht signifikant verändert. Dies und der verspürte Stillstand im Land führten unter anderem zu sozialen Spannungen und Protesten im Vorfeld der Fußball-WM 2014 in Brasilien. Nachdem der Senat am 31. August 2016 endgültig nach anhaltenden Skandalen und starker oppositioneller Kritik für die Absetzung Rousseffs in einer Abstimmung befand, übernahm Michel Temer die Funktion des Staatschefs mit einer liberal-konservativen Regierung bis zur nächsten Wahl 2018. Nach seiner Amtsübernahme kündigte Temer Kürzungen, Entlassungen, Privatisierungen, eine Rentenreform und die Liberalisierung des Arbeitsmarkts an um der Rezession und schwierigen wirtschaftlichen Lage entgegenzuwirken, sowie um den Staatshaushalt zu entlasten. Ein stark wachsender Teil des Staatshaushaltes von über 10 Prozent wird allein für die Renten aufgewendet.[71]

    Während eines Polizeistreiks im Februar 2017 im Südosten Brasiliens im kleinen Bundesstaats Espirito Santo für höhere Löhne kam es zu mehr als hundert Morden.[72]

    Menschenrechte

    2014 machte die Nationale Wahrheitskommission in ihrem Schlussbericht eine Vielzahl an Menschenrechtsverletzungen publik, die während der Militärdiktatur der Jahre 1964 bis 1985 begangen worden waren. Aufgrund des Amnestiegesetzes von 1979 gibt es keine juristische Aufarbeitung.

    Die schwerwiegendsten derzeitigen Menschenrechtsverletzungen betreffen den Menschenhandel, wobei die sexuelle Ausbeutung von Kindern und Jugendlichen hervorgehoben wird, dann die exzessive Gewaltanwendung durch Polizei und Gefängnispersonal bis hin zu Folter und illegalen Hinrichtungen, die meist ungeahndet bleiben. Auch werden die Haftbedingungen als unzumutbar bezeichnet. Marginalisierte und Bewohner der Favelas sind am häufigsten Opfer dieser Gewaltanwendungen. In mehreren Bundesstaaten werden in einem Bericht Zwangsarbeit und Kinderarbeit konstatiert.

    Indigene Völker und ethnische Minderheiten werden diskriminiert. Konflikte um Land führten zu zahlreichen Tötungen, Tausende wurden Opfer von Zwangsräumungen. Die Aufarbeitung von Menschenrechtsverletzungen verläuft schleppend oder versandet.[73]

    Außenpolitik

    Standorte der diplomatischen Vertretungen (Botschaften und Konsulate, ohne Honorarkonsulate)

    Brasilien als größtes Land Lateinamerikas (Fläche, Bevölkerung, Wirtschaft) nimmt eine regionale und globale Führungsrolle ein. Zu den wichtigsten Zielen und Schwerpunkten der brasilianischer Außenpolitik gehören:

    • Pflege der Beziehungen zu den Ländern in der Region, etwa im Rahmen der Regionalorganisationen UNASUR und MERCOSUL, sowie den traditionellen Partnern in Nordamerika und Europa, darunter Deutschland. Darüber hinaus verfolgt Brasilien Ziele der wirtschaftlichen Zusammenarbeit im Rahmen der so genannten BRICS-Staaten (gemeinsam mit Russland, Indien, China und Südafrika).
    • Strukturelle Stärkung des Einflusses Brasiliens als Stimme des Südens auf die Gestaltung der Globalisierung, namentlich durch Reform der UN (Ständiger Sitz für Brasilien in einem zu erweiternden UN-Sicherheitsrat) und durch Besetzung von Führungspositionen in internationalen Organisationen.
    • Inhaltliche Mitgestaltung der Politik zu globalen Fragen, neben Finanz- und Wirtschaftspolitik namentlich auch Umwelt-, Klima- und Entwicklungspolitik.[74]

    Brasilien ist Mitglied u. a. folgender internationaler Organisationen:

Militär

Soldaten der brasilianischen Streitkräfte
Mirage 2000 (in der Luft) und AMX-Kampfflugzeuge der brasilianischen Luftwaffe
Die Fregatte Bosisio der brasilianischen Marine (F48) feuert auf eine Drohne während eines Manövers mit der amerikanischen und mexikanischen Marine.

Nach den Jahrzehnten der Militärdiktatur herrscht in Politik und Bevölkerung eine gewisse Vorsicht gegenüber den Streitkräften. Darüber hinaus sieht sich das Land keiner wirklichen äußeren Bedrohung gegenüber. Die lateinamerikanischen Staaten sind untereinander militärisch verbündet, was Sicherheit und Stabilität in der Region festigt.

