Zwischenstaatlicher Ausschuss für Klimaänderungen
Intergovernmental Panel on Climate Change
Groupe d’experts intergouvernemental sur l’évolution du climat (GIEC)
 

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Organisationsart Zwischenstaatlicher Ausschuss
Kürzel IPCC
Leitung Korea SudSüdkorea Hoesung Lee
(seit Oktober 2015)
Gegründet November 1988
Hauptsitz Genf, SchweizSchweiz Schweiz
ipcc.ch (englisch)

Der Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC, Zwischenstaatlicher Ausschuss für Klimaänderungen)[1], im Deutschen oft als „Weltklimarat“ bezeichnet, wurde im November 1988 vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) und der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) als zwischenstaatliche Institution ins Leben gerufen, um für politische Entscheidungsträger den Stand der wissenschaftlichen Forschung zum Klimawandel zusammenzufassen, ohne dabei Handlungsempfehlungen zu geben.[2] Der Sitz des IPCC-Sekretariats befindet sich in Genf (Schweiz), 195 Regierungen sind Mitglieder des IPCC[3], darüber hinaus sind mehr als 120 Organisationen als Beobachter des IPCC registriert.[4]

Hauptaufgabe des Ausschusses ist es, die naturwissenschaftlichen Grundlagen und den weltweiten Forschungsstand über die Auswirkungen des Klimawandels und seine Risiken sowie Minderungs- und Anpassungsstrategien zusammenzutragen und aus wissenschaftlicher Sicht zu bewerten.[5][6] Dazu beruft der IPCC tausende Wissenschaftler aus aller Welt. Diese erstellen die „Sachstandsberichte“ des IPCC. Bisher hat der IPCC fünf Sachstandsberichte und mehr als zehn Sonderberichte sowie Richtlinien für die Erstellung von Treibhausgasinventaren veröffentlicht.[7]

Die Sachstandsberichte des IPCC gelten in der Wissenschaft als glaubwürdigste und fundierteste Darstellung bezüglich des naturwissenschaftlichen, technischen und sozioökonomischen Forschungsstandes über das Klima und seine Veränderungen sowie über Möglichkeiten des Umgangs damit.[8] Die Organisation wurde 2007, gemeinsam mit dem ehemaligen US-Vizepräsidenten Al Gore, mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

Der erste Vorsitzende des IPCC war von 1988 bis 1996 der schwedische Meteorologe Bert Bolin, gefolgt von dem britischen Chemiker Robert Watson. Seit 2002 war der indische Ökonom Rajendra Kumar Pachauri Vorsitzender des IPCC. Nach dessen vorzeitigem Rücktritt von 2015 übernahm der bisherige Vizepräsident Ismail El Gizouli die kommissarische Leitung.[9] Im Oktober 2015 wurde der koreanische Ökonom Hoesung Lee zum neuen Vorsitzenden gewählt.[10]

Überblick und Methodik

Das IPCC betreibt selbst keine Forschung, sondern in seinem Auftrag tragen tausende Experten die Ergebnisse der Forschungen aus verschiedenen Disziplinen zusammen, darunter der Klimatologie, den Sozialwissenschaften und der Technologie. Er bildet eine kohärente Darstellung dieses Materials in sogenannten Sachstandsberichten ab, den IPCC Assessment Reports.

Die Sachstandsberichte des IPCC bestehen aus drei Bänden, die jeweils von einer Arbeitsgruppe erstellt werden.[11] Arbeitsgruppe 1 behandelt die naturwissenschaftlichen Grundlagen des Klimawandels, Arbeitsgruppe 2 beschäftigt sich mit der Verwundbarkeit von sozioökonomischen und natürlichen Systemen gegenüber dem Klimawandel und dessen Auswirkungen. Zudem beschreibt sie Wege, wie sich die Menschen an eine globale Erwärmung anpassen können. Arbeitsgruppe 3 zeigt politische und technologische Maßnahmen zur Minderung des Klimawandels auf. In jeder Arbeitsgruppe arbeiten mehrere hundert Experten aus aller Welt etwa drei Jahre an einem Bericht von jeweils mehr als tausend Seiten. Sonderberichte werden nach demselben Verfahren wie Sachstandsberichte erstellt, behandeln aber ein bestimmtes Thema sehr ausführlich.[12]

Die Sachstandsberichte durchlaufen ein mehrstufiges Begutachtungsverfahren.[13][14] In drei aufeinanderfolgenden Begutachtungsrunden werden Kommentare, Kritik und Vorschläge von den Autoren bearbeitet. Beim Fünften Sachstandsbericht wurden mehrere zehntausend Kommentare von hunderten von Forschern und Regierungen eingereicht;[15] unabhängige Begutachtungseditoren, sogenannte Review Editors, achten darauf, ob die Überarbeitungen alles angemessen berücksichtigen.[13]

Die Zusammenfassungen für politische Entscheidungsträger, die in allen Sachstandsberichte und Sonderberichten enthalten sind, werden Satz für Satz von den Regierungen in einer Vollversammlung unter dem Vorsitz der Wissenschaftler verabschiedet.[16][14][17] Dabei achten die Regierungsvertreter vor allem darauf, dass die Aussagen vollständig, verständlich und ausgewogen sind. Es dürfen nur Informationen aus den zugrundeliegenden Berichten genutzt werden. Die wissenschaftlichen Autoren haben das letzte Wort, denn sie entscheiden, ob die von den Regierungen vorgeschlagenen Formulierungen korrekt sind. Das Plenum stimmt dem Gesamtbericht einschließlich der Zusammenfassung zu. Durch dieses Verfahren erkennen die Regierungen die wissenschaftlichen Aussagen der IPCC-Berichte an.

Während der Erstellung und Begutachtung sind die Berichte und Gutachterkommentare vertraulich. Ist ein Bericht veröffentlicht, können alle Unterlagen eingesehen werden.[18]

Der IPCC machte in seinen Sachstandsberichten vielzitierte Aussagen über zukünftige Klimaänderungen. Diese Aussagen sind seit Jahren die dominierende Basis der politischen und wissenschaftlichen Diskussionen über die globale Erwärmung.

Aufgaben

Der IPCC gibt keine Handlungsratschläge oder politische Empfehlungen und betreibt selbst keine Forschung.[19] Im Auftrag des IPCC tragen Experten aus aller Welt den aktuellen Wissensstand zu den unterschiedlichen Aspekten des natürlichen und menschengemachten Klimawandels zusammen und bewerten ihn aus wissenschaftlicher Sicht. Die Autoren greifen auf bereits veröffentlichtes Wissen zurück, wenn möglich aus begutachteten, wissenschaftlichen Zeitschriften.[20] Dabei geben sie den Grad ihres Vertrauens in ihre Aussagen aufgrund der vorhandenen Belege und deren Übereinstimmungsgrad an; falls möglich, machen Sie auch quantitative Wahrscheinlichkeitsaussagen.[21] Die Berichte des IPCC durchlaufen ein mehrstufiges Begutachtungsverfahren.[20]

Der IPCC befasst sich u. a. mit folgenden Themen:

Bei seiner Arbeit bemüht sich der IPCC darum, die Teilnahme von Entwicklungs- und Schwellenländern an den IPCC-Aktivitäten zu verbessern.

Organisation

Der IPCC ist eine Institution der Vereinten Nationen. Er ist ein wissenschaftliches Gremium und gleichzeitig ein zwischenstaatlicher Ausschuss. Der Sitz des Rates ist Genf. Zurzeit (2016) sind 195 Länder Mitglied, Regierungen von Staaten, die Mitglieder der Vereinten Nationen oder der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) sind.[3] Für jeden Bericht werden neue Autorenteams zusammengestellt, Wissenschaftler aus der ganzen Welt, die ohne zusätzliche Bezahlung zur Arbeit des IPCC als Autoren und Gutachter beitragen. Außerdem hat der IPCC mehr als 100 akkreditierte Beobachter von internationalen Organisationen sowie aus der Zivilgesellschaft.[4]

Die Mitgliedsstaaten des IPCC kommen etwa einmal jährlich zum Plenum zusammen. Daran nehmen hunderte Fachleute und Vertreter der Regierungen und anerkannter Beobachterorganisationen teil. Das Plenum entscheidet über Managementangelegenheiten, Verfahrensregeln [20] für die Berichtserstellung und das Arbeitsprogramm. Außerdem wählt es die Vorsitzenden des IPCC und seiner Arbeits- und Projektgruppen sowie die übrigen Vorstandsmitglieder. Fertige Berichte werden dort verabschiedet und Themen für künftige beschlossen.

Die 34 Vorstandsmitglieder[22] sind anerkannte Experten und unterstützen die wissenschaftliche Arbeit des IPCC. Ein Exekutivkomitee [23] sorgt dafür, dass Beschlüsse des Plenums umgesetzt werden. Dieses Komitee hat etwa ein Dutzend Mitglieder und setzt sich zusammen aus den Vorsitzenden und Vizevorsitzenden des IPCC sowie den Vorsitzenden der Arbeitsgruppen und einer Projektgruppe. Die Leiter des IPCC-Sekretariats und der Geschäftsstellen [24] sind als Berater dabei.

Drei Arbeitsgruppen erstellen den Sachstandsbericht sowie die Sonderberichte:

  • Arbeitsgruppe I[25] befasst sich mit den naturwissenschaftlichen Aspekten des Klimasystems und der Klimaänderung.
  • Arbeitsgruppe II [26] befasst sich mit den Auswirkungen des Klimawandels, der Verwundbarkeit von sozioökonomischen und ökologischen Systemen gegenüber Klimaänderungen sowie Möglichkeiten der Anpassung.
  • Arbeitsgruppe III [27] befasst sich mit technologischen und sozioökonomischen Maßnahmen zur Minderung des Klimawandels.

Jeweils zwei Ko-Vorsitzende koordinierten die Arbeit jeder der drei Arbeitsgruppen, unterstützt von sieben oder acht Vizevorsitzenden und je einer Geschäftsstelle.

Eine ständige Projektgruppe, The Task Force on National Greenhouse Gas Inventories[28], befasst sich mit der Entwicklung von Methodologien und der Standardisierung von Verfahren für die Erstellung Inventaren von Emissionsdaten von Treibhausgasen in den einzelnen Ländern, z. B. für die Klimarahmenkonvention. Die Projektgruppe wird von zwei Ko-Vorsitzenden koordiniert, unterstützt von 12 Vizevorsitzenden und einer Geschäftsstelle.

Der IPCC unterhält außerdem ein Datenzentrum, das IPCC Data Distribution Center,[29] koordiniert von der Projektgruppe zu Daten und Szenarien, der Task Group on Data and Scenario Support for Impact and Climate Analysis. [30]

Berichte

Das IPCC veröffentlicht Berichte in vier Kategorien:

  • Sachstandsberichte (Assessment Reports): Umfassende und objektive wissenschaftliche Bewertung des Forschungsstandes zum Klimawandel, meist in drei Bänden (Naturwissenschaftliche Grundlagen/Folgen, Anpassung, Verwundbarkeit/Klimaschutz);
  • Sonderberichte (Special Seports): Ein Sachstandsbericht zu einem bestimmten Thema;
  • Methodik Berichte (Methodology Reports): Methodologien zur Erstellung von Treibhausgasinventaren.
  • Technische Berichte (Technical Papers): Zusammenfassung bestimmter Inhalte aus Sachstands- oder Sonderberichten;

Sachstandsberichte