Galeria Kaufhof GmbH

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Rechtsform GmbH
Gründung 1879
Sitz Köln, DeutschlandDeutschland Deutschland
Leitung

Roland Neuwald
(Vorsitzender der Geschäftsführung[1])

Mitarbeiterzahl

rund 21.500
in Deutschland und Belgien[2]

Umsatz 3,1 Mrd. Euro netto (2013/14)[2]
Branche Einzelhandel
Website www.galeria-kaufhof.de
Stand: 1. Juli 2017

Die Galeria Kaufhof GmbH ist eine deutsche Warenhauskette. Sie ist seit dem 30. September 2015 Teil der kanadischen Hudson’s Bay Company.[3] Im September 2018 wurde veröffentlicht, dass Galeria Kaufhof mit Karstadt unter der Signa Retail fusionieren wird.

Geschichte

Aktie über 1000 Mark der Leonhard Tietz AG vom 28. Mai 1920
Kaufhof in Bonn
Konzern-Flaggschiff: Galeria Kaufhof in Köln (ehemals Warenhaus Leonhard Tietz)
Architekt: Wilhelm Kreis
Galeria Kaufhof in Chemnitz
Galeria Kaufhof in Frankfurt am Main
Galeria Kaufhof in Kassel
Galeria Kaufhof am Münchner Karlsplatz
Galeria Kaufhof in Nürnberg
Galeria Kaufhof in Dortmund

Von der Gründung bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs

1879 eröffnete Leonhard Tietz in Stralsund ein Geschäft mit 25 m² Verkaufsfläche[4] für Garne, Knöpfe, Stoffe und Wollwaren. Seine Geschäftsgrundsätze – Festpreise, Barzahlung und Rückgaberecht – waren damals ein Novum. 1889 eröffnete Tietz in Elberfeld (seit 1929 ein Stadtteil von Wuppertal, einem der damals wichtigsten Industriestandorte in Deutschland) eine weitere Filiale. Nach drei Monaten zog die Filiale in ein größeres Haus in derselben Straße. Schon im ersten Jahr arbeiteten 40 Angestellte in dem Geschäft. Tietz verlegte 1890 für kurze Zeit auch den Firmensitz nach Elberfeld.[5] Im Jahr 1891 eröffnete er in Köln auf der Hohe Straße ein kleines Filialkaufhaus; 1897 verlegte er den Firmensitz von Elberfeld dorthin.[4] Im Jahr 1905 gründete er aus den bisherigen Kaufeinrichtungen die Leonhard Tietz AG. Nach Tietz' Tod am 14. November 1914 übernahm sein ältester Sohn Alfred Leonhard Tietz die Leitung.

Zu seinem 50-jährigen Firmenjubiläum im Jahr 1929 umfasste das Unternehmen eigene Produktionsstätten und 43 Filialen mit 15.000 Beschäftigten. Die Aktiengesellschaft bestand bis 1933.

Ab März 1933 waren Filialen des Unternehmens von dem durch die NSDAP organisierten Judenboykott betroffen, der am 1. April 1933 einen ersten Höhepunkt fand. Alfred Leonhard Tietz sah sich durch politischen und wirtschaftlichen Druck im April 1933 zum Rücktritt aus dem Unternehmensvorstand gezwungen. Seinen Aktienanteil musste er zu einem Bruchteil des einstmaligen Wertes an die Dresdner Bank verkaufen. Die jüdische Familie Tietz wurde im Folgenden vom NS-Regime ihres restlichen Vermögens beraubt und musste ins Ausland emigrieren. Nach dem Zweiten Weltkrieg vereinbarte der neue deutsche Staat mit der Familie Entschädigungsregelungen.

Um den Namen des jüdischen Gründers zu verbergen, wurde das Unternehmen im Juli 1933 auf Druck des NS-Regimes in Westdeutsche Kaufhof AG umbenannt. Außerdem wurden jüdischstämmige Mitglieder des Vorstandes und der höheren Führungsgremien abberufen. Eigentümer des Konzerns waren seitdem Commerzbank, Deutsche Bank und Dresdner Bank.[6]

Während des Zweiten Weltkriegs wurden 35 der Warenhäuser durch Bomben zerstört.[5]

Kaufhof von 1945 bis 1999 – Inhaltliche Änderungen und Zusammenschlüsse

In den folgenden Jahrzehnten wuchs das Unternehmen und 1977 erwirtschaftete der Kaufhof, der inzwischen als Konzern agierte, einen Umsatz von 9,94 Milliarden DM.