Es besteht eine allgemeine Wehrpflicht für wehrfähige Männer über 18 Jahren. Der Etat des Verteidigungsministeriums lag nach einem Höhepunkt im Jahr 2014 mit 25 Milliarden im Jahr 2016 bei etwas über 23 Milliarden US-Dollar. und seit 2006 im Bereich von 1,3 bis 1,5 Prozent des BIP.[75] Noch im Jahr 1992 waren die Ausgaben auf 8 Milliarden gefallen im Vergleich zu 14 Milliarden im Jahr 1988.[76]

Mit etwa 190.000 Mann ist das Heer die bei weitem größte Teilstreitkraft Brasiliens. Mit etwa 500 Kampfpanzern und 1500 gepanzerten Fahrzeugen wäre das Land im Ernstfall kaum in der Lage, das weite und schwer zugängliche Hinterland zu sichern. In Friedenszeiten wird die Armee auch zum Katastrophenschutz und Rettungsdienst sowie für wissenschaftliche Dienste (auf der Antarktis-Forschungsstation Comandante Ferraz) eingesetzt. Zudem werden die Bundesstraßen vom Militär gebaut. Innerstaatliche Bedrohungen, wie Kriminalität oder Terrorismus sind in Brasilien Sache der Polizeikräfte. Das Militär kann auf Anfrage des Gouverneurs im betroffenen Bundesstaat auch für polizeiliche Tätigkeiten eingesetzt werden, sofern der Notstand deklariert wird, so z. B. in der Stadt Rio de Janeiro 2008 und 2017.

Die Luftwaffe beschäftigte im Jahr 2005 73.500 Personen und ist damit die größte in Lateinamerika. Ihrer aufgrund der riesigen Landflächen und weiten Seegebiete hohen Bedeutung gemäß ist die Luftwaffe modern ausgestattet. Flugzeuge und Helikopter stammten zumeist aus den USA oder aus Europa, aber auch vom brasilianischen Flugzeugbauer Embraer, um das Militär unabhängig von ausländischen Importen zu machen. Auch die Marine ist modern und gut ausgerüstet. Durch das große Flusssystem, das sich bis weit ins Landesinnere erstreckt, ist die Marine auch im Inland einsetzbar. Sie besitzt daher viele Patrouillenboote und leichte Kampfschiffe, die die Binnengewässer sichern. In dieser Funktion unterstützt die Marine auch das brasilianische Heer und besitzt Amphibienfahrzeuge und sogar Kampfpanzer. Für den Einsatz auf hoher See stehen mehrere Kampfschiffe zur Verfügung sowie einige modifizierte U-Boote aus deutscher Fabrikation. Brasilien unterhält außerdem einen Flugzeugträger samt Ausstattung. Es handelt sich dabei aber eher um ein Prestigeobjekt, das die Vormachtstellung Brasiliens im lateinamerikanischen Raum unterstreichen soll.

Brasilien ist der fünftgrößte Waffenexporteur der Welt. Während der Militärdiktatur bestand ein langjähriges, geheimes Kernwaffenprojekt. Deutschland war Brasiliens wichtigster Partner auf dem Gebiet der (friedlich genutzten) Kernenergie und unterstützte das Land unter anderem mit der Lieferung von Kernreaktoren und Anlagen zur Uran-Anreicherung. Wie viel deutsches Wissen und Erfahrung tatsächlich in das Kernwaffenprogramm floss, und inwiefern die deutsche Regierung über das brasilianische Atomprojekt wusste, lässt sich allerdings nur schwer sagen. Wahrscheinlich gab es auch eine Kooperation mit Argentinien, das ebenfalls ein geheimes Atomprogramm unterhielt. In den 80er Jahren war das Kernwaffenprojekt bereits sehr weit entwickelt.

Mit dem Übergang in die Demokratie gab Brasilien schließlich das Vorhaben auf, Kernenergie für militärische Zwecke zu nutzen. Offiziell wurde das Atomwaffenprogramm mit der Unterzeichnung des Atomwaffensperrvertrags 1998 beendet.

Im Jahr 2004 übernahm das Land zum ersten Mal in seiner Geschichte eine größere Verantwortung und Rolle im Rahmen einer UN-Friedensmission in Haiti. 1.470 Soldaten waren im Karibikstaat stationiert, und im Juli 2004 übernahm Brasilien die Führung der internationalen Truppen bis zum Abzug im Jahr 2017.

Am 10. Juli 2007 gab Präsident Luiz Inacio Lula da Silva bekannt, das brasilianische Atomprogramm einschließlich der Anreicherung von Uran und dem etwaigen Bau eines Atom-U-Boots auszuweiten. Dafür sind im Haushalt bis 2015 insgesamt 1,040 Milliarden Real (rund 395 Millionen Euro) geplant.

Administrative Gliederung

UruguayArgentinienParaguayPeruChileKolumbienVenezuelaGuyanaSurinamFrankreichBolivienAmapáRoraimaAcreAmazonasParáRondôniaMaranhãoPiauíCearáRio Grande do NorteParaíbaPernambucoAlagoasSergipeTocantinsMato GrossoEspírito SantoDistrito Federal do BrasilBahiaRio de JaneiroGoiásMato Grosso do SulMinas GeraisSão PauloParanáSanta CatarinaRio Grande do Sul
Regionen und Bundesstaaten Brasiliens

Brasilien ist in 26 Bundesstaaten und einen Bundesdistrikt (Distrito Federal) gegliedert. Diese sind in fünf Regionen aufgeteilt:

Acre, Amapá, Amazonas, Pará, Rondônia, Roraima, Tocantins
Der Norden macht 45,27 % der Fläche Brasiliens aus. Gleichzeitig ist es die Region mit den wenigsten Einwohnern. Der Nordwesten ist industriell vergleichsweise wenig entwickelt und nicht sehr gut erschlossen. Dafür beherbergt er mit dem Amazonasbecken das größte Ökosystem der Erde.
Alagoas, Bahia, Ceará, Maranhão, Paraíba, Pernambuco, Piauí, Rio Grande do Norte, Sergipe
Knapp ein Drittel der Brasilianer leben im Nordosten. Die Region ist kulturell sehr vielseitig. Sie ist geprägt von der portugiesischen Kolonialherrschaft, von der afrikanischen Kultur der ehemaligen Sklaven und nicht zuletzt von indianischen Einflüssen.
Goiás, Mato Grosso, Mato Grosso do Sul, Distrito Federal do Brasil
Die Region verdankt ihre Bedeutung vor allem ihrem Reichtum an Rohstoffen. Dennoch ist der Mittelwesten nicht besonders gut erschlossen. Es werden aber intensive Bemühungen unternommen, die Region zu stärken, u. a durch die Verlegung der Hauptstadt nach Brasília.
Espírito Santo, Minas Gerais, Rio de Janeiro, São Paulo
Im Südosten leben mehr Menschen als in jedem anderen südamerikanischen Land. Mit den Ballungsräumen São Paulo und Rio de Janeiro ist diese Region der wirtschaftliche Motor des Landes.
Paraná, Santa Catarina, Rio Grande do Sul
Der Süden ist die kleinste Region Brasiliens. Die klimatischen Verhältnisse entsprechen etwa denen Südeuropas. Die Region zeigt deutliche kulturelle Einflüsse von deutschen und italienischen Einwanderern, die sich bevorzugt in diesem Gebiet niederließen. Etwa 85 % der Bewohner sind Weiße.

Bundesdistrikt

Während des brasilianischen Kaiserreichs war Rio de Janeiro Hauptstadt Brasiliens und hatte den Status Município Neutro (Neutrale Stadt), was in etwa einem Hauptstadtdistrikt gleichzusetzen ist. Mit der Schaffung des Bundesstaats und der einhergehenden Umwandlung der Provinzen in Bundesstaaten wurde 1889 aus dem Município Neutro ein Distrito Federal (Bundesdistrikt). 1960 wurde die Hauptstadt nach Brasília verlegt, ebenso der Distrito Federal. Der Sonderdistrikt um Rio de Janeiro war zeitweilig in den Bundesstaat Guanabara umgewandelt, bis Guanabara 1975 in den Bundesstaat Rio de Janeiro eingegliedert wurde.

Der Distrito Federal hat eine besondere Bedeutung. Er ist in der Verfassung festgeschrieben und ist direkt der brasilianischen Regierung unterstellt.

Wichtige Städte und Großräume

75 % der Bevölkerung Brasiliens leben in den Städten.

Die bevölkerungsreichsten Großräume (jeweils mit ihrer Hauptstadt) sind São Paulo mit etwa 21,4 Millionen Einwohnern (2017), Rio de Janeiro mit etwa 12,2 Millionen (2017), Belo Horizonte mit etwa 5,9 Millionen (2017), der Hauptstadtdistrikt Brasília mit etwa 4,4 Millionen (2017), Porto Alegre mit etwa 4,2 Millionen (2017), Salvador da Bahia mit etwa 4,0 Millionen (2017), Fortaleza und Recife mit jeweils etwa 3,9 Millionen (2017) und Curitiba mit etwa 3,5 Millionen Einwohnern.[77]

São Paulo ist die größte Stadt Brasiliens, Südamerikas und gleichzeitig auch die größte der südlichen Hemisphäre und der wirtschaftliche Motor Brasiliens. São Paulo ist das größte deutsche Investitionszentrum außerhalb der EU und der USA. Als industrielles Zentrum des Landes zieht die Stadt kontinuierlich Einwanderer an, so dass sich die Einwohnerzahl innerhalb von 40 Jahren verdoppelte. Dieser rapide Bevölkerungszuwachs brachte der Stadt eine vorrangige Stellung in Bezug auf Finanzen, Kultur und Wissenschaft ein, aber auch Verkehrsprobleme, Umweltverschmutzung und Kriminalität.

Rio de Janeiro war fast 200 Jahre lang Hauptstadt Brasiliens, bis im Jahre 1960 Brasília zur Hauptstadt ernannt wurde. Dennoch ist Rio de Janeiro die bekannteste Stadt des Landes. Bei Touristen ist sie beliebt wegen des Karnevals und der Strände, die zu den schönsten der Welt zählen. Der Tourismus hat in Rio einen hohen wirtschaftlichen Stellenwert, aber auch produzierende Industrie ist in der Stadt beheimatet. Abseits der Urlaubszentren hat die Stadt mit den typischen Problemen einer Großstadt zu kämpfen, vorrangig mit Kriminalität und Armut großer Bevölkerungsteile.

