Studio Babelsberg AG

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Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 1912
Sitz Potsdam, Deutschland
Leitung

Carl Woebcken (Vorstandsvorsitzender), Christoph Fisser (Vorstand), Marius Schwarz (Finanzvorstand)

Mitarbeiterzahl

92 (31. Dez. 2017)[1]

Branche Filmproduktion
Website www.studiobabelsberg.com

Studio Babelsberg in Potsdam-Babelsberg ist das älteste Großatelier-Filmstudio der Welt und das größte Filmstudio Europas.[2]

Seit 1912 haben zahlreiche namhafte Filmemacher unweit des Villenviertels Neubabelsberg sowie in und um Potsdam und Berlin bekannte Filme produziert, darunter Metropolis und Der blaue Engel. Zu den jüngeren Produktionen gehören u. a. Sonnenallee, Das Bourne Ultimatum, Operation Walküre, Inglourious Basterds, Eddie the Eagle, Der Ghostwriter, Cloud Atlas, Monuments Men, Berlin Station und Babylon Berlin sowie die oscarprämierten Filme Die Fälscher, Der Vorleser und Grand Budapest Hotel.

Geschichte

Die Gründerjahre

Außenansicht des 1911/12 errichteten Gläsernen Filmateliers

Das erste Gebäude auf dem heutigen rund 460.000 Quadratmeter großen Areal der Medienstadt Babelsberg war das von der bereits 1899 von Julius Grünbaum gegründeten Filmproduktionsgesellschaft Deutsche Bioskop errichtete Gläserne Atelier.[3] Die Bioscope beauftragte Guido Seeber, zum Zwecke einer Ateliervergrößerung ein geeignetes Grundstück im Berliner Umland zu suchen. Nach der erteilten Baugenehmigung 1911 begannen im Winter 1911/12 unter der technischen Anleitung von Guido Seeber die Bauarbeiten zu einem Glashaus in der Stahnsdorfer Straße in Nowawes. In diesem Gebäude fiel am 12. Februar 1912 zum ersten Mal die Klappe für den Stummfilm Der Totentanz von Urban Gad mit Asta Nielsen in der Hauptrolle. Später kam es zur Fusion von Bioscop mit der Decla, der deutschen Niederlassung des französischen Filmkonzerns Eclair, zur Decla Bioscop, die 1921 wiederum von der alten Ufa übernommen wurde.

Der damals noch unbekannte Regieassistent Alfred Hitchcock drehte 1924/25 im Studio Babelsberg seinen ersten Film. Jahre später resümierte er: „Alles, was ich über das Filmemachen wissen musste, habe ich in Babelsberg gelernt.“[4]

1926 entstand für den Science-Fiction-Film Metropolis von Fritz Lang das größte Großatelier Europas[5], 5.400 Quadratmeter groß und 14 Meter hoch, die heutige Marlene-Dietrich-Halle. 1929 wurde für Melodie des Herzens, den ersten deutschen abendfüllenden Tonfilm, auf dem Gelände ein Tonfilmatelier errichtet – das sogenannte Tonkreuz[6]. Das noch heute genutzte Gebäude war das modernste Tonstudio seiner Zeit mit vier kreuzförmig angeordneten Ateliers.

Fritz Lang erfand 1929 in Babelsberg für seinen zweiten Science Fiction-Film Frau im Mond den Countdown während Josef von Sternberg hier den Erfolgsfilm Der blaue Engel mit Marlene Dietrich drehte.

Billy Wilder schrieb in Babelsberg diverse Drehbuchfassungen, darunter 1929 das Drehbuch für Menschen am Sonntag (Regie: Robert Siodmak).[7]

Die Zeit während der Weimarer Republik ist als die Geburt des expressionistischen Films in Deutschland zu bezeichnen: pragmatische Denkweisen im Stil der neuen Sachlichkeit, Konsolidierung der Filmindustrie durch Einführung des Tonfilms sowie zunehmende Politisierung des Films stehen im Vordergrund.

