Der Sonderbericht zur globalen Erwärmung von 1,5 °C (SR1.5) ist ein Sonderbericht des Weltklimarats (Intergovernmental Panel on Climate Change). Er untersucht Machbarkeit, Sinnhaftigkeit und Folgen einer Begrenzung der Erderwärmung auf maximal 1,5 Grad Celsius, wie im Übereinkommen von Paris angestrebt. Der Bericht, der am 8. Oktober 2018 auf der 48. Sitzung des IPCC in Incheon, Südkorea beschlossen wurde, umfasst mehr als 6000 wissenschaftliche Referenzen und wurde von 91 Autoren aus vierzig Ländern erstellt.[1] Berücksichtigt wurden Studien, die vor dem 15. Mai 2018 von wissenschaftlichen Zeitschriften angenommen wurden. Der offizielle deutsche Titel lautet: "1,5 °C globale Erwärmung - Der IPCC-Sonderbericht über die Folgen einer globalen Erwärmung um 1,5 °C gegenüber vorindustriellem Niveau und die damit verbundenen globalen Treibhausgasemissionspfade im Zusammenhang mit einer Stärkung der weltweiten Reaktion auf die Bedrohung durch den Klimawandel, nachhaltiger Entwicklung und Bemühungen zur Beseitigung von Armut."[2]

Kernergebnis des Berichtes ist, dass das 1,5-Grad-Ziel sowohl erreichbar als auch leistbar sei und gegenüber dem weniger ambitionierten Zwei-Grad-Ziel große Vorteile habe, da es viele negativen Folgen der globalen Erwärmung minimiere. Zugleich wird in dem Bericht betont, dass das Ziel nur dann erreicht werden könne, wenn die Treibhausgasemissionen sehr schnell gesenkt würden. Die bisher von den Staaten im Rahmen des Übereinkommens von Paris angestrebten Emissionspfade würden hingegen zu einer Erderwärmung von ca. 3 Grad bis 2100 führen. Erreicht werden können das Ziel nur, wenn eine deutlich ambitioniertere Klimaschutzpolitik betrieben würde, die alle Sektoren der Gesellschaft umfasse.[3]

Inhalt

Übersicht

Im 2015 geschlossenen Übereinkommen von Paris wurde vereinbart, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad ("Zwei-Grad-Ziel") zu begrenzen; zugleich sollen Anstrengungen unternommen werden, möglichst das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen. Dem Sonderbericht zufolge führt die gegenwärtige Klimapolitik jedoch zu einem Temperaturanstieg von mehr als drei Grad. Dies könnte dramatische Kippeffekte zur Folge haben, die zu einem Treibhaus Erde führen könnten.[4] Ohne rapides Umsteuern mit rapider Senkung der Treibhausgasemissionen würde sich die Erde schon gegen 2040 um 1,5 Grad erwärmen.[5]

„Die globale Erwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, erfordert rasche, weitreichende und beispiellose Veränderungen in sämtlichen Bereichen der Gesellschaft“, erklärte der IPCC in einer Stellungnahme zum Bericht.[6] So könne das 1,5-Grad-Ziel nur erreicht werden, wenn der weltweite Kohlenstoffdioxidausstoß bis 2030 – verglichen mit dem Basisjahr 2010 – um 45 % gesenkt werde und bis 2050 auf Null absinke. Zugleich hielt der Bericht fest, dass das Erreichen des 1,5-Grad-Ziels zwar höhere Investitionskosten erfordere als beim Zwei-Grad-Ziel, das 1,5-Grad-Ziel aber sehr große Vorteile gegenüber dem Zwei-Grad-Ziel habe.[7] Bis 2050 müsse der Anteil der erneuerbaren Energien im weltweiten Strommix auf mindestens 70 bis 85 % steigen. Fossile Energien dürften praktisch keine mehr genutzt werden; Kohle und Erdgas dürften maximal noch 0 bis 2 % respektive 8 % des Stromes liefern, und auch das nur in Verbindung mit der CO2-Abscheidung und -Speicherung.[8] Des Weiteren wird dazu aufgerufen, den Lebensstil, insbesondere die Ernährung der Bevölkerung klimafreundlicher zu gestalten.