Die Hauptstadt Brasília wurde in den 1960er Jahren innerhalb von drei Jahren erbaut. Sie ist eine klassische Planhauptstadt, wurde von Lúcio Costa im Auftrag des damaligen Präsidenten Kubitschek geplant, und Oscar Niemeyer entwarf die Regierungsgebäude. Brasília sollte ursprünglich als glänzendes städtisches Vorbild dienen. Allerdings ging die Entwicklung in wichtigen Punkten nicht so voran, wie es die Pläne vorsahen, und so ist Brasília in den äußeren Bezirken mittlerweile ebenfalls von Favelas geprägt. Heute hat die Stadt knapp 200.000 Einwohner, die Metropolregion zählt etwa 4,4 Millionen Menschen.

Recht

An der Spitze der brasilianischen Gerichtsbarkeit steht das Supremo Tribunal Federal mit Sitz in der Hauptstadt Brasília.

Wirtschaft

Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst entfernt. Bitte hilf der Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst.
wirtschaftliche Indikatoren
Bruttoinlandsprodukt (Atlas) 1.798 Mrd. US$ (2016)
Bruttoinlandsprodukt pro Kopf 8.727 US$ (2016)
Bruttosozialprodukt 1787 Mrd. US$ (2016)
Wirtschaftswachstum −2,5 % (2016)
Inflationsrate 8,7 % (2016)
Arbeitslosenrate 11,8 % (2017)
Armutsrate 7,4 % (2014)
wirtschaftliche Struktur (2014)
Landwirtschaft 10,4 %
Industrie 40,0 %
Dienstleistungen 49,6 %
Bilanzen (2016)
Exporte 217,7 Mrd. US$
Importe 217,8 Mrd. US$
Handelsbilanz −0,1 Mrd. US$
Quelle: Weltbank

Mit einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) von rd. 1800 Mrd. USD (2016) ist Brasilien die siebtgrößte Volkswirtschaft der Welt.[78] Das Pro-Kopf-Einkommen betrug zur gleichen Zeit ca. 8.700 USD. Die wirtschaftliche Struktur Brasiliens ist gekennzeichnet durch die Kernsektoren Dienstleistungen mit ca. 65 %, Industrie mit 17 % und Agrarwirtschaft mit ca. 6,7 % BIP-Anteil („Agrarbusiness“/Produktion und Verarbeitung von Agrarrohstoffen insgesamt 25 % des BIP).

Hohe Wachstumsraten und solider Beschäftigungszuwachs erhöhten bis vor wenigen Jahren signifikant das globale wirtschaftspolitische Interesse an Brasilien. Dank der Explosion der weltweiten Rohstoffpreise, steigender Löhne und eines verbesserten Zugangs zu Verbraucherkrediten konnte das BIP kräftig expandieren.

Als sich vor wenigen Jahren jedoch das Ende des Wirtschaftsbooms angesichts sinkender Rohstoffpreise, steigender Verschuldung des Privatsektors und sehr niedriger Produktivität ankündigte, versuchte die Regierung, durch höhere Staatsausgaben und Subventionen das Wirtschaftswachstum künstlich hochzuhalten – mit dem Ergebnis eines dramatischen Haushaltslochs (Fiskaldefizit liegt bei ca. 10 %) und eines zunehmend erodierenden Vertrauens von Unternehmern, Investoren und Konsumenten. Brasilien befindet sich nun in einer schweren Rezession.

Nachdem das BIP 2015 um 3,8 % gesunken ist, dürfte es 2016 erneut deutlich geschrumpft sein (−3,4 %). Für 2017 wird mit einer leichten Erholung der Wirtschaftsleistung von rund 0,5 % gerechnet. Auch die Lage auf dem Arbeitsmarkt hat sich in den letzten zwei Jahren deutlich verschlechtert. Noch vor einem Jahr lag die Arbeitslosigkeit bei 8,6 % und ist mittlerweile bei über 12 %. Mit über 200 Mio. Einwohnern bleibt der starke Binnenmarkt mit über 80 % Anteil am BIP der Haupt-Konjunkturmotor. Die Außenwirtschaft spielt mit rund 20 %-Anteil am BIP eine vergleichsweise geringe Rolle. Eine besonders große Herausforderung für das Wirtschaftswachstum stellt die – auch im internationalen Vergleich – sehr niedrige und weiter sinkende Investitionsquote von deutlich unter 20 % des BIP dar[79][80] Brasilien ist ein Gründungsmitglied der BRICS-Staaten. Die größten Probleme des Landes sind zum einen der Verfall der Rohstoffpreise, der Korruptionsskandal um das Staatsunternehmen Petrobras, die allgemein hohe Korruption im Land, geringe Produktivität der Unternehmen und die schlechte Infrastruktur.[81] Im Jahr 2017 könnte Brasilien wieder zum Wachstum zurückkehren.[82]

Die Arbeitslosenrate lag 2017 bei 11,8 % und ist in den letzten Jahren deutlich angestiegen. Im selben Jahr arbeiteten 9,4 % aller Arbeitskräfte in der Landwirtschaft, 58,5 % im Dienstleistungssektor und 32,1 % in der Industrie. Die Gesamtzahl der Beschäftigten wird für 2017 auf 104,2 Millionen geschätzt.[83]

Die südamerikanische Zollunion Mercosul stärkt zwar den Markt in Lateinamerika, aber neben Brasilien haben auch andere lateinamerikanische Länder wirtschaftliche Probleme, wie z. B. Argentinien, Venezuela und Ecuador. Neben den lateinamerikanischen Staaten sind die Volksrepublik China, die USA und die Europäische Union die wichtigsten Handelspartner. Im Außenhandel hat die Volksrepublik China die USA im März 2009 als wichtigsten Handelspartner Brasiliens überholt.

