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Legende
Temperaturabweichung der ersten zwei Juliwochen 2018 vom Durchschnitt der ersten zwei Juliwochen 2000–2015. Rote Gebiete (Skandinavien mit Norwegen und Schweden): wärmer, blaue Gebiete (in Russland): kälter als Normal.
Vertrocknungserscheinungen in Nord-Zentraleuropa am 24. Juli 2018 (rechts). Zum Vergleich: Dieselbe Region am 19. Juli 2017 (links).

Die Dürre und Hitze in Europa 2018 ist eine Wetteranomalie mit unterdurchschnittlichen Regenmengen (Dürre), überdurchschnittlichen Temperaturen (auch Hitzewellen) und überdurchschnittlich vielen Sonnenstunden, insbesondere im nördlichen und mittleren Teil Europas in den Frühjahrs- und Sommermonaten, die sich bis in den Herbst hinein fortsetzt. Infolgedessen kam es zu zahlreichen Waldbränden, Ernteausfällen und weiteren Hitzeschäden. Wegen der hohen Temperaturen des Wassers einiger Flüsse wurden Kraftwerke abgeschaltet oder gedrosselt, und wegen niedriger Wasserstände wurde die Binnenschifffahrt teilweise eingestellt.

In Europa begann im April 2018 eine Dauerwärme und Trockenheit, als eine blockierende Omegalage bestand, die zu einem völligen Abreißen der Westwinddrift führte.[1] Diese sehr langzeitstabilen heißen Hochdruckwetterlagen, die sich über große Teile der Nordhalbkugel erstrecken und sich dabei über lange Zeiträume kaum verändern, werden sowohl von Meteorologen als auch von Klimaforschern als sehr ungewöhnlich beurteilt.[2] Klimaforscher deuten die Wetteranomalien vor dem Hintergrund des menschengemachten Klimawandels. Dieser habe unter anderem die Wahrscheinlichkeit für das Ausbilden stabiler Wetterlagen in Europa erhöht, was im Sommer entweder zu überdurchschnittlich viel Regen führt oder – wie im vorliegenden Fall – zu anhaltender Trockenheit und Hitze.

Nordeuropa

Eiche Ende Juli mit bräunlichem Laub im Gunnersbury Park, England

Skandinavien

Skandinavien war im besonderen Maße von der Hitzewelle betroffen. Sie begann im Mai des Jahres und brachte Temperaturabweichungen von mehr als 4 Grad.[3][4]

Britische Inseln

Im Juni begann eine schwere Dürre auf den Britischen Inseln, insbesondere in Irland und Schottland. Großbritannien erlebte den wärmsten Sommer seit 1976,[5] in Irland und Schottland wurden die höchsten Temperaturen seit Beginn der Wetteraufzeichnungen gemessen. Die anhaltende Trockenheit führt dort zu einem Abfallen der Trinkwasserreserven; das Rasensprengen wurde landesweit auf unbestimmte Zeit verboten.[6] Die königlichen Gärten in London sind weitgehend braun-grau statt grün.[7]

Baltikum

In Lettland und Litauen wurde der nationale Notstand ausgerufen;[8] in Litauen werden Ernteverluste von über 30 Prozent befürchtet.[9]

Island

In Island erleben die Menschen den kältesten und nassesten Sommer seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Die mittlere Temperatur in den Monaten Mai, Juni und Juli lag bei nur 7,7 °C, der Niederschlag betrug in diesem Zeitraum mehr als 300 Liter pro Quadratmeter.[10]

Mitteleuropa

Deutschland

Temperaturabweichung vom langjährigen Mittelwert in Deutschland im Zeitraum April bis August in den Jahren 1881 bis 2018 (Basis des Mittelwerts: 1961–1990; Auswertung des Deutschen Wetterdienstes)[11]
Ausgetrocknete Wiese bei Kaarst, Deutschland am 8. Juli 2018

