Café Sibylle, 2009

Das Café Sibylle ist ein Café in der Karl-Marx-Allee in Berlin, das 1953 unter dem Namen Milchtrinkhalle eröffnet und mit Unterbrechung bis Ende März 2018 betrieben wurde.

Geschichte

Milchbar, 1957

Die Milchtrinkhalle eröffnete 1953 an der damaligen Stalinallee, die zu dieser Zeit zum sozialistischen Prachtboulevard umgestaltet wurde. Kurz darauf in Milchbar umbenannt, war sie zunächst als ebensolche und Eiscafé konzipiert. In den 1960er Jahren erfolgte durch politisches Einwirken die Umbenennung in Café Sibylle. Der Name bezog sich auf die in der DDR populäre Frauenzeitschrift Sibylle, da im Café regelmäßig Treffen von Redakteuren und Models sowie Modenschauen stattgefunden haben sollen. Durch die Gestaltung der nun Karl-Marx-Allee genannten Straße zum sozialistischen Vorzeigeobjekt mit ausgewählten Geschäften und Einrichtungen galt auch das Cafe bald als exklusive Adresse und entwickelte sich zu einem zentralen Anlaufpunkt des Viertels. Nach der Wende wurde das Café Sibylle geschlossen.[1][2][3]

Zu Beginn der 2000er Jahre erfolgte die Wiedereröffnung des Cafés. Neben dem Cafébetrieb wurde eine dauerhafte Ausstellung eingerichtet, welche die Geschichte der Stalinallee / Karl-Marx-Allee zeigt. Bei den Renovierungsarbeiten vor der Neueröffnung wurden originale Wandbemalungen aus den Zeiten des Eiscafés der 1950er Jahre freigelegt, die in die Gestaltung des neuen Café Sibylle eingebunden wurden. Aufgrund von finanziellen und vertraglichen Unstimmigkeiten sowie der Insolvenz des Betreibervereins, der die Räumlichkeiten vermietete, kam es zum 1. April 2018 zur Schließung des Cafés.[1][2][4]

Im Juli 2018 wurde bekannt, dass ein neuer Betreiber für das Café Sibylle gefunden wurde. Neben dem Cafébetrieb soll auch die Ausstellung weitergeführt werden. Die Wiedereröffnung ist für Oktober 2018 geplant.[5][6]

Ausstellung

Stalins Ohr

Die Ausstellung im Café Sibylle dokumentiert die Geschichte der Stalin- und späteren Karl-Marx-Allee. Gezeigt werden alte Baupläne, Fotos und andere Exponate aus der Zeit der Umgestaltung der Straße in den 1950er Jahren sowie den Jahren bis zur Wende. Außerdem beherbergt die Ausstellung diverse Alltagsgegenstände aus der DDR der 1950er und 1960er Jahre.[7][8]

Zu den kuriosesten Stücken dieser Ausstellung zählen zwei Bruchstücke des ehemaligen Stalindenkmals, das von 1951 bis 1961 an der Stalinallee stand: ein Ohr sowie ein Stück des Bartes. Arbeiter, die an der Demontage des Denkmals beteiligt waren, hatten sich diese Teile als Souvenir behalten und sie bei der Errichtung der Ausstellung dieser zur Verfügung gestellt.[3]

Sonstiges

Der gelbe Neonschriftzug „Café Sibylle“ über der Eingangstür wurde, ebenso wie der Schriftzug der Karl-Marx-Buchhandlung einige Häuser weiter, unter Denkmalschutz gestellt, um dem Verschwinden der in der DDR weit verbreiteten Leuchtreklamen entgegenzuwirken.[9]

Literatur