Ein besonderer Wachstumsschub wurde von der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 und den Olympischen Spielen 2016 erwartet, aber bei beiden Großveranstaltungen übersteigen die Kosten die Einnahmen bei weiten. Deshalb ist es im Vorfeld der WM und der Olympischen Spiele zu massiven Protesten gegen die Veranstaltungen gekommen.

Im Global Competitiveness Index, der die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes misst, belegt Brasilien Platz 80 von 137 Ländern (Stand 2017–18).[84] Im Index für wirtschaftliche Freiheit belegte Brasilien 2017 Platz 140 von 180 Ländern.[85]

„Custo Brasil“

Kaffeeplantage in Brasilien

Hauptproblem bei der Ausschöpfung dieses ökonomischen Potentials sind allerdings die hohen Kosten („Custo Brasil“) im Land. Darunter fallen etwa Kosten durch die schlechte Logistikinfrastruktur, hohe Steuern, hohe Finanzierungskosten oder das hohe Lohnniveau verbunden mit Fachkräftemangel im Land. Laut Industrieverband CNI stiegen die Lohnkosten im Jahr 2012 mit 5,1 Prozent doppelt so stark wie die Umsätze der Unternehmen in Brasilien. Hohe Logistikkosten verbrennen 20 Prozent der Umsätze der Unternehmen. Der Custo Brasil bedeutet grundsätzlich hohe Steuern. Begünstigungen zur Förderung von Investitionen werden regional gewährt, vor allem im Hinterland. Ein weiteres Problem sind hohe Finanzierungskosten. Die Notenbank hat seit Mitte 2011 die Zinsen zwar deutlich gesenkt, was auch die Überbewertung der Landeswährung Real korrigiert hatte. Langfristige zinsgünstige Kredite mit einem Niveau von 5 Prozent p. a. vergibt lediglich die nationale Entwicklungsbank BNDES. Finanzierungskosten für ausländische Unternehmen in Brasilien sind höher als für nationale Unternehmen. Dem Custo Brasil wird seitens der Regierung nun der Kampf angesagt. Bis 2016 sind Investitionen in Infrastruktur und Logistik von knapp 70 Milliarden Euro geplant.

Landwirtschaft

Die brasilianische Landwirtschaft hat eine große Bedeutung nicht nur für das Land selbst, sondern auch für den Rest der Welt. Theoretisch könnte Brasilien etwa eine Milliarde Menschen ernähren, weshalb es als Ernährer der Welt gilt.[86] Durchschnittlich werden 40 % des Bruttoinlandsproduktes mit der Landwirtschaft und den mit ihr verwandten Industriezweigen erwirtschaftet und etwa 43 % aller Exporte sind landwirtschaftliche Güter. Insgesamt gibt es in Brasilien 248 Millionen Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche, wozu jährlich etwa 2 Millionen Hektar Neuland hinzukommen. Speziell in Mittelbrasilien gibt es Betriebe, die Flächen von 100.000 Hektar oder mehr bewirtschaften. Sie haben Brasilien zum Kostenführer bei landwirtschaftlichen Massengütern wie Zucker, Sojabohnen, Mais, Kaffee, Orangensaft, Rindfleisch, Schweinefleisch und Geflügelfleisch werden lassen. Die Landwirtschaft Brasiliens hat ihr Potenzial dabei noch nicht ausgeschöpft, es gibt noch große Landreserven und auch durch Intensivierung der Landwirtschaft könnten die Erträge noch weiter gesteigert werden. Die Entwicklung der Landwirtschaft wird vor allem durch Mängel an der Infrastruktur des Landes, durch die Entfernung der Anbaugebiete zu den Exporthäfen für landwirtschaftliche Produkte und durch den hohen Kapitaleinsatz für die Düngung der Felder begrenzt.[87]

An der brasilianischen Landwirtschaft wird kritisiert, dass sie riesige Mengen an Kunstdünger und Pestiziden einsetzt, dass Produkte für den Export in Monokulturen auf sehr großen Flächen angebaut werden und dass die Arbeitsverhältnisse für die Landarbeiter sehr schlecht sind. Zahlreiche Felder werden heute für den Anbau von Exportprodukten oder von Pflanzen für die Energiegewinnung verwendet, anstatt Nahrungsmittel für die lokale Bevölkerung darauf anzubauen. Des Weiteren sind die Eigentumsverhältnisse stark konzentriert: etwa 50 Unternehmen teils ausländische Unternehmen dominieren die Landwirtschaft Brasiliens und ihre vor- und nachgelagerten Industriesektoren, während 150.000 Landarbeiterfamilien kein Land besitzen.[88]

Wichtige Unternehmen

Ölplattform P-51 brasilianischen staatlichen Ölgesellschaft Petrobras.