Von April bis in den Oktober herrschte in Deutschland eine außergewöhnlich trocken-heiße Großwetterlage, die kaum unterbrochen war; selbst Mitte Oktober wurden vielfach fast 30 Grad erreicht.[12] Flächendeckend wurden in Deutschland neue Rekorde für die Anzahl der Sommertage bzw. Hitzetage aufgestellt, die die bisherigen Rekorde z. T. deutlich übertrafen.[13] In großen Teilen Deutschlands herrschten mit Stand Mitte Oktober in den tieferen Bodenschichten bis 1,8 Meter extreme bis außergewöhnliche Dürre, nachdem es zuvor seit April keine flächendeckenden ergiebigen Regenfälle gegeben hatte.[14][15] Zu diesem Zeitpunkt waren ca. 70 % der Fläche Deutschlands von extremer Trockenheit betroffen.[16]

Betrachtet man den Zeitraum vom 1. April bis 30. September, so wurde in jedem einzelnen Bundesland ein neuer Rekord für das höchste Temperaturmittel sowie in 15 von 16 Bundesländern (nur Schleswig-Holstein bildet hier eine Ausnahme) ein neuer Rekord für die längste Sonnenscheindauer aufgestellt. [17] Der Zeitraum April bis August 2018 war sowohl der wärmste als auch der sonnenreichste und einer der niederschlagsärmsten seit Beginn systematischer Messungen.[11] Die durchschnittliche Temperatur im Zeitraum April bis Juli war mit deutlichem Abstand (3,6 Grad über dem Wert der Referenzperiode 1961–1990) die höchste, die für diese Monate seit Beginn der systematischen Aufzeichnungen im Jahr 1881 beobachtet worden waren. Ebenso stellt der Deutsche Wetterdienst in seinen Auswertungen fest, dass für diesen Zeitraum noch nie ein so großes Niederschlagsdefizit beobachtet wurde (−110 mm [= l/m²]).[18]

Im Juni fiel das Wetter in Deutschland nicht durch Temperaturextrema auf,[19] aber durch extreme Trockenheit,[20] die selbst jene des Jahrhundertsommers 2003 übersteigt. Anfangs war Norddeutschland (hier vor allem Berlin und Brandenburg) betroffen, wo bereits im April Temperaturen bis 30 °C gemessen wurden. In Süddeutschland brachten Gewitter örtlich Niederschläge, allerdings auch zahlreiche Unwetter. Meteorologen sprachen Ende Juni von „katastrophalen Ausmaßen“.[21] Im Zeitraum vom 1. April bis 30. September fielen im Bundesmittel 263 Liter Regen pro m², ein Wert, der nur im Jahr 1911 (249 Liter je m²) unterboten wurde. In zwei Bundesländern wurde ein neuer Rekord für die geringste Niederschlagsmenge verzeichnet. [22]

Das Bundesamt für Strahlenschutz wies Anfang August 2018 auf die Notwendigkeit hin, sich vor hoher UV-Strahlung zu schützen, und plädierte für die Schaffung von Schattenplätzen: Jeder, der Schatten sucht, sollte welchen finden können.[23] Der Juni und Juli waren um ca. 2,5 Grad wärmer als der langjährige Durchschnitt,[24] der Juli zudem der zweitsonnigste seit Beginn der Messungen.[25] Von Ende Juli bis Anfang August wurde das Wetter in Deutschland von einer ungewöhnlich langen Hitzewelle bestimmt. So maßen die Wetterstationen in Frankfurt, Mannheim und Offenbach am Main 18 aufeinanderfolgende Tage mit Höchstwerten von mehr als 30 °C.[26]

Insgesamt war der Sommer 2018 deutschlandweit der zweitwärmste (nur 2003 war wärmer) und der zweittrockenste (nur 1911 war trockener) seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1881.[27] Zuvor war die Dürre in Mitteleuropa 1540 nach Einschätzung mancher Wissenschaftler wahrscheinlich trockener[28] und zumindest ähnlich heiß.[29]

Niederlande

Vertrocknetes Gras im Achterhoek in den Niederlanden, 30. Juli

Die Niederlande litten unter der stärksten Trockenheit seit 1976.[30]