Es arbeiten hier Regisseure wie Friedrich Wilhelm Murnau (u. a. Nosferatu und Der letzte Mann mit der Erfindung der „entfesselten Kamera“), Fritz Lang (u. a. Dr. Mabuse, Die Nibelungen, Metropolis, M – Eine Stadt sucht einen Mörder) sowie Georg Wilhelm Pabst (u. a. Die freudlose Gasse, Die Büchse der Pandora, Don Quichotte).

Weiterhin standen hier in dieser Zeit Schauspieler wie Friedrich Murnau, Ernst Lubitsch, Greta Garbo, Heinz Rühmann, Lilian Harvey, Henny Porten, Ossi Oswalda, Marika Rökk, Zarah Leander, Johannes Heesters und Heinrich George vor der Kamera.

Zeit des Nationalsozialismus

Während der Zeit des Nationalsozialismus entstanden in den Studios neben NS-Propagandafilmen, wie beispielsweise Jud Süß, zahlreiche Unterhaltungsfilme – zu den bekanntesten gehören Frauen sind doch bessere Diplomaten, Münchhausen, Die Feuerzangenbowle sowie der kommerziell erfolgreichste Film der NS-Zeit Die große Liebe[8]. Am 1. April 1938 wurde die Stadt Nowawes mit der Gemeinde Neubabelsberg zu der dann bereits 1939 nach Potsdam eingemeindeten Stadt Babelsberg zusammengelegt, wobei der neue Name gezielt den slawischen Namen Nowawes auslöschen sollte.[9] Erst seit diesem Zeitpunkt befindet sich das Gelände tatsächlich in einem als Babelsberg benannten Ort. Reichsfilm- und Propagandaminister Joseph Goebbels – aufgrund seines nahen Wohnortes auf der Havel-Insel Schwanenwerder und zahlreicher nachgesagter Affären auch der „Bock von Babelsberg“ genannt[10] – begann mit den Ausbauplänen des Geländes zur „Babelsberg Ufastadt“.[11]

Nachkriegszeit und DDR

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die deutsche Filmproduktion am 4. Mai 1946 im Althoff-Atelier, einem 1939 aus einem ehemaligen Ausflugslokal errichteten Filmstudio, mit Wolfgang Staudtes Film Die Mörder sind unter uns wieder aufgenommen. Die weiteren von der sowjetischen Armee besetzten Ateliers auf dem ehemaligen Ufa-Gelände wurden ab September 1947 wieder für die Filmproduktion freigegeben.

Nach der Gründung der DEFA am 17. Mai 1946 im Althoff-Atelier entstanden von 1946 bis 1990 in Potsdam-Babelsberg über 700 Spielfilme, mehr als 150 Kinderfilme sowie in den Jahren von 1959 bis 1990 über 600 Filme für den Deutschen Fernsehfunk. Bekannte Produktionen wie beispielsweise Die Legende von Paul und Paula, Die Geschichte vom kleinen Muck und Spur der Steine wurden hier gedreht. 1974 entstand mit Jakob der Lügner die einzige Filmproduktion der DDR, die für einen Oscar nominiert wurde.

Das Althoff-Atelier wurde vom DEFA-Studio für Wochenschau und Dokumentarfilme genutzt, die so genannten DOKFILM-Studios Alt Nowawes.

siehe auch: Liste der DEFA-Filme

Privatisierung nach der Wende

Am 1. Juli 1990 wurde das Gelände der Treuhandanstalt im Rahmen der Übernahme der DEFA übertragen, die es 1992 an den französischen Konzern Compagnie Générale des Eaux (heute Vivendi Universal und Veolia Environnement) verkaufte. Es wurden Millionensummen in den Ausbau der Studios und den Aufbau der Medienstadt investiert. Von 1992 bis 1997 war Volker Schlöndorff Geschäftsführer des Filmstudios Babelsberg, sein Nachfolger wurde Rainer Schaper, der 2001 überraschend verstarb. Dessen Nachfolgerin wurde Gabriela Bacher,[12] die jedoch nach 11 Monaten bereits wieder entlassen wurde.[13]

Im Jahr 2012 feierte das Studio Babelsberg sein einhundertjähriges Bestehen.