Wichtige brasilianische Unternehmen sind Petrobras (Erdöl), Companhia Vale do Rio Doce (Bergbau), Gerdau (Metallverarbeitung), Embraer (Flugzeugbau), Organização Odebrecht (Baugewerbe) und BRF (Lebensmittel). Auch große ausländische Unternehmen wählten Brasilien zum Schwerpunkt ihrer südamerikanischen Aktivitäten, so der Volkswagen-Konzern (Volkswagen do Brasil), Nestlé, Parmalat, Anheuser-Busch InBev (AmBev) oder auch der Fiat-Konzern. Die Daimler AG (2016) und die Bayerischen Motorenwerke (2014) haben in Iracemápolis bzw. Araquari Pkw-Produktionsstätten eingerichtet.

Der Ölkonzern Petrobras ist eine Staatsfirma und zählt zu den größten Energieunternehmen der Welt. Seit 2014 wird der Konzern immer wieder vom bisher größten Korruptionsskandal in der Geschichte Brasiliens erschüttert. Der Konzern wird stark vom Einbruch des Erdölpreises in Mitleidenschaft gezogen, so wurde im Jahr 2015 ein Verlust von 8,6 Mrd. € angehäuft. Somit ist Petrobras einer der wenigen großen Energiekonzerne, der Verluste schreibt.[89]

Der Bergbaukonzern Vale ist der größte Eisenerzproduzent der Welt. Neben Bergwerken und Verladehäfen gehört ihm auch ein Großteil des brasilianischen Bahnnetzes. 1997 wurde der Staatsbetrieb privatisiert. Indirekt hat allerdings die öffentliche Hand über staatliche Pensionsfonds und die Investitionsbank BNDES noch großen Einfluss. 2007 übernahm Vale, geführt von Roger Agnelli (1959/60–2016), den kanadischen Wettbewerber Inco, den größten Nickelproduzenten der Welt. Im Zuge des Verfalls der Rohstoffpreise, insbesondere von Eisen, kam auch Vale in massive Bedrängnis. Der Konzern wies im Jahr 2015 einen Verlust in Höhe von 13,2 Mrd. US-Dollar auf.

Auch der Flugzeughersteller Embraer hat einen staatlichen Hintergrund, gehört inzwischen aber mehrheitlich privaten Eignern. Unter Mauricio Botelho entkam der Konzern einer schweren Krise. Embraer produziert heute Regional- und Geschäftsreiseflugzeuge sowie militärisch umgerüstete Regional-Jets und militärische Trainer mit Turbopropantrieb. Da Boeing und Airbus nur Flugzeuge oberhalb der Größe von Embraer-Maschinen verkauft, sind Embraer Jets heutzutage ein fester Bestandteil der weltweiten Linienluftfahrt. Lufthansa CityLine oder auch Air Dolomiti fliegen mit E-195. Air France Régional und die Air France Tochter CityJet fliegen ERJ135.

Entwicklung

Eine KC-390 des Flugzeugherstellers Embraer

Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts lebte die Bevölkerung vor allem vom Export von Agrarprodukten. Dann gab es aufgrund der beginnenden Industrialisierung des Landes einen zunehmenden Mangel an Arbeitskräften, der sich nach Abschaffung der Sklaverei im Jahre 1888 noch weiter verschärft hatte. Dies lockte eine große Zahl von Einwanderern an, die größten Gruppen unter ihnen, neben Portugiesen und Spaniern, waren Deutsche, Italiener, Polen und Japaner.

Während des Ersten Weltkriegs geriet das Land in eine wirtschaftliche Krise, weil die wichtigsten Exportartikel (Kaffee, Zucker etc.) von einem enormen Preisverfall betroffen waren. Hilfe kam durch Kapital und Einwanderer aus Großbritannien. Mit Ausnahme des Ersten Weltkriegs wuchsen die Wirtschaft und das Verkehrsnetz in den ersten 30 Jahren des 20. Jahrhunderts stetig.

1917 kam es zu ersten großen Streikwellen in São Paulo und Rio de Janeiro, auf die die Regierung mit Unterdrückung reagierte. In den 1920er Jahren bildeten sich Arbeiterparteien und Gewerkschaften, doch dies brachte keine stärkere Stellung im Staat mit sich, da sie keine Vertretung in oberen Schichten hatten. Auch die Leutnantbewegung Tenentismo ab 1922 konnte daran nichts ändern, da Versuche einer Revolution scheiterten.

Ein aktuelles Problem der brasilianischen Wirtschaft ist die steigende Urbanisierung und Zuwanderung der Landbevölkerung in die Städte. Allein in Brasilia steigt sie pro Jahr um drei Prozent, was in den Armenvierteln katastrophale Auswirkungen hat.

Mit großen, gut entwickelten Landwirtschafts-, Bergbau-, Produktions- und Dienstleistungssektoren auf der einen Seite und einem großen Vorrat an Arbeitskräften auf der anderen ist die brasilianische Wirtschaft heute die kräftigste Südamerikas und gewinnt auf dem Weltmarkt an Bedeutung. Die wichtigsten Exportprodukte sind Kaffee, Kakao, tropische Früchte, Sojabohnen, Zucker und Eisenerz. 40 % der brasilianischen Agrarausfuhren gehen in die EU, 17 % in die USA.