Österreich

In Österreich lagen die Temperaturen Ende Juli 2018 um etwa fünf bis zehn Grad über den für Ende Juli/Anfang August typischen Werten (Mittel der vergangenen 30 Jahre).[31] In fast allen Landeshauptstädten kam es zu den längsten Hitzewellen seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. In Wien wurde in der Nacht auf den 22. August die 40. Tropennacht des Jahres registriert, bisher hatte der Rekord bei 39 Tropennächten im Jahr 2003 gelegen.[32] Das Sommerhalbjahr April bis September lag 2,6 Grad über dem langjährigen Mittel und war das wärmste seit Messbeginn im Jahr 1767. Der Niederschlag lag 15 % unter dem langjährigen Mittel, es war damit der trockenste Sommer seit 2003.[33]

Schweiz

In der Schweiz war das Sommerhalbjahr 2018 das wärmste seit Beginn der Messungen.[34] Zudem erlebte die Schweiz mit einem Mittel von 12,0 Grad (2003: 11,8 Grad) die wärmste und mit einem Niederschlag von 65 Prozent (1870: 46 Prozent) gegenüber der Normperiode 1981–2010 die vierttrockenste meteorologische Periode April–Juli seit Messbeginn 1864.[35][36] Um die Waldbrandgefahr zu senken, herrscht in vielen Kantonen der Deutschschweiz seit Ende Juli ein absolutes Feuerverbot im Freien, mit der Folge, dass der 1.-August-Funken sowie Feuerwerke vielerorts entfielen.[37]
Nur in den Sommern 2003 und 2015 waren noch höhere Temperaturen gemessen worden als 2018.[38] Schon das Jahr 2017 war vielerorts trocken und heiß; auch deshalb setzen Dürre und Hitze 2018 vielen Bäumen besonders zu.[39]

Auswirkungen

Wirtschaft

Landwirtschaft

Dürre 2018 Deutschland Kartenlegende.png Entwicklung der Dürre[40] des Oberbodens (oberste 25 cm des Bodens) in Deutschland 2018 in Halbmonatsschritten.

In den europäischen Ländern waren aufgrund der langanhaltenden Trockenheit und Hitze historische Ernteeinbußen zu erwarten.[41]

Deutschland

Die Dürre führte in Deutschland dazu, dass viele Bauern ihr Getreide aufgrund starker Anzeichen der Notreife deutlich früher ernten mussten. Aufgrund des geringen Ertrags bei gleichzeitig geringen Rohstoffpreisen forderten Bauern finanzielle Hilfen vom Staat.[42] Trotz des Einbruchs bei der Ernte deutscher Bauern wurden von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) weltweit stabile bis steigende Erträge erwartet.[43] Am 1. August 2018 ließ das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit auch nichtökologische Raufuttermittel in der ökologischen Landwirtschaft zu.[44]

Die zuständigen Landesministerien übermittelten dem Bund Mitte August Verlustschätzungen in Milliardenhöhe. So stellte etwa Schleswig-Holstein Schäden in Höhe von 422 Millionen Euro, Sachsen rund 308 Millionen Euro, Sachsen-Anhalt von 237 Millionen Euro und Hessen etwa 150 Millionen Euro fest. Die Forstwirtschaft erwartet dort Verluste von rund 30 Millionen Euro. Niedersachsen rechnet mit der schlechtesten Getreideernte seit 1976. Erwartet wird eine Ernte von 4,69 Millionen Tonnen, was 22 Prozent weniger als 2017 bedeutet. Nachdem der Bauernverband Hilfe in Milliardenhöhe erwartet, stellte die Bundesministerin für Agrarwirtschaft Julia Klöckner lediglich in Aussicht, eine Maßnahme zur Linderung der Futterknappheit in der Landwirtschaft zu billigen. Viehhaltern helfe „jetzt in erster Linie nicht Geld, sie brauchen Futter für ihre Tiere“. Zuständig für Nothilfen an Landwirte seien zudem zuerst die Länder. Vor einer Entscheidung über mögliche Bundeszahlungen wolle sie den Abschluss der Ernte und den amtlichen Erntebericht Ende August abwarten. Erst dann sei es möglich einzuschätzen, ob es sich um Schäden von „nationalem Ausmaß“ handelt.[45]

Schweiz

Laut einer Meldung von Bio Suisse kann auch in der Schweiz ein Antrag für die Verwendung von Raufutter aus nicht-biologischer konventioneller Landwirtschaft gestellt werden.[46]

Weitere Auswirkungen auf die Wirtschaft

Neben den erwähnten Ertragsausfällen in der Landwirtschaft hatte das sonnige Wetter auch auf andere Wirtschaftszweige Auswirkungen.