In den 1990er Jahren stand die Kaufhof-Holding vor dem Problem, dass die klassischen Kaufhäuser ein relativ altbackenes Image hatten. Insbesondere die zunehmend kaufkräftigen Jugendlichen und jungen Erwachsenen erwarben ihre Kleidung nicht mehr in den klassischen Kaufhäusern. Das Management versuchte, dem mit einem speziell auf Jugendlichkeit zugeschnittenen Kaufhaus-Konzept entgegenzuwirken. Als Standort für ein Pilotprojekt bot sich Aachen an, da hier nach der Übernahme von Horten zwei Kaufhäuser etwa gleicher Größe in wenigen hundert Metern Entfernung zueinander bestanden. So wurde Ende der 1990er Jahre das ehemalige Kaufhaus Horten in Aachen zu „Lust for Life“. Das Warenangebot richtete sich überwiegend an Kunden unter 40 Jahren; Werbung und Inneneinrichtung sollten ebenfalls diese Zielgruppe ansprechen. Einen weiteren Konzeptstore gab es in München: das U.Style war räumlich integriert in die Filiale am Marienplatz und richtete sich ebenfalls an diese Kundenzielgruppe. Außerdem bestand von 1999 bis 2001 die ehemalige Hamburger Horten-Filiale in direkter Nachbarschaft zum Kaufhof-Haus an der Mönckebergstraße (Hamburg). Dieses Haus wird seitdem von Saturn genutzt.

Kurz vor ihrer Fusion mit der Metro Cash & Carry 1996 bestand die Kaufhof-Holding aus den folgenden Marken:

  • Kaufhof (Warenhäuser)
  • Horten (Warenhäuser), Kette ab 1994 von Kaufhof Holding übernommen und schrittweise in Kaufhof-Warenhäuser umfirmiert. Kaufhof übernahm das neuartige Galeria-Konzept schrittweise für seine Warenhäuser, die nach und nach in Galeria Kaufhof umbenannt wurden.
  • Kaufhalle (Warenhäuser), ab September 2000 durch Oviesse betrieben
  • Multistore (Warenhäuser), ab September 2000 durch Oviesse betrieben
  • Media Markt (Elektrofachmärkte)
  • Saturn (Elektrofachmärkte), 1985 übernommen und zur deutschlandweiten Kette ausgebaut
  • Vobis (Computerfachmärkte)
  • Gemini (Medien-Märkte)
  • Völkner (Versand und Fachmärkte für Elektronik)
  • Reno (Schuhfachmärkte)
  • Mac Fash (Textilfachmärkte)
  • Oppermann (Versand von Werbeartikeln)
  • Hawesko (Hanseatisches Wein- und Sektkontor)
  • Jacques’ Wein-Depot (Weineinzelhandel)
  • Kaufhaus Kerber (Haupthaus in Fulda, heute in Kaufhof integriert, Filialen in Alsfeld, Gießen, Herford, Lüneburg, Mayen, Siegen, Soest und Suhl)
  • Rungis Express
  • FSG Zentra Finanz-Service
  • Zentra Grundstücksgesellschaft
  • Werbehaus[7]

Im Frühjahr 2008 kündigte der Metro-Konzern an, sich von Kaufhof trennen zu wollen.[8] Es wurde bereits eine Investmentbank mit der Organisation des Verkaufsprozesses mandatiert. Gleichzeitig wurde eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft beauftragt, die Trennung der Kaufhof-Aktivitäten von den Metro-Aktivitäten durchzuführen und einen sorgfaltspflichtigen Bericht zu erstellen.

Entwicklung seit dem Jahr 2000

Zum 1. Oktober 2008 wurde die Kaufhof Warenhaus AG in die Galeria Kaufhof GmbH umgewandelt.

Im Konsolidierungs-Prozess wurde am 12. März 2009 die Schließung von vier Filialen (Krefeld Am Ostwall, Leipzig-Paunsdorf, Mülheim an der Ruhr und Ludwigshafen) für 2010 angekündigt; die auslaufenden Mietverträge wurden nicht verlängert. Die Schließung der Filialen Coburg, Gießen, Wesel und Worms wurde erwogen; die 2010 auslaufenden Mietverträge wurden letztlich verlängert und die Standorte erhalten.[9] Am 11. Juni 2011 gab die Leitung der Holding die Schließung der Filialen in Gießen, Köln-Kalk, Nürnberg-Aufseßplatz (einst Schocken; Merkur; Horten, in den 1970er Jahren Horten-Hauptzentrale) und Oberhausen-City zum 30. Juni 2012 bekannt. Seit Ende 2014 wurden außerdem die Filialen in Düsseldorf (Berliner Allee), Augsburg, Heilbronn (am Wollhaus), Bielefeld, Berlin Ostbahnhof und Lust for Life in Aachen aufgegeben.

Am 2. November 2011 wurde bekannt, der griechische Reeder George Economou und auch der damalige Eigentümer von Karstadt, Nicolas Berggruen, seien am Erwerb von Kaufhof interessiert. Die Metro AG bestätigte dies.[10] Berggruen hätte mit einem Kauf die beiden größten Warenhausunternehmen Deutschlands vereinen können.

Im Jahr 2011 verzeichnete Galeria Kaufhof täglich rund 2 Millionen Kunden. Im Oktober 2013 gab Galeria Kaufhof bekannt, mit seiner belgischen Tochter Galeria Inno bis 2015 nach Luxemburg expandieren zu wollen.[11] Im November 2014 eröffnete Galeria Inno in der Modestadt Hasselt, Provinz Limburg.

Die umsatzstärkste Filiale ist die am Münchner Marienplatz, ihr Umsatz wurde 2013 auf knapp 200 Millionen Euro geschätzt.[12]

Im Frühjahr 2015 wurde der ausgesetzte Verkaufsprozess von der Galeria Kaufhof GmbH wieder aufgenommen. Als Übernahmekandidaten galten das kanadische Handelsunternehmen Hudson’s Bay Company sowie die Signa Holding von René Benko.[13] Den Vorzug erhielt die Hudson’s Bay Company. Am 30. September 2015 wurde der Verkauf vollzogen.

Im März 2016 kündigte Kaufhof an, seine Filialen in Deutschland für rund eine Milliarde Euro renovieren zu wollen. Als eines der ersten Häuser soll die Filiale Kaufhof an der Kö (Düsseldorf) renoviert werden. Es soll ein abgestimmtes Konzept mit dem benachbarten Carsch-Haus geben, das ebenfalls zu Kaufhof gehört.[14]

Im August 2016 betrieb Kaufhof in Deutschland 100 Warenhäuser Galeria Kaufhof, 60-DINEA Restaurants und in Belgien 16 Galeria Inno- Filialen. Zusammen bieten diese Standorte rund 1,4 Millionen Quadratmeter Verkaufsfläche.[2] Die Galeria Kaufhof GmbH verzahnt als Omnichannel-Warenhaus das stationäre und das Online-Geschäft eng miteinander. Man kann Artikel in den Filialen, im Online-Shop, mittels Tablets innerhalb der Filialen und mit einer Mobile App[15] kaufen.

Im November 2016 wurde das komplett umgestaltete Untergeschoss der Galeria Kaufhof an der Düsseldorfer Königsallee eröffnet. Hier wurde erstmals das „Dream Concept“ realisiert.[16] Außerdem wurde die Fläche um das Untergeschoss des Carsch-Hauses erweitert, die nun zur Galeria Kaufhof Düsseldorf Kö gehört. Im Carsch-Haus ist seit Juni 2017 der Flagshipstore des Edel-Design-Outlets Saks Off 5th beheimatet. Dieses Format ist ein Schwesterunternehmen von Galeria Kaufhof.[17] Im Juli 2017 plante HBC, Sportarena-Filialen in weitere Outlets von Saks Off 5th umzuwandeln.[18] Die Sportarena GmbH hat in diesem Zusammenhang angekündigt, ihre Geschäftstätigkeit Ende Januar 2018 einzustellen. Die Standorte Frankfurt, Wiesbaden, Heidelberg und Stuttgart sind bereits umgewandelt, die Filialen Freiburg und Bonn sollen 2018 folgen.[19]

Im Juni 2017 kündigte Kaufhof an, die Filiale in Gera zum Herbst 2018[20] und im Frankfurter Nordwest-Zentrum zum Herbst 2019[21] zu schließen; die wirtschaftlichen Perspektiven an beiden Standorten seien zu schlecht.[22]

Im Sommer 2017 kürzte der Warenkreditversicherer Euler Hermes das Kreditlimit für Kaufhof um 80 %.[23] Im Dezember 2017 traf der Versicherer Atradius eine ähnliche Entscheidung und kürzte die Garantiesumme für Galeria Kaufhof in hohem, aber unbekannten Ausmaß.[24]

Im Oktober 2017 wurde bekannt, dass der bisherige Chef der Hudson’s Bay Company, Jerry Storch, das Unternehmen verlässt. Im vergangenen Geschäftsjahr verbuchte der Konzern Hudson’s Bay Company ein Minus von 360 Millionen Euro.[25] Allein zwischen Februar und Juli 2017 soll der Verlust von Kaufhof rund 50 Millionen Euro betragen haben.[26]

Die Signa Holding hat im September 2017 erneut ihr ernsthaftes Interesse an Galeria Kaufhof bekundet. Der kanadische Eigentümer der deutschen Warenhauskette, die Hudson’s Bay Company, dementierte zu diesem Zeitpunkt noch Verkaufsabsichten. Verkaufsgerüchte rund um die Galeria Kaufhof GmbH gab es jedoch weiterhin.[27][28] Am 1. November 2017 hat die Signa Holding drei Milliarden Euro für die Kaufhof AG geboten.[29] Diesmal wurde der Eingang dieses Angebotes von der HBC bestätigt.

Im Juli 2018 stimmte die Hudson's Bay Company der Unterzeichnung von mehreren Rahmenverträgen zur Übernahme von Galeria Kaufhof durch die Signa Holding zu. Im September 2018 wurde veröffentlicht, dass sich Galeria Kaufhof und Karstadt zusammenschließen werden. Durch diese Fusion werden Karstadt und Galeria Kaufhof, ehemalige Konkurrenten, unter dem Dach der Signa Retail vereint.[30] Die sogenannte Deutsche Warenhaus AG, bestehend aus 34.000 Mitarbeitern und fast 200 Kaufhäusern, wird nach El Corte Inglés der zweitgrößte Warenhauskonzern Europas.[31]

Geschäftsfelder

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Süßwaren- und Cafe-Betriebe "Galeria Choco & Co" --Flominator 19:57, 14. Jan. 2018 (CET)
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