Anfang 2011 betrug die Anbaufläche für Soja 24,08 Mio. Hektar (240 800 km²). Eine Steigerung von 611 000 Hektar im Vergleich zum Erntejahr 2009/2010.

Die Zuckerindustrie in Brasilien ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor des Landes. Mit einer Produktion von mehr als 500 Millionen Tonnen Zuckerrohr, die zu etwa gleichen Teilen zu Zucker und Bioethanol und zu einem kleinen Teil zu Zuckerrohrschnaps verarbeitet werden, ist die Zuckerindustrie Brasiliens mit Abstand die größte weltweit. Auf den meist von „Zuckerbaronen“ beherrschten Zuckerrohrplantagen herrschen äußerst schlechte Bedingungen. Menschen arbeiten teilweise in sklavenähnlichen Verhältnissen in riesigen Monokulturen.

Zu den größten Herausforderungen für die brasilianische Wirtschaft zählen nach wie vor die Inflation und die Kluft zwischen einer wohlhabenden, gut ausgebildeten Bevölkerungsminderheit und der schlecht ausgebildeten Mehrheit, die größtenteils am Rande des Existenzminimums lebt. Es gibt eine große Bewegung von Landlosen, die Movimento dos sem terra (MST), die für eine Landreform kämpfen.

Entwicklung wichtiger Wirtschaftskennzahlen

Die wichtigen Wirtschaftskennzahlen Bruttoinlandsprodukt, Inflation, Haushaltssaldo und Außenhandel entwickelten sich in den letzten Jahren folgendermaßen:

Veränderung des Bruttoinlandsprodukts (BIP), real in % gegenüber dem Vorjahr
Jahr 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017
Veränderung in % gg. Vj. 0,4 0,3 4,3 1,3 2,7 1,1 5,7 3,2 4,0 6,1 5,2 −0,2 7,5 3,9 1,9 3,0 0,1 −3,8 −3,4 1,0
Quelle: IBGE,[90] Allianz Economic Research & Corporate Development[91]
Entwicklung des BIP (nominal)
absolut (in Mrd. US$) je Einwohner (in Tsd. US$)
Jahr 2014 2015 2016 2017 Jahr 2014 2015 2016 2017
BIP in Mrd. US$ 2.456 1.804 1.794 2.056 BIP je Einw. (in Tsd. US$) 12,0 8,7 8,6 9,8
Quelle: Weltbank[92][93]
Entwicklung der Inflationsrate Entwicklung der Staatsverschuldung
in % gegenüber dem Vorjahr in % des BIP
Jahr 2013 2014 2015 2016 Jahr 2014 2015 2016 2017
Inflationsrate 5,2 5,3 9,0 8,7 Verschuldung 62,3 72,6 78,4 84,0
Quelle: Weltbank,[92]IMF[94]
Haupthandelspartner (2016)
Ausfuhr (in %) nach Einfuhr (in %) von
China VolksrepublikVolksrepublik China Volksrepublik China 19,0 Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten 17,5
Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten 12,6 China VolksrepublikVolksrepublik China Volksrepublik China 17,0
ArgentinienArgentinien Argentinien 7,2 DeutschlandDeutschland Deutschland 6,6
NiederlandeNiederlande Niederlande 5,6 ArgentinienArgentinien Argentinien 6,6
DeutschlandDeutschland Deutschland 2,6 Korea SudSüdkorea Südkorea 4,0
JapanJapan Japan 2,5 ItalienItalien Italien 2,7
ChileChile Chile 2,2 FrankreichFrankreich Frankreich 2,7
sonstige Länder 48,3 sonstige Länder 42,9
Quelle: GTAI[95]
Hauptprodukte des Außenhandels (2005)
Ausfuhrgüter (Anteil in %) Einfuhrgüter (Anteil in %)
Transportausrüstung 16,2 Chemikalien und chemische Produkte 19,9
Metalle und Metallwaren 10,7 Kraftstoffe 18,3
Soja 8,0 Maschinen 13,7
Erdöl und Erdölprodukte 7,7 Elektronik 11,9
Fleisch 6,8 Kfz u. Kfzteile 5,7
Eisenerz 6,8 Elektrotechnik 5,4
chemische Produkte 6,3
Maschinen 5,9
Quelle: bfai[96]
Entwicklung des Außenhandels in Mrd. US$ und seine Veränderung gegenüber dem Vorjahr in %
2014 2015 2016
Mrd. US$ % gg. Vj. Mrd. US$ % gg. Vj. Mrd. US$ % gg.Vj.
Einfuhr 229,1 −4,5 171,4 −25,5 137,6 −19,7
Ausfuhr 225,1 −7,0 191,1 −15,1 185,2 −3,1
Saldo −4,0 19,7 47,7
Quelle: GTAI
Brasiliens Stahlproduktion im Vergleich zu der der USA. Im Weltvergleich knapp 2,5 %