In Deutschland und der Schweiz mussten einige Kraftwerke ihre Leistung drosseln, da das Kühlwasser, das in die ohnehin erwärmten Gewässer geleitet wurde, diese zusätzlich erhitzt. Dies betraf unter anderem die Kernkraftwerke Philippsburg, Grohnde und Brokdorf sowie das Rheinhafen-Dampfkraftwerk Karlsruhe.[47][48][49] Im Kernkraftwerk Fessenheim musste Anfang August einer der beiden Reaktoren komplett vom Netz genommen werden.[50] In der Schweiz haben die Kernkraftwerke in Beznau und Mühleberg ihre Stromproduktion gedrosselt.[51] Flüsse (zum Beispiel Elbe, Rhein, Oder und Donau) führten so wenig Wasser, dass die Schifffahrt eingeschränkt war oder eingestellt wurde.[52] Frachtschiffe konnten nur teilweise beladen werden.[47][53] Auf der Elbe zwischen Magdeburg und Dresden war mit Stand Oktober 2018 seit Monaten kein Schiffsverkehr mehr möglich, auf der Donau können Schiffe praktisch nur noch unbeladen verkehren.[14] Auf dem Rhein herrscht reger Frachtschiffbetrieb, weil diese Schiffe nur teilbeladen werden können.[54] Mancherorts verkehren die Rheinfähren nicht mehr.[14]

In Deutschland schien die Sonne im Juli 2018 durchschnittlich 305 Stunden – 44 Prozent mehr als das langjährige Mittel. Die Photovoltaikanlagen in Deutschland produzierten im Juli 2018 nach vorläufigen Zahlen unter Berücksichtigung des Eigenverbrauchs rund 6,7 bis 6,8 TWh. Das ist neuer Allzeitrekord. Mit 29,1 GW (entsprechend etwa 25 Kernkraftwerken) wurde Anfang Juli ein neuer Photovoltaik-Leistungsrekord aufgestellt.[55][56] Die Traubenlese begann etwa drei Wochen eher als gewöhnlich. Von deutschen Winzern wird ein ertragreiches Jahr erwartet, [57] mit hoher Qualität der Trauben, soweit nicht die intensive Sonne die Trauben durch Sonnenbrand schädigt.[58]

In der Schweiz gab die Rhätische Bahn Ende Juli bekannt, dass sie ihre Schienen mit weißer Farbe anstreicht, damit sie sich in der Hitze weniger verformen.[59] Um die Häfen in Basel auch bei Niedrigwasser besser erreichen zu können, werden zwischen Juli 2018 und Februar 2019 mehrere Abschnitte der Schifffahrtsrinne um rund 25 cm abgetragen.[60]

Wald- und Flächenbrände

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Eingerollte Blätter eines jungen Baums mit Trockenstress

Die Trockenheit begünstigte Wald- und Feldbrände. In der Lieberoser Heide, einem ehemaligen Truppenübungsplatz in Deutschland, standen über 400 Hektar Wald in Flammen. Die Feuerwehr konnte oder durfte den Brand wegen vermuteter Blindgänger nicht löschen.[61] Nach vorläufigen Zahlen wurden alleine in Brandenburg mehr als 640 km² Wald Opfer von Bränden. Da die Feuerwehren vor Ort oft überfordert waren, kam es teils zu Amtshilfe durch Bundeswehr, Technisches Hilfswerk und Bundespolizei, wobei die Einsatzzeiten dieser Einheiten deutlich höher lagen als in den Vorjahren.[62] Bei Trebbin wurden maschinelle Feldarbeiten mit Wassertankwagen zum Löschen von eventuellen Brandherden abgesichert.[63] Im gesamten Bundesgebiet kam es zudem zu kleineren Wald- und Wiesenbränden. Die Dürre begünstigte auch einen großen Moorbrand in der Wehrtechnischen Dienststelle 91, der über Wochen mehrere Quadratkilometer Moor betraf.[64][65]

In Schweden standen am 22. Juli 2018 insgesamt mehr als 25.000 Hektar Wald in Flammen. Die Feuerwehren schlugen Schneisen und brannten Flächen gezielt ab, um den Feuern den Brennstoff zu nehmen. Nachdem Schweden um internationale Hilfe gebeten hatte, waren Mannschaften, Gerät, Löschflugzeuge und Löschhubschrauber unter anderem aus Dänemark, Deutschland, Frankreich, Italien, Norwegen, Österreich, Polen und Portugal zur Unterstützung gekommen.[66][67] Schweden hatte im Juli 2018 keine Löschflugzeuge zur Waldbrandbekämpfung.[68] Schwedische Behörden gaben an, es könne möglicherweise bis Anfang 2019 dauern, bis alle Brände vollständig gelöscht seien.[69] Der größte Brand mit einer Fläche von 8500 ha befand sich mit Stand 20. Juli 2018 in der Kommune Ljusdal. Die Front jenes Waldbrandes war dort zu diesem Zeitpunkt 55 Kilometer breit.[70]

In Südnorwegen waren im Juli mehr als 350 Wald- und Feldbrände binnen zwei Wochen ausgebrochen, was laut norwegischem Zivilschutzdirektorium die höchste jemals gemessene Zahl solcher Brände war. Es hatte seit Anfang Mai kaum geregnet.[71][72]

Im August 2018 kam es nahe dem portugiesischen Ort Monchique zu großen Waldbränden. Im Einsatz waren mehr als 1300 Feuerwehrleute.[73][74] Der Waldbrand konnte erst nach einer Woche von der Feuerwehr unter Kontrolle gebracht werden. Insgesamt wurden 41 Menschen verletzt und rund 27.000 Hektar Wald vernichtet.[75]

Tier- und Pflanzenwelt

Wespen im August (Heidelberg)

Die Dürre führt zu einem Rückgang verschiedener Insekten, wie z. B. der Mücken. Vögel waren deshalb zusätzlich zum Wassermangel von einem Futtermangel betroffen. Wespen, die sich aufgrund der Hitze stark vermehrten, konnten wahrscheinlich weniger Insekten, mit denen sie ihre Larven versorgen, fangen und waren relativ klein.[76][77][78][79]

Wie bereits 2015 und 2017 wurden wenige Exemplare von Hyalomma marginatum und Hyalomma rufipes – zwei krankheitsübertragende, vermutlich durch Zugvögel eingeschleppte tropische Zeckenarten – in Deutschland gefunden. Bisher waren sie in Europa in Italien, Frankreich, Albanien, Bosnien-Herzegowina, Spanien, Portugal, Rumänien und der Ukraine nachzuweisen.[80][81]

Ebenfalls starben in den Wäldern junge Bäume, die noch keine tiefen Wurzeln ausbilden konnte, großflächig ab. Für Deutschland wird kalkuliert, dass etwa 85 % der neu angepflanzten Jungbäume vertrockneten. Klimaforscher gehen zudem davon aus, dass der Wald durch die große Trockenheit nicht wie üblich als Kohlenstoffsenke agiert haben könnte, also netto Kohlenstoffdioxid aus der Luft gebunden hat, sondern stattdessen zu einer Kohlenstoffquelle wurde, also netto mehr Kohlenstoffdioxid in die Atmosphäre abgegeben als aufgenommen hat. Dies war bereits im ebenfalls sehr heißen und trockenen Sommer 2003 geschehen.[64] Die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände bezifferte den Schaden in den Wäldern auf ca. 5,4 Mrd. Euro, verursacht durch Waldbrände, abgestorbene Jungbaumpflanzungen sowie übermäßigen Schädlingsbefall, z. B. durch den Borkenkäfer.[82]

Gewässer

Ausgetrocknetes Flussbett des Wharfe in Wetherby, West Yorkshire, 9. Juli 2018

Viele Gewässer führten bisweilen nur noch wenig Wasser. Mitte Oktober lag der Pegelstand des Rheins bei Emmerich am Rhein bei gerade einmal 26 cm; ein neuer Tiefstand, der sogar den vorherigen Rekord aus dem Jahr 2003 unterbot.[14] Unter anderem durch die hohen Temperaturen und niedrigen Wasserstände wurden schwere Auswirkungen auf die Gewässerökologie befürchtet. Laut Schweizerischem Fischereiverband sei im Rhein ein hitzebedingtes Fischsterben kaum noch abzuwenden. Umweltverbände forderten, dass temporär die Einleitung von warmen Industrieabwässern verboten werden solle, um die Umweltfolgen der Hitzewelle in Grenzen zu halten.[83]

Dies hatte zur Auswirkung, dass in Deutschland einige Flüsse, wie etwa die Oder, an einigen Stellen durchwatet werden konnten.[84] An der Oder wurde am maßgeblichen Pegel Frankfurt 1 mit 94 cm ein neues Allzeittief seit Beginn der Messungen ermittelt; ein weiterer Rückgang des Pegels wird erwartet.[85] Auch die Donau führte am Wochenende vom 12. August historisches Niedrigwasser: So wurde an der Messstelle Pfelling im Landkreis Straubing-Bogen (Niederbayern) nur noch ein Pegel von 2,28 m (Fahrrinnentiefe 1,38 m) gemessen, nochmals zwei Zentimeter unter dem bisherigen Tiefststand vom 25. September 1947.[86]

Zudem trat durch das Niedrigwasser versunkene Munition aus dem Zweiten Weltkrieg wieder ans Tageslicht.[87][88] In der Elbe und dem Rhein kam es zu vermehrten Munitions-, Granaten- und Minenfunden. In Sachsen-Anhalt sprach das Technische Polizeiamt (TPA) daraufhin eine Warnung aus.[89] In der Nähe des Mainzer Winterhafens wurden am 1. August 66 Flakpatronen, die bereits Mitte Juli gefunden worden waren, im Rhein gesprengt.[90]

Im Bochumer Stadtteich verendeten am 29. Juli 2018 aufgrund Sauerstoffmangels einige hundert Fische.[91] In Hamburg wurden fünf Tonnen tote Fische aus Gewässern entnommen.[92] In zahlreichen weiteren Gewässern wurden tote Fische entdeckt.[93] Wegen der hohen Wassertemperaturen vermehrten sich die Cyanobakterien im Unterbacher See bei Düsseldorf, so dass das Strandbad Nord am 29. Juli 2018 schließen musste.[94] Der Ironman Hamburg vom 29. Juli 2018 wurde aufgrund der Cyanobakterienblüte in der Alster von einem Triathlon zu einem Duathlon umfunktioniert.[95] Anfang August gab es ein Fischsterben im Aasee (Münster). Dort werden die Blaualgen bereits seit Jahren bekämpft.[96]

In der Schweiz sind bei der Emme und der Töss die Flussbetten stellenweise ausgetrocknet.[97] Auch beim Vierwaldstätter-, Zuger- und Zürichsee wurden außerordentlich tiefe Wasserstände gemessen.[98] Während die Aare in Bern eine Rekordtemperatur verzeichnete, leiden Äsche und Forellen unter anderem im rund 27 Grad warmen Rhein.[99] Vielerorts muss abgefischt werden, beispielsweise mussten im Kanton Thurgau rund 40 Gewässer abgefischt werden.[100]

Durch die hohen Temperaturen sowie den geringen Niederschlag schmolzen die ca. 1500 Gletscher in der Schweiz deutlich ab. Insgesamt verloren sie im Jahresvergleich laut Akademien der Wissenschaften Schweiz geschätzt 1,4 Milliarden Kubikmeter Eis, was etwa 2,5 % der gesamten Gletschermasse entspricht. Rückgangsdämpfend wirkte sich hierbei aus, dass es im Winter 2017/2018 in manchen Regionen sehr hohe Schneefälle gegeben hatte, ohne die der Schneeverlust noch deutlich größer ausgefallen sei.[34]

Bezug zu den Wetterereignissen und Naturkatastrophen in Südeuropa

Die durch Brandstiftung verursachten Waldbrände in Griechenland 2018, die östlich von Athen mehrfach außer Kontrolle gerieten, waren laut Katastrophenschutzminister Nikos Toskas ebenfalls durch Extremwetter infolge des Klimawandels begünstigt.[101][102][103][104] Mindestens 96 Menschen starben, womit der Waldbrand laut dem Centre for the Research on the Epidemiology of Disasters das schlimmste derartige Feuer in ganz Europa seit dem Jahr 1900 war.[105][106] Der Brandforscher Lindon Pronto hingegen sieht die den Brand begünstigenden Wetterbedingungen als nicht ungewöhnlich an: „[…] in Griechenland muss man damit jedes Jahr rechnen“. Der Hauptfaktor sei der Wind gewesen. Lediglich die Waldbrände in Nord- und Mitteleuropa seien in ihrer Zahl und Gefährlichkeit ungewöhnlich gewesen.[107]

Zusammenhang mit dem Klimawandel

Viele Klimaforscher wie Markus Rex vom Alfred-Wegener-Institut, Friederike Otto[108] von der University of Oxford, Mojib Latif, Stefan Rahmstorf, Michael E. Mann und Judah Cohen vom MIT sehen einen Zusammenhang zwischen dem menschengemachten Klimawandel und der Ausbildung solcher stabiler Wetterlagen, da sich durch die stärkere Erwärmung der Arktis der Jetstream abschwäche.[3][109][110][111][112][113][114] Abhängig davon, wie sich der Jetstream genau abschwäche und wo er zum Stehen komme, gebe es einen sehr sonnigen oder einen sehr nassen Sommer. Die Hitze des Jahres 2018 und der Regen und die Überflutungen des nassen Sommers 2017 „seien zwei Seiten derselben Medaille“.[115][116]

Der österreichische Klimatologe Klaus Haslinger von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (Wien) betonte, dass der Klimawandel eine Rolle spielen könne, die Situation aber nicht allein darauf zurückzuführen sei. Vielmehr hängt sie „in erster Linie mit einer speziellen Wettersituation zusammen“: Zurzeit (Stand Ende Juli 2018) bestehen auf der Nordhemisphäre „sehr stabile Hoch- und Tiefdruckgebiete, die sich nicht oder nur wenig verlagern“ und den Westwind-Drift blockieren. „Wenn sich eine Situation einstellt, in der diese Verlagerung gebremst ist, oder streckenweise gar nicht mehr stattfindet, dann stellen sich so extreme Zustände ein.“ Einen ähnlich trockenen Sommer habe es in Mitteleuropa im Jahre 1976 gegeben, jedoch ohne Temperaturrekorde.[117][118] Eine umfassende wissenschaftliche Referenz der natürlichen hydroklimatischen Variabilität der vorindustriellen Zeit bietet der „Old World Drought Atlas“ (OWDA), eine Reihe von Jahreskarten der rekonstruierten Sommerfeuchte und -trockenheit über Europa und dem Mittelmeerraum während der vorindustriellen Zeit.[119] Die ein Jahr andauernde beispiellose Hitze und Dürre in Europa von 1540 wird hierbei nach übereinstimmenden Studien als "worst case" bezeichnet.[120]

In einer im Jahr 2016 erschienenen Studie wurde die Hitzewelle von 2015 analysiert. Dabei finden die Autoren, dass die Wahrscheinlichkeit für Hitzewellen in Europa durch das ungewöhnlich kalte Oberflächenwasser des Atlantik südlich von Grönland erhöht wird, das unter anderem eine Verlagerung des Jetstreams erschwert.[121] Die Abkühlung des atlantischen Oberflächenwassers in dieser Region ist wiederum Folge des sich abschwächenden Golfstroms.[122]

Siehe auch

Regentag Ende August