Der Bericht hält fest, dass bereits ein Grad Erwärmung erreicht sei, die negativen Folgen der globalen Erwärmung bereits heute aufträten und jede weitere Erwärmung die Klimaschäden weiter verschlimmern würde. Zudem kommt der Bericht zum Ergebnis, dass es sowohl möglich als auch finanziell tragbar sei, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen. Das Erreichen dieses Zieles anstelle des Zwei-Grad-Zieles könnte verhindern, dass die Korallenriffe vollständig absterben und zugleich die Folgen für die Arktis reduzieren.[7]

Zentrale Aussagen

Die zentralen Aussagen des Berichtes, der aus fünf Einzelkapiteln sowie einer Zusammenfassung für Politiker besteht, sind in einem dreiseitigen PDF-Dokument zusammengefasst, das hier in geraffter Form wiedergegeben wird.[3][9]

Allgemeines Verständnis einer Erwärmung um 1,5 Grad Celsius

  • A1: Infolge menschlicher Aktivitäten kam es zu einem Temperaturanstieg von ca. einem Grad Celsius gegenüber der vorindustriellen Zeit. Die Beibehaltung des gegenwärtigen Erwärmungstrends wird die Erde zwischen 2030 und 2052 um 1,5 Grad Celsius erwärmen.
  • A2: Diese Erwärmung infolge menschlicher Treibhausgasemissionen wird für Jahrtausende andauern und zusätzliche Langfristeffekte im Klimasystem zur Folge haben wie z. B. den Anstieg des Meeresspiegels samt deren Folgen. Die bis zur Veröffentlichung des Berichtes angefallenen Emissionen werden wahrscheinlich nicht zur Überschreitung der 1,5-Grad-Schwelle führen.
  • A3: Die Risiken für
    • B1: Klimamodelle sagen robuste Unterschiede des regionalen Klimas zwischen dem aktuellen Temperaturniveau und 1,5 Grad Erwärmung sowie zwischen 1,5 Grad und 2 Grad Erwärmung voraus. Betroffen sind hierbei z. B. die mittlere Temperatur sowie das Auftreten von Hitzeextremen, Starkniederschlägen und die Wahrscheinlichkeit von Dürren und Niederschlagsdefiziten.
    • B2: Bis zum Jahr 2100 wird der Meeresspiegel bei einer Erwärmung von 1,5 Grad etwa 0,1 Meter weniger ansteigen als bei 2 Grad. Der Meeresspiegel wird seinen Anstieg bis weit nach 2100 fortsetzen, wobei die Höhe und die Geschwindigkeit dieses Anstiegs von den gewählten Klimaschutzpfaden abhängt. Ein geringer Anstieg des Meeresspiegels erhöht die Möglichkeit, dass sich menschliche und natürliche Systeme anpassen können.
    • B3: An Land werden die Auswirkungen auf die Biodiversität und Ökosysteme einschließlich Artenverlust und Aussterben von Spezies bei einer Erwärmung von 1,5 Grad geringer sein als bei 2 Grad Erwärmung. Die Begrenzung der Erwärmung auf 1,5 Grad wird die negativen Auswirkungen auf verschiedene Ökosysteme verringern und diesen ermöglichen, mehr von ihrer Leistungsfähigkeit für menschliche Nutzungen zu erhalten.
    • B4: Die Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad statt 2 Grad wird den Anstieg der Meerestemperatur verringern und die Versauerung der Meere sowie den Rückgang der Sauerstoffgehaltes verringern. Daher wird eine Begrenzung der Erwärmung auf 2 Grad die Risiken für Biodiversität, Fischerei und Ökosysteme sowie die negativen Folgen auf deren Nutzungsfähigkeit durch den Menschen verringern.
    • B5: Klimawandelbedingte Risiken für die menschliche Gesundheit, Lebensunterhalt, Nahrungssicherheit, Wasserversorgung, menschliche Sicherheit und Wirtschaftswachstum werden mit einem Temperaturanstieg auf 1,5 Grad zunehmen und bei einer weiteren Temperaturerhöhung auf 2 Grad noch größer werden.
    • B6: Die meisten
      • C1: In modellierten Emissionspfaden, die das 1,5-Grad-Ziel ohne oder mit geringem Temperaturüberschießen erreichen, müssen die Kohlenstoffdioxidemissionen zwischen 2010 und 2030 um ca. 45 % gesenkt werden und gegen 2050 auf netto Null fallen. Um das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen, müssen die Kohlenstoffdioxidemissionen in den meisten Pfaden um 20 % fallen und gegen 2075 netto Null erreichen. Nicht-Kohlenstoffdioxidemissionen müssen sowohl für das 1,5 als auch das Zwei-Grad-Ziel stark reduziert werden.
      • C2: Modellierte Emissionspfade, die das 1,5-Grad-Ziel ohne oder mit geringem Temperaturüberschießen erreichen, erfordern schnelle und tiefgreifende Umgestaltungen der Bereiche Energie, Landnutzung, Stadt, Infrastruktur (inklusive Transport und Gebäude) sowie Industrie. Diese Umgestaltungen sind in ihrem Ausmaß ohne historisches Beispiel, aber nicht zwingend in der Umsetzungeschwindigkeit. Erforderlich sind tiefgreifende Emissionsreduzierungen in allen Sektoren, ein breites Portfolio an Vermeidungsoptionen und eine erhebliche Ausweitung der Investitionen in diese Optionen.
      • C3: Alle modellierten Emissionspfade, die das 1,5-Grad-Ziel ohne oder mit geringem Temperaturüberschießen erreichen, gehen von der Nutzung von Techniken zur