Folgende Rohstoffe werden in Brasilien abgebaut: Eisen, Mangan, Kohle, Bauxit, Nickel, Erdöl, Zinn, Silber, Diamanten, Gold, Erdgas, Uran. Täglich werden 1,5 Millionen Barrel Erdöl gefördert, Uran ist im Landesinnern vorhanden, der Bauxit-Tagebau verschmutzt die Flüsse und gefährdet so die Umwelt. Brasilien ist der weltgrößte Lieferant für Eisen. Die Vorkommen sollen den Eisenbedarf der Erde für die nächsten 500 Jahre decken. Bei Tantal ist Brasilien zweitwichtigster Exporteur. Etwa 60 % aller verarbeiteten Edelsteine (ausgenommen Diamanten) stammen aus Brasilien. Auch hat Brasilien eine bedeutende Stahlproduktion, die allerdings durch die Eingriffe der USA geschmälert wurde. So durfte Brasilien nur Stahl minderer Qualität produzieren, welchen US-Unternehmen nicht verarbeiten wollten.[97]

Tourismus

Der Tourismus ist in Brasilien noch nicht sehr bedeutend und macht nur etwa 0,5 % des Bruttosozialprodukts aus. Der weltweite Durchschnitt liegt bei 10 %. Die jährliche Besucherzahl liegt bei etwa 4,8 Millionen. Beliebt sind vor allem die Strände und der Karneval von Rio de Janeiro, die Hauptstadt Brasília, das Amazonasbecken, der Nordosten mit seinen Stränden und Kultur und die Iguazú-Wasserfälle. Die relativ geringe Anzahl an Touristen (auf einen Besucher kommen in Brasilien 37 Einheimische, in Deutschland nur etwa 4,6) ist auf verschiedene Faktoren zurückzuführen. Die Infrastruktur ist dem Tourismus wenig förderlich, In- und Auslandsflüge sind teuer, da es im ganzen Land nur wenige Charterflüge gibt.

Finanzmarkt

Der brasilianische Finanzmarkt ist zunehmend in das internationale Finanzsystem integriert. Den Mittelpunkt des brasilianischen Finanzmarktes bilden die internationalen und nationalen Banken und der Aktienmarkt. Letzterer zeichnet sich dabei durch hohe Transparenz (im Vergleich zu anderen BRICS-Staaten) und Teilnahme internationaler Akteure aus. Auch in Amerika und Europa werden brasilianische Firmen mittels ADRs gehandelt. Heutige Zentralbank Brasiliens ist die Banco Central do Brasil. Die frühere Zentralbank Banco do Brasil gab 1986 diese Funktion ab und ist mittlerweile die größte Bank Brasiliens. Größte Regionalbank ist daneben die Banco do Estado de São Paulo. Zu den größten Privatbanken Brasiliens gehören die Banco Bradesco, die Itaú Unibanco, die HSBC sowie die Banco Real. Die größten Banken sind dabei mittlerweile zumeist international tätig. Daneben existieren lokale Banken (Caixa), die den Bundesstaaten oder Bezirken zuzurechnen sind bzw. privatisiert wurden.

Mittlerweile sind auch viele der großen deutschen Banken wie die Deutsche Bank, Commerzbank, Landesbank Baden-Württemberg, WestLB und BHF-Bank in Brasilien vertreten.

Internationalem Kapital sind wenig Schranken gegeben. Der brasilianische Real kann frei gegen andere Währungen floaten, jedoch kann die Regierung mittels der Zentralbank durch sog. Open Market Aktionen Einfluss darauf ausüben.

Eine zunehmend wichtigere Rolle kommt lokalen Asset Managern wie Maua Investimentos zu, die zunehmend zu einer eigenständigen Entwicklung brasilianischer Hedgefonds und Private-Equity-Gesellschaften beitragen. Sie verringern so die Abhängigkeit von internationalen Managern und weiten den Derivatemarkt aus. Viele dieser brasilianischen Beteiligungsunternehmen haben auch Projekte in anderen lateinamerikanischen Ländern.

Eine wichtige Grundlage der weiteren Entwicklung liegt neben den politischen Rahmenbedingungen auch in der universitären Ausbildung. Einige Universitäten, wie etwa die PUC in Rio oder die USP in São Paulo sind stark mit lokalen Finanzakteuren vernetzt und verfügen über eine gute Reputation in Lateinamerika.

Ausländische Direktinvestitionen (ADI) erreichten 18,2 Milliarden US$ im Jahre 2004 und Brasilien stieg auf den siebten Platz in der von AT Kearney publizierten Liste der attraktivsten ADI-Länder.

Staatshaushalt

Der Staatshaushalt umfasste 2015 Ausgaben von umgerechnet 641,2 Mrd. US-Dollar. Dem standen Einnahmen von umgerechnet 631 Mrd. US-Dollar gegenüber. Daraus ergibt sich ein Haushaltsdefizit in Höhe von 0,6 % des BIP.[98] Die Staatsverschuldung betrug 2015 67,3 % des BIP.[99]

2006 betrug der Anteil der Staatsausgaben (in % des BIP) folgender Bereiche: