Der Würzburger Dom

Der St.-Kilians-Dom zu Würzburg oder Dom St. Kilian ist eine römisch-katholische Kirche in Würzburg, die dem Heiligen Kilian geweiht ist. Der Dom ist die Bischofskirche des Bistums Würzburg. Mit seiner Doppelturmfassade und einer Gesamtlänge von 105 Metern ist er das viertgrößte romanische Kirchengebäude Deutschlands und ein Hauptwerk deutscher Baukunst zur Zeit der salischen Kaiser.

Ursprünglich hatte der Dom ein Salvator-Patrozinium, von 855 bis um etwa 1000 war er dem heiligen Kilian geweiht, von etwa 1000 bis 1967 war der Apostel Andreas Dompatron, seit dem 6. Mai 1967 trägt der Dom das Patrozinium der Frankenmärtyrer Kilian, Kolonat und Totnan. Das Kirchweihfest der Kathedrale wird am 24. Oktober begangen.[1]

Der Dom St. Kilian ist die Pfarrkirche der Dompfarrei und der Domstiftspfarrei des Domkapitels.[2]

Geschichte

Außenansicht aus dem Jahr 1904 1910 Gemälde von Rudolf Huthsteiner zeigt das Kruzifix von Tilman Riemenschneider (1945 verbrannt)
Außenansicht aus dem Jahr 1904
1910 Gemälde von Rudolf Huthsteiner zeigt das Kruzifix von Tilman Riemenschneider (1945 verbrannt)
Der Dom von südwestlicher Richtung
Die Westfassade des Doms vor der Renovierung im Jahr 2006

Die romanische Kirche, erbaut ab 1040 von Bischof Bruno, gilt als die viertgrößte romanische Basilika Deutschlands. Es handelt sich um den dritten Dombau, nachdem die ersten beiden (erbaut um 787 und 855) durch Feuer ganz oder teilweise zerstört worden waren. Nach dem Unfalltod Brunos im Jahr 1045 vollendete sein Nachfolger im Bischofsamt, Adalbero, den Bau im Jahr 1075.

Eine dem Dom angegliederte und vom Würzburger Domkapitel betriebene Domschule gehörte im Mittelalter neben den Domschulen von Lüttich und Worms zu den bedeutendsten Kathedralschulen des Landes.[3][4][5]

Im 19. Jahrhundert war die Erzbruderschaft Corporis Christi in der Domkirche ansässig.[6]

Die Seitenschiffe wurden um das Jahr 1500 spätgotisch umgestaltet. Pietro Magno stuckierte unter Mitarbeit von Giovanni Antonio Clerici[7] den Dom 1701 bis 1704 im barocken Stil aus.

Zur Zeit des Nationalsozialismus gab es von Seiten der katholischen Kirche Würzburgs und ihrer Repräsentanten im Dom, etwa in Person des Bischofs Matthias Ehrenfried und des Volksblatt-Hauptschriftleiters Dompfarrers Heinrich Leier (1876–1948), entschiedene Stellungnahmen und Demonstrationen gegen das Regime.[8]

Nach dem Einsturz großer Teile (insbesondere der Nordmauer[9]) des Doms im Februar 1946[10] als Folge des Bombenangriffs auf Würzburg am 16. März 1945, bei dem der Dom bereits durch Brand schwer beschädigt worden war, wurde er bis 1967 vom Diözesan- und Dombaumeister Hans Schädel wieder aufgebaut. Am 6. Mai 1967 erfolgte die Weihe des neuen Hochaltars und von vier Nebenaltären unter Mitwirkung des Kardinals Julius Döpfner und des Nuntius Corrado Bafile.[11][12] Beim Wiederaufbau wurde die barocke Substanz zugunsten einer Re-Romanisierung zerstört. Die Neuausstattung betont den Gegensatz zu den erhaltenen historischen Partien. So entstand eine umstrittene Kombination aus größtenteils romanischen, modernen und barocken Elementen. Die neoromanische Westfassade mit Fensterrose, dreigliedriger Galerie und Uhrenöffnung wurde beim Wiederaufbau mit einer schlichten Bimssteinmauer verblendet und im Zuge von Renovierungsarbeiten zwischen April 2004 und November 2006 wieder freigelegt.[13] Weiterhin erhielt der Dom als Leihgabe die vom Münchner Hofmaler August Wolff angefertigte Kopie eines Florentiner Abendmahlsgemäldes aus der St.-Bonifatius-Kirche in Rannungen.[14]

Der Chorraum wurde im Jahr 1988 von Hubert Elsässer umgestaltet und verbindet seither barocke und moderne[15] Formen. Seit dem 25. Juli 2011 war der Innenraum wegen Bau- und Renovierungsarbeiten geschlossen. Er wurde am 2. Dezember 2012 wieder geöffnet.[16]

Im März 2003 wurde das Museum am Dom eröffnet.

Würzburger Synode

Briefmarke der Deutschen Bundespost anlässlich der Würzburger Synode

Von 1971 bis 1975 tagte im Würzburger Dom die Würzburger Synode. Sie sollte nach dem Willen des Kardinals Julius Döpfner die Ergebnisse des Zweiten Vatikanischen Konzils für Deutschland umsetzen und zu einem „geistlichen Ereignis“ werden.

Ausmaße

Der Würzburger Dom weist folgende Abmessungen aus:[17]

  • Gesamtlänge von der Vorhalle bis zur Apsis: 108 Meter
  • Querschifflänge: 58 Meter
  • Länge der Chorzone mit Apsis: 25 Meter
  • Gewölbehöhe der Seitenschiffe: 10,60 Meter
  • Deckenhöhe des Mittelschiffes: 23,25 Meter
  • Interkolumnium der Arkadenwände: 4 Meter
  • Bogenhöhe der Arkaden: 9,30 Meter
  • Breite der Seitenschiffe: 7 Meter
  • Breite des Mittelschiffes: 13,80 Meter
  • Gewölbehöhe der Querschiffe: 21,80 Meter
  • Breite der Querschiffe: 13,80 Meter
  • Länge der Querschiffarme bis zur Vierung: 20,36 Meter
  • Vierung: 15 × 15 Meter
  • Höhe der Vierungsbögen in den Querschiffen: 20,20 Meter

Gottesdienste

Die Gottesdienste finden sonntags 10:00, 11:30 und 18:30 Uhr und werktags 9:00 Uhr statt. Der Orgelimpuls „5 nach 12“ wird von Montag bis Samstag jeweils 12:05 bis 12:20 Uhr (von Dienstag nach Ostern bis zum 31. Oktober) abgehalten.[18]

Kunstwerke

Wuerzburg Dom enlargednumbers.jpg
Merowingerkreuz in der Domkrypta (35)
Sepulturkapelle (73)
Das Epitaph Gottfried von Spitzenberg 1132; † 8. Juli 1190 ist das älteste noch erhaltene des Würzburger Domes
Gesichtszüge von Rudolf II. von Scherenberg als Ausschnitt des Epitaphaltars von Tilman Riemenschneider aus Adneter Marmor (11)
Grabmal Lorenz von Bibras von Tilman Riemenschneider aus Adneter Marmor (13)

Die Kunstwerke befinden sich im Eingangsbereich, Innenraum, Sepultur, Kreuzgang und in der Krypta. Ins Auge fallend ist der Siebenarmige Leuchter „Menora“ im Mittelgang kurz hinter dem Eingangsbereich. Von Tilman Riemenschneider sind die Grabmäler für Rudolf von Scherenberg und Lorenz von Bibra an den nördlichen Säulen des Mittelganges.[18] Die unter den Nummern 24 bis 31 gelisteten Werke befinden sich in der Schönbornkapelle von Balthasar Neumann.

  1. Gitter Markus Gattingers, weiter im Raum: Siebenarmiger Leuchter, Arbeit von Andreas Moritz, 1981
  2. Bischof Gottfried von Spitzenberg († 1190)
  3. Bischof Gottfried III. von Hohenlohe († 1322)
  4. Bischof Manegold von Neuenburg († 1303)
  5. Bischof Otto II. von Wolfskeel († 1345), Arbeit des Wolfskeelmeisters
  6. Dreikönigsgruppe mit Madonna
  7. Bischof Wolfram Wolfskeel von Grumbach († 1333)
  8. Bischof Johann II. von Brunn († 1440)
  9. Bischof Albrecht II. von Hohenlohe († 1372)
  10. Bischof Gottfried IV. Schenk von Limpurg († 1455)
  11. Bischof Rudolf II. von Scherenberg († 1495), Arbeit von Tilman Riemenschneider
  12. Bischof Melchior Zobel von Giebelstadt († 1558)
  13. Bischof Lorenz von Bibra († 1519), Arbeit von Tilman Riemenschneider
  14. Bischof Friedrich von Wirsberg († 1573)
  15. Bischof Julius Echter von Mespelbrunn († 1617)
  16. Domkanzel
  17. Bischof Johann Gottfried I. von Aschhausen († 1622)
  18. Bischof Ferdinand von Schlör († 1924)
  19. Stuck in Vierung, Chor und Apsis
  20. Stuck des nördlichen Querschiffs und Propstaltar
  21. Epitaph Franz Ludwig Faust von Stromberg († 1673)
  22. Portal zur Pfarrsakristei
  23. Bischof Gerhard von Schwarzburg († 1400)
  24. Bamberger und Mainzer Bischof Lothar Franz von Schönborn († 1729)
  25. St.-Magdalenen-Altar
  26. Bischof Johann Philipp Franz von Schönborn († 1724)
  27. Auferstehungsfresko (Byß)
  28. Portal der Schönborn-Kapelle, Engel (Curé)
  29. Bischof Friedrich Karl von Schönborn-Buchheim († 1746)
  30. Pietà-Altar
  31. Bischof Johann Philipp von Schönborn († 1673)
  32. Bischof Konrad III. von Bibra († 1544)
  33. Marienaltar
  34. Johann Konrad Kottwitz von Aulenbach († 1610)
  35. Eingang zur Krypta
  36. Bischof Konrad II. von Thüngen († 1540)
  37. Bischof Konrad III. von Bibra († 1544), Bronzeplatte
  38. Bischof Lorenz von Bibra († 1519), Bronzeplatte von Hans Vischer und Peter Vischer dem Älteren
  39. Erasmus Neustetter genannt Stürmer († 1594), Bronzeplatte
  40. Johann Philipp Fuchs von Dornheim († 1727), Bronzeplatte
  41. Richard von der Kere († 1583), Bronzeplatte
  42. Dompropst Albrecht von Bibra († 1511), Bronzeplatte
  43. Georg von Giech († 1501), Bronzeplatte
  44. Bischof Philipp Adolf von Ehrenberg († 1631), Bronzeplatte
  45. Bischof Franz Ludwig von Erthal († 1795)
  46. Bischof Georg Anton von Stahl († 1870)
  47. Bischof Johann Valentin von Reißmann († 1875)
  48. Bischof Franz Joseph von Stein († 1909)
  49. Bischof Adam Friedrich Groß zu Trockau († 1840)
  50. Bischof Georg Karl von Fechenbach († 1808)
  51. Bischof Christoph Franz von Hutten († 1729)
  52. Wandgemälde: St. Felix, Regula und Exuberantius
  53. Bischof Adam Friedrich von Seinsheim († 1779)
  54. Peter von Aufseß († 1522)
  55. Johann von Guttenberg († 1538), Bronzeplatte
  56. Erasmus Neustetter genannt Stürmer († 1594), Bronzeplatte
  57. Johann Konrad Kottwitz von Aulenbach († 1610), Bronzeplatte
  58. Bischof Melchior Zobel von Giebelstadt († 1558), Bronzeplatte
  59. Bischof Friedrich von Wirsberg († 1573), Bronzeplatte
  60. Bischof Julius Echter von Mespelbrunn († 1617), Bronzeplatte
  61. Mariä-Tod-Gruppe
  62. Bamberger Bischof Neidhardt von Thüngen († 1598)
  63. Riemenschneider-Apostel-Altar
  64. Bischof Konrad II. von Thüngen († 1540)
  65. Eichstätter Bischof Moritz von Hutten († 1552)
  66. Dechantaltar
  67. Georg Heinrich von Stadion († 1716)
  68. Bernhard von Solms-Hohensolms-Lich († 1553)
  69. Pforte zum Kreuzgang
  70. Heinrich Truchseß von Wetzhausen († 1548)
  71. Jakob Baur von Eiseneck († 1621)
  72. Paul Truchseß von Wetzhausen-Unsleben († 1528)
  73. Sepulturkapelle mit Fensterzyklus von Georg Meistermann
  74. Jakob Fuchs von Wonfurt († 1558)
  75. Heinrich von Seinsheim († 1360)
  76. Ebbo (unsicher) 10. Jahrhundert
  77. Domschul-Magister (spätgotisch)
  78. Kreuzigungsgruppe, 1763
  79. Friedrich von Brandenburg († 1536)
  80. Alte Domschulpforte, 1565
  81. St. Kilian, 1720 (Esterbauer)
  82. Wandmalerei-Reste: Christus und Maria, Maria und der Evangelist Johannes
  83. Pforte des Jüngsten Gerichts und zwei spätgotische Wappen von Scherenberg und Grumbach
  84. Bischof Johann III. von Grumbach († 1466), noch beschädigt
  85. Bischof Johann I. von Egloffstein († 1411), noch beschädigt
  86. Johann Vitus von Würtzburg († 1756), Bronzetafel
  87. Vitus Gottfried von Wernau († 1649), Bronzetafel
  88. Sebastian Echter von Mespelbrunn († 1575)
  89. Martin von der Kere († 1507), Bronzeplastik und Konrad Friedrich von Thüngen († 1629), Bronzeplastik
  90. Säule Jachin, 11. Jahrhundert
  91. Säule Boas, 11. Jahrhundert
  92. Taufstein von 1279 von Meister Eckart aus Worms
  93. Pietà, um 1420
  94. Fragment der Grabplatte von Daniel von Stiebar († 1555)
  95. Grabstein von Johann Philipp Echter von Mespelbrunn († 1665)
  96. Fragment der Grabplatte von Lorenz Truchseß von Pommersfelden († 1543)
  97. Franz Christ. von Rosenbach († 1687)
  98. Johann Philipp Ludwig Ignaz von Frankenstein († 1780)
  99. Johannes Evangelist von Tilman Riemenschneider
  100. Wappenstein des Kurfürsten Johann Philipp von Schönborn († 1673)
  101. Grab von

    Die Tradition der Würzburger Dommusik geht wahrscheinlich bis in die Gründungsjahre des Bistums Würzburg zurück. Mit über 500 aktiven Sängern gehört sie heute zu den bedeutendsten und aktivsten Dommusiken in Deutschland. Vier Ensembles (Würzburger Domchor, Würzburger Domsingknaben, Mädchenkantorei am Würzburger Dom und Kammerchor am Würzburger Dom) gestalten regelmäßig die Liturgie am Kiliansdom und prägen mit ihren geistlichen Konzerten das kulturelle Leben der Stadt und der Region. Die Würzburger Dommusik steht seit 2013 unter Leitung von Domkapellmeister Christian Schmid, seit 2005 wirkt Stefan Schmidt als Domorganist an der Kathedrale. Domkantor ist seit 2011 Alexander Rüth.

    Domorgeln

    Hauptorgel

    Die 1969 geweihten Domorgeln wurden von Johannes Klais Orgelbau in Bonn gebaut. Auf der großen Empore an der Westseite des Langhauses steht die große Hauptorgel (6652 Pfeifen, 87 Register verteilt auf fünf Manuale und Pedal).[19] Die kleinere Chororgel mit 20 Registern, verteilt auf zwei Manuale und Pedal befindet sich auf einer Empore im südlichen Querschiff.

    Im Jahr 2009 wurde in den neu eingerichteten Probesälen eine Probenorgel der Firma Karl Göckel mit acht Registern errichtet.

    Es ist geplant, im Hochchor eine weitere Chororgel mit 58 klingenden Registern zu bauen, die das Zusammenspiel mit den Chören (z. B. Würzburger Domsingknaben) im Altarraum erleichtern soll. Ursprünglich sollte diese Orgel bereits 2010 fertiggestellt sein.

    Glocken

    Der Dom verfügt über ein Geläut aus 20 Glocken. Mit einem Gesamtgewicht von 26 Tonnen[20][21] gehört es zu den größten in Deutschland.

    Die älteste und gleichzeitig einzig erhaltene der ursprünglichen Glocken ist die Lobdeburg-Glocke. Sie überstand den Feuersturm des 16. März 1945, da man sie 1933 in die Sepultur des Doms gebracht hatte. „Neueste Forschungen haben gezeigt, dass sie 1257 von einem der bekanntesten Glockengießer ihrer Zeit geschaffen wurde, vom Würzburger Cunradus Citewar“, so der Architekt Siegfried Issig, amtlicher Glockensachverständiger des Bistums. Diese Glocke wurde bei der Amtseinführung von 50 der 88 Bischöfe Würzburgs sowie bei der Weihe der meisten Würzburger Weihbischöfe (bis auf vier) geläutet. Am Michaelstag 2007 wurde ihr 750. Jubiläum gefeiert. Freitags außerhalb der Karwoche wird sie um 15 Uhr zur Todesstunde Jesu am Kreuz geläutet.

    Elf Glocken wurden 1965 von Friedrich Wilhelm Schilling in Heidelberg gegossen. Mit Ausnahme der großen Salvatorglocke goss er das Würzburger Geläute mit zunehmender Wandungsstärke bei aufsteigender Tonhöhe (Rippenprogression). Die Glocken 4, 6 und 7 sind rund ein Drittel schwerer, die Glocken 8 bis 11 doppelt, Glocke 12 sogar dreimal so schwer wie Glocken mittelschwerer Rippenkonstruktion. Glocke 1 ist ebenfalls schwerrippig, um ein gravitätisches Fundament zu bilden.

    Seit 2008 ergänzen im Südwestturm acht weitere Glocken der Glockengießerei Perner aus Passau in der tonhöheren Oktave die Glocken des Hauptgeläuts; die Schlagtonfolge reiht sich nahtlos an.[22]

    Siehe auch