Das Filmstudio heute

2004 verkaufte die mit dem Studio unternehmerisch erfolglose Compagnie Générale des Eaux ihre Anteile an die neuen Besitzer, Carl Woebcken und Christoph Fisser und ihre Beteiligungsgesellschaft FBB – Filmbetriebe Berlin Brandenburg GmbH. Diese brachten das Unternehmen als Studio Babelsberg AG 2005 an die Börse. Die Aktie wurde 30. Juni 2016 aufgrund von schlechter Performance von der Börse genommen.[14][15]

Medienstadt Babelsberg

Das Studio Babelsberg ist heute Teil der sogenannten Medienstadt Babelsberg, eines 46 Hektar großen Areals mit rund 2.000 Menschen der Film- und Medienbranche, zu dem auch die Filmuniversität Babelsberg „Konrad Wolf“, das Sendezentrum des Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb), das ZDF-Landeshauptstadtstudio Brandenburg, der Sitz des Deutschen Filmorchester Babelsberg, das Deutsche Rundfunkmuseum, das Deutsche Rundfunkarchiv, die Electronic Media School, die UFA, das Erich-Pommer-Institut, Radio Teddy, das Babelsberger Filmgymnasium (bfg), die Medienschule Babelsberg (msb), der Vergnügungspark Filmpark Babelsberg sowie diverse Bürogebäude mit Filmproduktionsgesellschaften, Agenturen und über 150 kleinere Unternehmen gehören.

Unter Förderung durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie entstand im Juni 2017 in der Medienstadt Babelsberg das Digital Hub Germany mit dem Ziel, ein bundesweit einmaliges digitales Zentrum im Bereich Medientechnologie zu erschaffen. Damit sollen digitale Innovationen im Bereich Film, Fernsehen und neue Medien zentral von Potsdam aus vorangetrieben werden. Angaben der Stadt zufolge haben allein 800 Firmen der IT-Branche ihren Sitz in Brandenburgs Landeshauptstadt.[16] Der MediaTech Hub Potsdam/die Medienstadt Babelsberg bietet die Möglichkeit, sich zu vernetzen und zusammenzuarbeiten. Es werden unter anderem neue digitale Verfahren der Datenverwertung und Medienproduktion (z. B. Virtual und Augmented Reality) entwickelt und umgesetzt.[17]

Bis Mitte der 2020er Jahre soll für rund 500 Millionen Euro zusätzlich ein Hotel- und Kongresszentrum, neue Büro- und Wohngebäude sowie ein Parkhaus errichtet werden.Vorlage:Zukunft/In 5 Jahren[18]

Produktionen und Entwicklung

Der Haupteingang zum Studio Babelsberg mit Torbogen

Das Filmstudio zählt gegenwärtig zu den umsatzstärksten Großatelierstudios für Kinofilme in Europa. Erfolgreiche Produktionen waren beispielsweise Hollywood-Produktionen wie Die Bourne Verschwörung, Operation Walküre – Das Stauffenberg-Attentat, Inglourious Basterds oder die Schlink-Verfilmung Der Vorleser, die im Studio Babelsberg in Potsdam und Berlin realisiert wurden.

Das Gelände von Studio Babelsberg erstreckt sich über 160.000 m². Mit 20 Studios mit einer Gesamtinnenfläche von über 25.000 m² ist das Studio gemäß der Eigendarstellung[19] der größte zusammenhängende europäische Filmstudiokomplex. Das Studio deckt alle Phasen und Bereiche der Filmproduktion an einem Standort ab, beispielsweise über die Tochtergesellschaft Studio Babelsberg Motion Pictures, die den gesamten Herstellungsprozess einer Filmproduktion realisiert.

Die Außen-Filmkulissen Berliner Straße auf dem Gelände des Studio Babelsberg

Größere Bekanntheit erlangte die in diversen Filmen verwendete Außenkulisse eines Großstadtstraßenzugs Berliner Straße. Sie entstand 1998 für den Film Sonnenallee.(geografische Lage) Nach den Dreharbeiten wurde die Kulisse ausgebaut und kam in weiteren Produktionen zum Einsatz, unter anderem in den Filmen Der Pianist, Inglourious Basterds und Die Bücherdiebin. Ende 2013 wurde die Kulisse abgerissen.[20] Im August 2014 wurde unter Beteiligung der Bundes- und Landespolitik der Grundstein für die Neue Berliner Straße gelegt. In die neue Kulisse wurden 12 Millionen Euro investiert; sie erstreckt sich auf einer Fläche von mehr als 15.000 m² und ist damit dreimal so groß wie die alte Kulisse. Wie schon bei der alten Kulisse lassen sich auch andere Städte als Berlin in den Außenbauten nachahmen.[21] Die modulare Hybridkulisse ist europaweit einmalig.[22] Als erste Produktion wurde im Jahr 2016 – in Kooperation mit X Filme Creative Pool und zusammen mit ARD Degeto, Sky und Beta Film – die zwei Staffeln à 8 Folgen umfassende deutsche Serie Babylon Berlin (Regie u. a. Tom Tykwer) realisiert, die im Berlin der 1920er Jahre spielt.[23] In der Neuen Berliner Straße (vermarktet unter dem Namen Metropolitan Backlot[24]) folgten die Dreharbeiten zum deutsch-britischen Mysterythriller Mute und der deutschen Buchverfilmung Das schweigende Klassenzimmer.

Weitere deutsche Kinofilme, die in Babelsberg gedreht wurden, sind Boxhagener Platz, Russendisko, Anleitung zum Unglücklichsein, Das kalte Herz, Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer und Das schweigende Klassenzimmer. Mit der Gründung der Tochterfirma Traumfabrik Babelsberg GmbH will Studio Babelsberg wieder in die Entwicklung und Herstellung deutscher Eigenproduktionen einsteigen[25]. Von Mai bis Juli 2018 fanden die Dreharbeiten zur ersten Eigenproduktion nach über 20 Jahren statt, dem Film Traumfabrik (Arbeitstitel), mit Emilia Schüle, Dennis Mojen, Ken Duken und Heiner Lauterbach in den Hauptrollen[26].

Zu den bekannten Fernsehproduktionen gehören beispielsweise der Spielfilm Nacht über Berlin sowie der international viel beachtete Mehrteiler Unsere Mütter, unsere Väter.

Neben Kinoproduktionen und Fernsehspielfilmen wurde im Jahr 2015 die US-amerikanische Fernsehserie Homeland in Babelsberg, Berlin und Umgebung produziert. Homeland war mit seiner kompletten fünften Staffel damit die erste US-Serie, die ausschließlich in Deutschland gedreht wurde.[27] Mit Berlin Station wurde im Winter 2015/16 zudem auf dem Studiogelände sowie an Originalmotiven in Potsdam und Berlin eine zweite US-amerikanische Serie gedreht. Die 10 Folgen umfassende 1. Staffel der im heutigen Berlin spielenden Serie um CIA-Agenten wurde von Paramount und Studio Babelsberg für den US-Sender EPIX produziert.[28] Es folgte eine 2. Staffel von Berlin Station, die ebenfalls durch Studio Babelsberg produziert wurde.[29]

Im Juni 2018 wurde im fx.Center auf dem Studiogelände ein volumetrisches Studio für 3D-Filmaufnahmen eröffnet[30]. Laut Studioangaben handelt es sich um das erste derartige Studio auf dem europäischen Festland. Das volumetrische Studio hat eine Fläche von 170 m² und ist mit 32 Kameras ausgestattet. In dem Raum lassen sich Menschen und Objekte dreidimensional und lebensecht einscannen[30]. Die dazugehörige Basistechnologie wurde speziell von Fraunhofer Heinrich Hertz Institut entwickelt. Die Betreibergesellschaft Volucap GmbH wurde von den Gesellschaftern ARRI Cine Technik GmbH & Co. Betriebs KG, Fraunhofer-Gesellschaft, Interlake System GmbH, Studio Babelsberg AG und UFA GmbH gegründet[30]. Studio Babelsberg ist mit 24,9 % beteiligt[31]. Neben 3D-Aufnahmen ist es in Zukunft auch möglich, Aufnahmen entstehen zu lassen, in der die Zuschauer mit Hilfe entsprechender Technik selbst entscheiden können, von welcher Perspektive aus sie das Geschehen im Film verfolgen möchten.[32]

Konzernstruktur

Zu den wichtigsten Tochterunternehmen der Studio Babelsberg AG gehören:[33]